Tote Familie in Köpenick : Die Tragödie wäre vermeidbar gewesen

27.07.2011 17:24 Uhrvon und
Ein Techniker der Gasag überprüfte die Wohnung bereits am Montag. Foto: dpa
Ein Techniker der Gasag überprüfte die Wohnung bereits am Montag. - Foto: dpa

Laut den Ermittlern war der Tod der Köpenicker Familie ein Unfall. Die Gastherme im Haus hätte gar nicht in Betrieb sein dürfen.

Eine nicht funktionstüchtige Gastherme in der Wohnung an der Köpenicker Puchanstraße war offenbar die Ursache für die tödliche Kohlenmonoxid-Vergiftung einer sechsköpfigen Familie. Die Anlage stammte noch aus DDR-Zeiten und wird nun kriminaltechnisch untersucht. Ermittelt wird dabei auch, „ob es eine verantwortliche Person gibt, die versäumt hatte, etwas zu tun“, hieß es bei der Staatsanwaltschaft – anders ausgedrückt: wer dafür verantwortlich ist, dass die mangelhafte Anlage in Betrieb gehen konnte.

„Die Tragödie hätte verhindert werden können“, sagte der Sprecher der Schornsteinfeger-Innung Henry Laubenstein. Die Gasversorgung der Wohnung sei zuvor mehrere Jahre gesperrt und die Gasetagenheizung stillgelegt gewesen.

Erst nach dem Einzug der Familie vor wenigen Wochen sei die Anlage wieder in Betrieb genommen worden. Die bundesweit geltende „Kehr- und Überprüfungsverordnung für Feuerstätten“ schreibe vor, dass in einem solchen Fall der Hauseigentümer oder sein Verwalter den Bezirksschornsteinfeger über die Wiederinbetriebnahme informiert. Dieser müsse dann eine „komplette Überprüfung“ der Therme durchführen. Beides sei im Fall der sechsköpfigen Familie ausgeblieben.

Warum die Verwaltung den Bezirksschornsteinfeger nicht informierte, wollte man beim Besitzer des Köpenicker Wohnhauses nicht kommentieren. Dabei handelt es sich um die Firma „Tower 1 Immobilien dritte GmbH“. Sie gehört zur dänischen „Tower Gruppe“, die nach eigenen Angaben 9200 Wohnungen in Deutschland besitzt, die Hälfte davon in Berlin. Seit gut einer Woche ist die „Tower 1 Immobilien dritte GmbH“ allerdings insolvent gemeldet. Die Tower-Gruppe selbst war ebenfalls in Turbulenzen geraten und vor einem Jahr mehrheitlich von einer anderen Investmentfirma mit amerikanisch-tschechischem Eigentümer übernommen worden. Der Berliner Geschäftsführer der Tower-Wohnen-Gruppe Friedrich Thiele bestätigte auf Anfrage, dass die Tochterfirma „Tower 1 Immobilien dritte“ insolvent sei. Obwohl ein Insolvenzverwalter eingesetzt ist, liege die Verwaltung der Häuser weiter in der Hand der Tower-Gruppe. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hätten aber „keinen Einfluss auf die Service- und Dienstleistungsverträge“ der Firma gehabt.

Das ganze Haus in Köpenick ist seit dem Unglück von der Gasversorgung getrennt. „So etwas hat es in meiner Laufbahn in diesem Ausmaß noch nicht gegeben“, sagte Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. Der Fall sei „äußerst ungewöhnlich“ – und dennoch: Es war ein Unfall. So sieht es nach jetzigen Erkenntnissen die Staatsanwaltschaft. Zwar stünden die Ergebnisse der chemisch-toxikologischen Untersuchung noch aus. Doch diese seien nur zur „routinemäßigen Absicherung“ beantragt worden, sagt Justizsprecherin Simone Herbeth. An dem Ergebnis, dass die 27-jährige Anna P., ihre vier Kinder (eins, vier, fünf und sechs Jahre) und ihr 40-jähriger Lebensgefährte durch eine Kohlenmonoxidvergiftung ums Leben kamen, werde sich nichts ändern.

Bei der Überprüfung der Anlage soll auch geklärt werden, ob die verstorbenen Mieter selbst an der Gastherme gewerkelt hatten. Als Konsequenz aus dem tragischen Unfall sprach sich die Berliner Schornsteinfegerinnung dafür aus, dass zukünftig vor einer erneuten Inbetriebnahme von Gasetagenheizungen oder anderen „Feuerstätten“ die Bezirksschornsteinfeger routinemäßig durch den Gasversorger informiert werden sollen. In Teilen Brandenburgs sei dies bereits der Fall und verhindere Tragödien wie diese.

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