Tourismus : Berlin zählt erstmals 20 Millionen Übernachtungen

Berlins Tourismuswerber haben jahrelang davon geträumt, eine ganze Branche hat dafür gearbeitet – nun ist es geschafft: Erstmals wird 2010 die Grenze von 20 Millionen Übernachtungen im Jahr überschritten.

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Die Spanierin Ana Domingo wurde von Klaus Wowereit als Jubiläumsgast geehrt. Foto: Davids
Die Spanierin Ana Domingo wurde von Klaus Wowereit als Jubiläumsgast geehrt.Foto: Davids

„Visit Berlin“, die Tourismus-Marketing-Gesellschaft, präsentierte am Donnerstag mit Ana Domingo aus Barcelona den Jubiläumsgast. Die Anwältin wohnt mit ihrem Mann im Mandala-Hotel am Potsdamer Platz, der Trip an die Spree ist ein Geschenk zum 40. Geburtstag der viel gereisten Señora, die in Berlin „das New York Europas“ sieht. „Diese Stadt verändert sich permanent, hat eine weltweit einmalige Geschichte und ein reiches kulturelles Angebot, ist voller Kontraste, eigentlich ganz anders als das restliche Deutschland, bietet einen guten Service und ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Und die Berliner seien „voller Lebenslust“.

All diese Attribute sind es denn wohl auch, die der Stadt zu diesem „gigantischen Erfolg“ verhalfen. So jedenfalls bezeichnete der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit den Durchbruch der 20-Millionen-Grenze: Um zehn Millionen Übernachtungen im Jahr zu erreichen, habe Berlin 55 Jahre benötigt, aber „die nächsten zehn Millionen haben wir in nur zehn Jahren geschafft“, sagte der Regierende gestern bestens gelaunt im Martin-Gropius-Bau. Keine andere europäische Stadt habe sich in den vergangenen Jahren so rasant entwickelt, Berlin steht in Europa als Reiseziel hinter London (45 Mio.) und Paris (33,9) an dritter Stelle, gefolgt von Rom und Madrid. Dieser Erfolg sei von allen Mitarbeitern der Tourismusbranche hart erarbeitet worden. Wie die Statistik sagt, gibt jeder Übernachtungsgast während seines Berlin-Besuchs pro Tag durchschnittlich 196,70 Euro aus, davon profitieren besonders der Handel und das Gastgewerbe. Mit einem Bruttoumsatz von neun Milliarden Euro ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Berlin, wo derzeit in 753 Hotels 113 500 Betten auf ihre Gäste warten – zum Durchschnittspreis von 79 Euro übrigens, der nur noch von Warschau (64 Euro) unterboten wird, während man in Paris und London für eine Übernachtung im Durchschnitt 113 Euro zahlt. Günstige Preise seien gut für die Touristen, aber eine große Herausforderung für jedes Hotel, gut und immer noch besser zu sein.

Mit der Schaffung von 10 000 Hotelbetten entstehen aber auch 4000 neue Arbeitsplätze, sagte Willy Weiland, der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands. So kann sich Berlin nie auf seinen Lorbeeren ausruhen: Neue Hotels erfordern mehr und neue Gäste, mit fünf Prozent Wachstum pro Jahr rechnet Visit- Berlin-Chef Burkhard Kieker, 2020 könnte die 30-Millionen-Grenze erreicht sein – ein erstrebenswertes Ziel, aber mit Fragezeichen. Denn neben der enormen Strahlkraft der toleranten Stadt mit ihrer guten und bösen Geschichte, mit der reichen Kultur, den langen Nächten und den hilfsbereiten Einwohnern gibt es immer wieder Hindernisse administrativer Art, sei es die Flugsteuer oder die deutsche Visavergabepolitik, die offener und leichter werden müsste, wie Kieker betonte. „Die Berliner haben ihre Stadt neu erfunden und der Welt scheint es zu gefallen“, sagt der Tourismus-Werbechef und zieht am Ende noch einen Trumpf aus dem Ärmel: In der Rangfolge der häufigsten Suchbegriffe bei „Google-Zeitgeist“ steht Berlin an der dritten Stelle, hinter Facebook und Youtube, aber noch vor Ebay und dem Wetter. Lothar Heinke

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