Berlin : Tram oder Straßenbahn – das ist die Frage

Warum gibt es noch immer keine amphibische Tram? Ganz einfach: Wasser hat keine Balken. Zugegeben, ein blöder Witz, aber mit historischem Tiefgang. Er führt weit zurück in die Sprach- und Technikgeschichte dieses Transportmittels, das nicht nur den ohne Weiteres einleuchtenden Namen Straßenbahn trägt, sondern zugleich und ziemlich rätselhaft Tram heißt, dies eher im süddeutschen Raum. Aber auch das norddeutsche Sonnabend und das süddeutsche Samstag werden ja mittlerweile in Berlin ziemlich durcheinander gebraucht. Straßenbahn und Tram fahren hier übrigens an beiden Tagen.

Zurück zum Balken. Also zum Tram. Im Österreichischen noch so gebraucht, doch geht das Wort aufs Mittelhochdeutsche zurück und fand unter den Bergleuten früherer Jahrhunderte besondere Bedeutung, meinte eine Holzschiene zum leichteren Schieben der Förderwagen in Bergwerken, auch Hunte oder Hunde genannt. Diese Holzschiene, in der Mitte mit Längsschlitz, diente mittels eines am Wagen angebrachten Leitnagel der Lenkung.

Diese sinnvolle Technik fand im 15. Jahrhundert auch in England Verbreitung, König Heinrich VI. hatte deutsche Bergleute und mit ihnen das Wort Tram ins Land geholt. Aus „Tram“ wurde allmählich „Tramway“, die Verbindung eines Fremdworts mit einem aus der Muttersprache, meinte nun schienengelenkte Spurbahnen. Und als nun in Deutschland die ersten Straßenbahnen auftauchten, wanderte der Begriff kurioserweise in sein Herkunftsland zurück, verlor irgendwann auch sein englisches Anhängsel „way“, wurde wieder zur schlichten Tram.

Wohlgemerkt: zu der Tram, nicht etwa zu dem Tram. Später dann, als die Pferdebahn ausgedient hatte, kam noch „die Elektrische“ dazu, heute eine noch immer verständliche, doch völlig aus der Mode gekommene Bezeichnung.

Kulturgeschichtlich ist der Doppelname nicht die einzige Kuriosität, die dieses Berliner Verkehrsmittel aufzuweisen hat. Etwas seltsam mutet es schon an, das der Urberliner die Straßenbahn 1967 auf seiner ersten Studio-LP „Ich wollte wie Orpheus singen“ gefeiert hat, in dem Jahr also, als die letzte West-Berliner Strecke stillgelegt wurde. Oder sollte es ein Abschiedsgruß sein, die Liebeserklärung an eine Todgeweihte? „Seht, dort rattert sie heran / Uns’re alte Straßenbahn. / Auf der vorgeschriebnen Strecke / Biegt sie pünktlich um die Ecke.  / Bremst gemächlich und hält an, / Dass man sie besteigen kann.“

Unter diesem Tagesspiegel-Link finden Sie den Servive zur Geburtstagparty am Alexanderplatz.

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