Transport in Berlin : Spendenkampagne: Lastenräder gratis für alle

Schwere Waren auf Lastenräder kostenlos durch die Stadt transportieren - Colin Pöstgens möchte das allen Berlinern möglich machen. Deswegen startete er eine Spendenkampagne.

Yves Bellinghausen
Brigitte Ode und Margit Beutler mit einem der vier Lastenräder des Projekts "Quartiersrad" der Volkssolidarität.
Brigitte Ode und Margit Beutler mit einem der vier Lastenräder des Projekts "Quartiersrad" der Volkssolidarität.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das Fahrrad als Teil des urbanen Lebensgefühls – vor allem in Berlins In-Bezirken gehört es seit Langem dazu. Für Colin Pöstgens kann das Fahrrad aber noch mehr. Wenn es nach ihm geht, dann soll bald schon jeder Berliner auch schwere Waren auf kostenlosen Lastenrädern durch die Stadt fahren können.

Er sitzt in einem Café in Prenzlauer Berg, um ihn herum trinken junge Kreative Latte Macchiato und tippen auf ihren ultradünnen Laptops herum. „Klar, Leute aus dieser Ecke hier nehmen Angebote wie Lastenräder besser an als Leute aus anderen Stadtteilen. Wir würden die Räder aber gerne allen Berlinern zugänglich machen“, sagt er. Deshalb wollen Pöstgens und seine Mitstreiter unter dem Namen „Freie Lastenradler“ ab Ostern jeweils ein Lastenrad im Norden, Osten, Süden und Westen der Stadt und in Mitte platzieren – wenn alles gut läuft.

Ob Lastenräder fahren werden, hängt vom Erfolg der Spendenkampagne ab, die das Kollektiv kürzlich auf der Website http://freie-lastenradler-berlin.de gestartet hat. Das Ziel ist, vorerst 10 000 Euro einzusammeln. Das würde für fünf Räder reichen. Die Initiatoren des Projektes bekommen von dem gespendeten Geld selber nichts, sie arbeiten ehrenamtlich.

Man reserviert einfach online

Schon in einigen anderen deutschen Städten funktioniert das Konzept erfolgreich – und gratis. Verglichen mit Mietwagen sind die Räder recht unkompliziert zu buchen: „Man reserviert einfach online und holt das Rad in einem Café oder kleinen Geschäft ab. Dann kann man es bis zu drei Tage lang benutzen“, erklärt Pöstgens das Prinzip. Eine Kaution wollen er und seine Mitstreiter nicht erheben – sie setzen auf Vertrauen. Sogar Kühlschränke und Waschmaschinen habe er schon per Lastenrad transportiert, sagt Pöstgens. „Für Strecken von vier bis sieben Kilometer kann man das Rad besonders sinnvoll einsetzen, häufig ist man dann mit dem Lastenrad sogar schneller als mit dem Auto.“

Das Konzept scheint schlüssig zu sein – könnte man dafür nicht sogar Geld verlangen? Das Berliner Unternehmen Velogistik bietet Ähnliches an – und zwar gegen Bezahlung.

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