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Triebwerksausfall : Boeing mit 316 Personen musste in Tegel notlanden

Die Notlandung eines Großraumjets der Air France hatte zum Großalarm der Berliner Feuerwehr geführt. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon und dürfen nun endlich weiterreisen.

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Wegen einem Leck am Triebwerk musste die Maschine in Tegel notlanden.
Wegen einem Leck am Triebwerk musste die Maschine in Tegel notlanden.Foto: Andreas Meyer

Knapp einen Tag nach ihrer Notlandung am Berliner Flughafen Tegel haben 296 Fluggäste ihre Reise in Richtung China fortgesetzt. „Ein Flugzeug aus Paris ist eingetroffen, das die Passagiere zu ihrem Zielflughafen nach Peking bringt“, sagte eine Sprecherin von Air France am Dienstag auf dapd-Anfrage. Die Maschine flog um 14.30 Uhr von Tegel ab. Zwei Fluggäste blieben am Boden, da ihre Termine am Zielort bereits verstrichen waren.

Die Boeing 777 der französischen Airline war am Montag von Paris nach Peking unterwegs, als an der Maschine Triebwerksprobleme auftraten. „Deshalb wurde Tegel angefunkt und eine Ausweichlandung vorbereitet“, sagte der Sprecher der Berliner Flughäfen, Leif Erichsen. Zusätzlich zur Flughafenfeuerwehr wurden rund 100 Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr hinzugezogen. „Die Landung gegen 21.30 Uhr ist aber ohne Probleme verlaufen“, sagte Erichsen.

Durch den Zwischenfall erlitten einige Passagiere einen Schock, ernsthaft verletzt wurde aber niemand. „Wir haben die Fluggäste vor Ort betreut und sie in Hotels untergebracht“, sagte die Air-France-Sprecherin. Neben den Passagieren waren auch 18 Crew-Mitglieder an Bord. Die Ursache für die Triebwerksstörung ist derweil noch nicht bekannt. „Die Techniker untersuchen die Maschine, die auf eine Standposition verlegt wurde“, sagte der Flughafensprecher.

Der Flughafen Tegel
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Flug AF 126 war um 18.56 Uhr in Paris zur knapp zehnstündigen Reise nach Peking gestartet. Flüge auf der Sibirien-Route zwischen Westeuropa und Fernost führen häufig in mehr als zehn Kilometern Höhe an Berlin vorbei. Um 20.12 Uhr fiel in Höhe von Leipzig eines der beiden Triebwerke vom Typ General Electric GE90 aus. Der Flugkapitän erklärte daraufhin eine Notlage, so der Sprecher der Deutschen Flugsicherung, Axel Raab.

Die Boeing 777 ist auch mit nur einem Triebwerk voll flugfähig, muss dann aber den nächsten Ausweichflughafen ansteuern. Für die Landung in Tegel war die für den Langstreckenflug vollgetankte Maschine allerdings zu schwer. Das maximale Startgewicht des Jets beträgt 344,5 Tonnen, davon sind bis zu 180,3 Tonnen (rund 180 000 Liter) Kerosin. Bei der Landung darf das Flugzeug jedoch nicht schwerer als 251,3 Tonnen sein.

So wurde die Boeing zunächst südlich von Berlin in eine Warteschleife dirigiert, wo sie in einer Flughöhe zwischen 5500 und 6100 Metern über ein für diesen Zweck vorhandenes Ventil Treibstoff abließ. Dabei wird das Kerosin hinter dem Flugzeug zu einem feinen Nebel verwirbelt, nur minimale Reste können den Boden erreichen. Im Umweltbericht der Lufthansa heißt es, die Bodenbelastung betrage in einem solchen Fall rund 0,02 Gramm pro Quadratmeter.

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In Tegel wurde indessen ein Großalarm ausgelöst. Neben der Flughafenfeuerwehr rückte auch die Berliner Feuerwehr mit 39 Fahrzeugen, darunter 17 Rettungs- und zwei Notarztwagen, und mehr als 100 Einsatzkräften an. Gegen 21.20 Uhr landete die Boeing ohne Probleme und wurde zu einer Abstellposition eskortiert. Dort konnten die 298 Passagiere und 18 Besatzungsmitglieder die Maschine verlassen. Einige der Reisenden klagten aufgrund der Aufregung über Kreislaufprobleme, es musste jedoch niemand in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die Fluggäste wurden mit Bussen in Hotels gebracht und sollen heute um 14.30 Uhr mit einer Ersatzmaschine nach Peking starten.

Was den Ausfall verursacht hatte, steht noch nicht fest. Das Triebwerk an der siebeneinhalb Jahre alten Maschine wird noch von Technikern untersucht. Bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung geht man von einem Routinevorgang aus. Man sehe keinen Anlass zur Einleitung eines Untersuchungsverfahrens, sagte ein Sprecher.

Die Passagiere sollen nun mit einer Sondermaschine nach Peking weiterfliegen. Das sagte eine Air-France-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Das notgelandete Flugzeug des Typs Boeing 777 werde technisch untersucht, teilte ein Sprecher der Flughafengesellschaft mit. (mit dapd)

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