Berlin : Trinken mit Jim Morrison

Die „Seelenküche“ hält die Erinnerung an den Doors-Sänger wach

Samuel Henze

Fans der Doors haben seit einigen Monaten eine neue Pilgerstätte in Berlin. In Treptow betreiben zwei glühende Anhänger der legendären Rockband und ihres vor 31 Jahren gestorbenen Sängers Jim Morrison eine Kneipe zu Ehren ihrer Lieblingsband.

Bernd Kuß und Jürgen Schuschke, beide 53 Jahre alt, kennen sich noch aus Schultagen. Im Sommer haben sie die „Seelenküche“ eröffnet, benannt nach einem Songtitel der Doors. In dem kleinen Lokal bieten sie neben Getränken und Snacks vor allem eines: Erinnerung an die Band und ihren Sänger. „Wir wollen einen Treffpunkt schaffen für Leute, die Jim Morrison verehren“, sagt Bernd Kuß, der schon vorher als Gastronom arbeitete. Wie Jürgen Schuschke ist er in Ost-Berlin aufgewachsen. „Wir haben die Doors auf Radio AFN oder Radio Luxemburg gehört. An Platten war schwer zu kommen. Doch viele kannten jemanden mit Verwandten im Westen. Von denen haben wir die Musik überspielt“, erzählt er. Die Idee für eine Doors-Kneipe hatte Jürgen Schuschke, als er das Grab von Morrison in Paris besuchte. „Da kam mir der Gedanke, etwas Besonderes für ihn zu machen, etwas, das die Leute an ihn erinnert. Jetzt haben wir hier unsere eigene kleine Welt. Jeder kann kommen, Jim Morrison kennen lernen und sich wohlfühlen.“

Die Seelenküche, ein kleines orangefarbenes Holzhäuschen, liegt zwischen Gartenkolonien und Waldstücken im Königsheideweg. Die Gäste sitzen an dunkelbraunen Holztischen oder der liebevoll verzierten Theke. Ein wenig erinnert die Einrichtung an eine Vereinskneipe. Doch statt Pokalen und Wimpeln hängen an den Wänden Fotos und Gedichte von Jim Morrison. Eines der Fotos zeigt ihn 1968 in einem Frankfurter Fotostudio, ein anderes in seinem blauen Ford Mustang. Die Fotos sind Sammlerstücke, sagt Jürgen Schuschke: „Viele sind aus der Privatsammlung von Rainer Moddemann. Er ist der Herausgeber vom Doors Ouarterly Magazine und ein Freund von mir. Rainer hat die Doors noch persönlich getroffen. Seine Fotos hat bisher kaum jemand gesehen.“ Auszüge aus Jims Notizbuch, den Polizeibericht über seinen Tod, ein Originalautogramm von Ehefrau Patricia Kennealy und ähnliches kann man in der Seelenküche bestaunen. Oder einfach den Songs der Band lauschen.

Für die Zukunft planen die beiden Betreiber Abende mit Lesungen, Musik und Videos. Zum Geburts- und Todestag von Jim Morrison sollen Gedenkfeiern stattfinden.

Seelenküche, Königsheideweg 9 in Treptow, Telefon 0171 8228629, Geöffnet: Mo-Do 8-22 Uhr, Fr 8-open end, Sa 11-open end

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben