• Trockenheit in Berlin und Brandenburg: Regenmangel, Abgase und Ozon verstärken die Pollen-Belastung

Trockenheit in Berlin und Brandenburg : Regenmangel, Abgase und Ozon verstärken die Pollen-Belastung

Staubige Rasenflächen und verschnupfte Allergiker: Die wochenlange Trockenheit fordert ihren Tribut. Regentage sind weiterhin nicht in Sicht. Und der Gartenamtsleiter rechnet mit „verfrühtem Laubabwurf“.

von und Juliane Fiegler
Abhilfe gegen die Trockenheit: Ein Jogger läuft im Tiergarten durch eine Sprenkleranlage.
Abhilfe gegen die Trockenheit: Ein Jogger läuft im Tiergarten durch eine Sprenkleranlage.Foto: dpa

Im East Side Park in Friedrichshain wehren sich noch ein paar Vegetationsinseln hartnäckig gegen die Dürre. Der Sandboden präsentiert sich zunehmend unbedeckt der sengenden Sonne. Hier ist jetzt, wie vielerorts in der Stadt, die Sahelzone ausgebrochen. Das Bezirksamt hat zumindest an dieser Stelle den Kampf gegen die Trockenheit verloren, wie auch viele Gartenbesitzer in der Stadt.

Seit Monaten herrscht Regenmangel in Berlin und Brandenburg. Der April lieferte 50 Prozent unter seinem Regensoll, der Mai sogar 70 Prozent. Im Juni sind bislang vier Liter auf den Quadratmeter gefallen, viel zu wenig für eine Verschnaufpause von der Trockenheit. Und Regen ist weiterhin nicht in Sicht. Am kommenden Samstag wird es wieder gewittrig, aber das muss nichts heißen.

Für Allergiker ist die Dürre ein Fluch: Seit Tagen ist die Luft voller Roggen- und Gräserpollen, die nicht ausgewaschen werden. Abends das Fenster aufreißen – für viele Berliner unmöglich. „Neueste Erkenntnisse zeigen, dass CO2-Abgase von Autos die Pollen aggressiver für das menschliche Immunsystem machen“, sagt Torsten Zuberbier, Leiter des Allergie-Zentrums der Charité. Erschwerend käme die hohe Ozonbelastung hinzu.

Wasserverbrauch trotz Dürre im Normalbereich

Dass der Regenmangel den Wasserverbrauch ankurbelt, ist eine Binse, und doch rotieren die Wasserzähler nicht viel schneller als üblich. 755.000 Kubikmeter Trinkwasser wurden am vergangenen Freitag durch die Leitungen geschickt, für Junitage kein ungewöhnlich hoher Wert, sagt Wasserbetriebe-Sprecher Stephan Natz. An ihre Kapazitätsgrenze kämen die Wasserwerke erst bei einer Million Kubikmeter. Gegen eine Füllung des Privatpools gebe es keinerlei Bedenken. Viele Gartenbesitzer haben einen eigenen Brunnen für Sprengwasser gebohrt, fördern also autonom und kostenlos.

Das gilt auch für die Gartenämter der Bezirke. In Mitte werden bedeutende Parkanlagen automatisch beregnet. Ab fünf Uhr morgens ziehen die Sprenger ihre Kreise, eine Stunde später stellen sie die Arbeit wieder ein. Das Wasser stammt aus eigenen Brunnen, aus dem Landwehrkanal oder der Spree. Lustgarten, Reichstagswiese, Pariser Platz, Teile des Spreebogenparks und Gleisdreieckpark erhalten automatisch ihre Duschen, der Monbijoupark ist auf manuelle Hilfe angewiesen, wie auch der Görlitzer Park in Kreuzberg. Die Beregnung sei nicht flächendeckend möglich, sagt Harald Büttner vom Grünflächenamt Mitte.

Private Wassereimer für die Stadtbäume

Das liege zum einen an der wartungsintensiven Technik, aber auch am Vandalismus, sagt Büttner. Sprengköpfe würden gerne mal weggekickt – bei einem Stückpreis von 300 Euro geht das schnell ins Geld. Verdorrte Rasenflächen seien nicht vermeidbar, aber auch kein Grund zur Beunruhigung. Wichtiger sind die Straßenbäume. Büttner appelliert an die Berliner, dem Nachwuchs vor der Tür regelmäßig ein paar Wassereimer zu spenden. Der Bedarf liege in den ersten Jahren bei 100 Litern pro Woche.

Im Regierungsviertel läuft bereits ein Feldversuch, den jungen Bäumen Wassersäcke umzuhängen, aus denen das Nass langsam den Stamm herabtropft. Neu gepflanzte Bäume erhalten ein wasserspeicherndes Lavasubstrat. „Das zunehmende Steppenklima in Berlin wird eine Herausforderung“, sagt Büttner. Er rechnet für einige Straßenbaumarten, besonders Linden, mit einem „verfrühten Laubabwurf“ in den nächsten Wochen.

Mittlere bis höchste Waldbrandgefahr

In den brandenburgischen Wäldern gilt Waldbrandwarnstufe vier bis fünf, in Berlin drei bis vier, das bedeutet: mittlere bis höchste Gefahr. Auf 20 Hektar Wald mussten bereits Brände gelöcht werden. Und die Bauern? Die müssen zusehen, wie ihre Getreideernte von Tag zu Tag schwindet.

Mehr Tipps zum Thema Allergie finden Sie an dieser Stelle.

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