• Trotz Landebahn hinterm Gartenzaun: Grundstückspreise am Flughafen BER steigen leicht an

Trotz Landebahn hinterm Gartenzaun : Grundstückspreise am Flughafen BER steigen leicht an

Alle wollen weg vom BER? Von wegen! Ein überraschendes Gutachten zeigt: Hausbauer schreckt das Flughafen-Projekt nicht ab.

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Um den BER werden Häuser und Grundstücke so gekauft und verkauft, als gäbe es keine Debatten um Nachtflüge und Flugrouten.
Um den BER werden Häuser und Grundstücke so gekauft und verkauft, als gäbe es keine Debatten um Nachtflüge und Flugrouten.Foto: dpa

Fluglärm schreckt Hausbauer und Immobilienkäufer um den künftigen Hauptstadt-Airport in Schönefeld nicht ab. Nirgendwo um den BER, weder in Blankenfelde-Mahlow unmittelbar an der Startbahn, noch in Südberliner Bezirken oder auch in weiter entfernten Orten wie Kleinmachnow, fallen die Immobilien-Preise. Fast überall steigen sie sogar – meist leicht, immer aber im Gleichklang mit der allgemeinen Immobilienpreisentwicklung in Berlin-Brandenburg. Dieser Trend geht aus dem Tagesspiegel vorliegenden Erhebungen der vier „Gutachterausschüsse für Grundstückswerte“ für Berlin, Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark hervor.

Nach den Papieren, die in der Fluglärmkommission vorgestellt wurden, werden um den BER weiter Häuser und Grundstücke so gekauft und verkauft, als gäbe es keine Debatten um Nachtflüge und Flugrouten. Grundlage sind reale Kaufverträge, die tatsächlich gezahlten Preise bei den Grundstücksgeschäften des letzten Jahres. Dem Markt, so das Fazit, ist der BER egal. „Ein Einfluss des Flughafenbaus auf die Preise ist nicht erkennbar“, heißt es etwa explizit für Berlin.

Das Gleiche gilt in der Hauptstadt auch für das Umfeld des Airports in Tegel – trotz des Schließungsbeschlusses – und für die Bereiche um den früheren Flughafen Tempelhof. Um Tegel und Tempelhof werden keine Auffälligkeiten bei den Immobilienpreisen registriert.

Reaktionen und Stellungnahmen zum BER-Schallschutz
BER-Chef Hartmut Mehdorn bezweifelt, dass den Flughafen-Anwohnern durch das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg geholfen ist. "Das Schallschutzprogramm der Flughafengesellschaft bietet ein sehr hohes Schutzniveau", erklärte Mehdorn am Freitag. "Die Forderung des Gerichts ist in weiten Teilen aus lärmphysikalischer Sicht nicht umsetzbar. Es hat zur Folge, dass für viele Anwohner gar keine Schallschutzmaßnahmen realisiert werden können, sondern sie mit Entschädigungen vorlieb nehmen müssen."Alle Bilder anzeigen
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26.04.2013 16:02BER-Chef Hartmut Mehdorn bezweifelt, dass den Flughafen-Anwohnern durch das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg...

Aber selbst in einen der lautesten deutschen Orte, nach Blankenfelde-Mahlow direkt am BER, ziehen nach wie vor Leute. 2012 wechselten hier 241 Immobilien für 25 Millionen Euro den Besitzer, 2011 waren es ähnlich viele. Der Quadratmeterpreis stieg 2012, im Jahr des Nachtflugvolksbegehrens, von vorher 53 auf 61 Euro. Auch in Großbeeren, Ludwigsfelde und Rangsdorf wurde der Quadratmeter teurer, wobei die Kaufsummen sanken. „Das ist der Trend: teurer kaufen aber mit kleineren Flächen“, heißt es für diese Orte. „Grundstücke werden nicht unter Wert veräußert. Auch wenn die Anzahl der verkaufswilligen Eigentümer gestiegen ist, so ist gleichzeitig die Anzahl der Käufer gestiegen.“

Insgesamt zeige sich der Grundstücksmarkt nicht nur „weitgehend unbeeindruckt“ vom BER, sondern: „Der Bau des BER belebt den Grundstücksmarkt in all seinen Teilmärkten.“ Östlich und südlich, in Eichwalde, Schulzendorf, Zeuthen, Großziethen und Königs Wusterhausen, ist es genauso. Und weiter entfernt, in Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf, aber auch in Michendorf, Schwielowsee und Werder, klettern die Immobilienpreise erst recht. Ein Einfluss des BER „im Sinne sinkender Werte“, heißt es auch für diesen Raum um Potsdam, sei „nicht erkennbar.“

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