Turmfalken-TV : Nachwuchs der Turmfalkenpaare im Livestream

Hoch über Berlin gibt’s jetzt wieder Falkenküken. Per Webcam kann man ihre Kinderstube 24 Stunden lang beobachten.

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Ein junger Turmfalke.
Ein junger Turmfalke.Foto: picture alliance / dpa

Ganz oben, in 45 Metern Höhe, unterm Dach des historischen Wasserturms am Vivantes-Klinikum Neukölln piept es. Im Turm der St. Nikolai-Kirche in der Spandauer Altstadt ebenfalls. Und in einem Brutkasten am Gebäude der Parkklinik Weißensee erklingt jetzt gleichfalls der Hungerchor einer Handvoll flauschiger Küken. Hoch über Berlin werden seit Mitte Mai wieder kleine Turmfalken von ihren Eltern zu flugfähigen Exemplaren aufgepäppelt. Nicht nur an den genannten Orten, sondern in 320 von Naturschützern angefertigten Nistkästen in der ganzen Stadt.

Die Turmfalkenpaare und ihr Nachwuchs vom Wasserturm, St. Nikolai und der Parkklinik sind derzeit aber die Stars am Vogelhimmel dank eines 24-Stunden-Livestream: In ihren Nistkästen filmen Kameras seit zwei Wochen das familiäre Geschehen – und jeder kann im Internet per Link dabei sein.

Der Blick in die Kinderstube einer der kleinsten Greifvogelarten mit etwa 75 Zentimetern Spannweite wird von der Stiftung Naturschutz und dem Naturschutzbund (Nabu) ermöglicht. Mehr als 70 Prozent der etwa 250 Berliner Turmfalkenpaare beziehen bereits von Menschenhand gefertigte Nistkästen.

Reste von Mäusen, Regenwürmern, Insekten

Beispielsweise an den Rathäusern von Schöneberg, Pankow, Neukölln oder Charlottenburg, aber auch am Kraftwerk Steglitz, an Hochspannungsmasten sowie unter den Dächern von Marzahner Plattenbauten. Wie die Füchse am Boden haben sich die ursprünglichen gefiederten Felsbewohner gut in der Stadt eingelebt, sie gehören zu den tierischen Gewinnern der Urbanisierung. Dennoch gelten sie als besonders schutzwürdig. Um dies zu betonen und sie populär zu machen, haben die Naturfreunde die Big Brother-Show in einigen Nestern gestartet.

Harter Job. Die fünf Küken unterm Dach des Wasserturms am Klinikum Neukölln sind permanent hungrig. Hier beginnt gerade die Fütterungszeremonie.
Harter Job. Die fünf Küken unterm Dach des Wasserturms am Klinikum Neukölln sind permanent hungrig. Hier beginnt gerade die...Screenshot: Tsp

Klick auf den Link zum Neuköllner Vivantes-Klinikum. Gerade schlüpft das an Kopf, Rücken und Schwanz rostbraun gefärbte Weibchen in den Kasten und wird von fünf zappelnden Federbüscheln mit aufgesperrten Schnäbeln begrüßt. Sie würgt heraus, was Turmfalken so alles mögen: Reste von Mäusen, Regenwürmern, Insekten. Wenig später kommt das Männchen, Kennzeichen: hellgrauer Kopf, und löst seine Partnerin bei der Fütterungszeremonie ab. Auf der Website mit dem Kameralink gibt’s sogar ein Falkentagebuch mit per Screenshot dokumentierten Szenen: Das erste Ei vom 3. Mai; der erste Schlupf, 34 Tage nach Eiablage; „Herrentag“ und „Wachablösung“ wenn sich im Wechsel das Männchen aufs Gelege setzt. Oder „Zoff unter den Geschwistern“.

Was fasziniert ihn besonders an den Turmfalken?

Stefan Kupko von der Arbeitsgemeinschaft Greifvogelschutz des Nabu hat den Nistkasten gebaut. Der 52-jährige Turmfalken-Experte arbeitet als Krankenpfleger im Neuköllner Klinikum und kümmert sich in seiner Freizeit gleichfalls um Verletzte: in einer Falken-Pflegestation des Nabu. Außerdem betreut er die Webcam und beringt die Jungvögel, um mehr Wissen über seine Lieblingsvögel zu gewinnen.

Was fasziniert ihn besonders an den Turmfalken? „Zum Beispiel ihre akrobatischen Flugkünste“, sagt Kupko. Laute, helle „kikikiki“-Rufe begleiten die luftigen Manöver. Und ihr charakteristisches „Rütteln“. Eine Art Schwebeflug auf der Stelle mit rasanten Schlägen ihrer spitzen Flügel. So beobachten sie ihre Beute, bis sie sich im Sturzflug herabfallen lassen.

Etwa in zwei Wochen kann man im Turmfalken-TV von Neukölln auch Stunt-Nummern beobachten. Wenn sich die Minifalken erstmals vom Kasten in die Tiefe stürzen. „Keine Sorge“, sagt Stefan Kupko, „in der Regel sie sind dann flugfähig.“

Drei Blicke auf die Turmfalken:

vivantes.de/turmfalken

turmfalken-nikolai-spandau.de

berlin.nabu.de/tiere-und-pflanzen/turmfalken-vor-der-kamera

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