U 2 am Alexanderplatz : Risse im U-Bahn-Tunnel, Wasser dringt ein

Durch die Risse im abgesackten Tunnel der U 2 am Alexanderplatz in Berlin dringt jetzt auch Wasser ein, Baustopp für Hotel wird nicht aufgehoben.

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Buddelverbot. Der Baustopp für das Motel One-Hotel verzögert das Projekt. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Buddelverbot. Der Baustopp für das Motel One-Hotel verzögert das Projekt.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Jetzt dringt in den durch einen Hotelbau abgesackten Tunnel der U-Bahn-Linie U 2 (Pankow–Ruhleben) am Alexanderplatz auch noch Wasser ein. Sollten sich die entstandenen Risse vergrößern, müsse der Verkehr in diesem Bereich unterbrochen werden, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die BVG hatte nach dem Absacken im November einen Baustopp gefordert, an den sich der Bauherr auch gehalten hatte. Jetzt will er weiterbauen – aber zunächst noch ein Gutachten abwarten.

Gefährdet sind durch den Hotelbau, in den die Motel-One-Gruppe einziehen will, zwei Tunnel der U-Bahn: Direkt unter dem Grundstück liegt die Röhre der U 2, dicht daneben der sogenannte Waisentunnel, eine für Betriebsfahrten genutzte Verbindung zur U 5 (Alexanderplatz–Hönow). Vor Beginn der Hotelarbeiten hatte man, wie berichtet, festgelegt, dass sich der Tunnel um exakt 0,8 Zentimeter senken dürfte.

Kein Gericht eingeschaltet

Fast sechs Zentimeter waren es dann geworden, weshalb es zum Baustopp kam. Dies sei eine nachbarschaftliche Absprache gewesen, sagte Reetz. Deshalb habe man auch kein Gericht eingeschaltet. Um zu verhindern, dass jetzt ohne Zustimmung weitergebaut wird, habe die BVG nun ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren eingeleitet.

Für den Hotelbau sind bisher Bohrpfähle bis in eine Tiefe von 28 Meter in den Boden getrieben worden. Auf ihnen soll, gut einen Meter über dem Tunnel, die Bodenplatte des Gebäudes entstehen, das mit seinen 20 Etagen ein enormes Gewicht haben wird. 708 Zimmer soll das Hotel haben.

Nach Angaben der Bauherren–Seite sollen jetzt tonnenschwere Stahlmatten für die Bodenplatte angebracht werden. Dazu müsse auch ein Kran aufgestellt werden, was durch die damit verbundenen Einschränkungen für den Auto- und Fußgängerverkehr aber noch nicht genehmigt sei.

Für Schaden muss Bauherr aufkommen

Betonieren wolle man erst, wenn ein Gutachten bestätigt habe, dass für den Tunnel keine Gefahr bestehe, sagte ein Sprecher. Das Senken sei wohl beim Bohren der rund hundert Stützpfähle für die Bodenplatte entstanden. Danach sei die Lage stabil geblieben.

Für den Schaden der BVG muss der Bauherr aufkommen. Zwar wäre es möglich, den Tunnel durch ein Pressen von unten in seine frühere Lage zu bringen. Dies könnte aber zu weiteren Rissen führen. Nach derzeitigem Stand soll er so bleiben, wie er jetzt liegt. Betrieblich wirke sich dies nicht aus, sagte Reetz. Die Züge fahren in diesem Abschnitt kurz vor dem Bahnhof ohnehin langsam.

Das Motel-One-Hotel soll Anfang 2018 eröffnen.

Entlang der U-Bahnlinie 2
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