Umbau der Kastanienallee in Berlin-Prenzlauer Berg : Gericht: Radweg verursacht Gefahren

Lange wurde über den Umbau der Kastanienallee in Prenzlauer Berg gestritten, zehn Monate ist sie nun fertig - da gibt es wieder Ärger. Ein Radfahrer ist wegen des neu angelegten Radwegs vor Gericht gezogen - und bekam Recht.

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Hätten sich mal die Bürger durchgesetzt. Der Umbau der Kastanienallee macht weiter Ärger - auch nach dem Ende der Arbeiten.
Hätten sich mal die Bürger durchgesetzt. Der Umbau der Kastanienallee macht weiter Ärger - auch nach dem Ende der Arbeiten.Foto: dpa

Das hatten sich die Verkehrsplaner so schön ausgedacht: Sie wollten es beim Umbau der Kastanienallee in Prenzlauer Berg allen recht machten - Autofahrern, Radlern und Fußgängern. Doch zwischen den beiden letzten gab es nach der Fertigstellung der Straße immer wieder Konflikte, die jetzt vor Gericht landeten. Und es ging nicht um Kampfradler.

Denn an den Straßenbahnhaltestellen hatten die Planer den neuen Bürgersteig in Richtung Gleis verbreitert, was das das Einsteigen erleichtern sollte. "Kaphaltestellen" heißt das unter Fachleuten. Doch für den Radweg blieb dadurch kein Platz am Fahrbahnrand, weshalb er über Bürgersteig geführt wurde, und das auch noch direkt an den BVG-Wartehäuschen vorbei. Ein Nutzer der Kastanienallee, offenbar genervt von den ständigen Konflikten zwischen Radlern und wartenden Fahrgästen, zog vors Verwaltungsgericht. Er klagte gegen die Benutzungspflicht des nur einen Meter breiten Streifens - und gewann. Sein Vorwurf: Der neue Radweg verursache mehr Gefahren im Straßenverkehr.

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Am Nollendorfplatz bleibt wegen dieser Lastwagen nur eine Fahrspur übrig. Eine Situation, die Anwohner täglich beobachten können, trotz einer Ladezone. Besonders dreist parkt der Edeka-Lieferant.Weitere Bilder anzeigen
1 von 493Foto: Jörn Hasselmann
22.09.2017 08:18Am Nollendorfplatz bleibt wegen dieser Lastwagen nur eine Fahrspur übrig. Eine Situation, die Anwohner täglich beobachten können,...

Die Begründung der Behörden, mit der Benutzungspflicht werde verhindert, dass Radler beim Überholen einer haltenden Straßenbahn in den Gegenverkehr ausweichen könnten, akzeptierte das Gericht laut Urteil nicht. Ein verkehrsgerechter Radfahrer werde dann auf den Radweg ausweichen oder hinter der Tram deren Weiterfahrt abwarten, heißt es.

Die Kastanienallee ist wieder befahrbar
Die Kastanienallee in Prenzlauer Berg (unser Bild stammt aus dem Jahre 1994) ist umgestaltet worden. Gegen den massiven Protest "Stoppt K 21" und von Dr. Motte hat Bezirksbaustadtrat Jens-Holger Kirchner von den Grünen das Projekt durchgezogen. Begonnen hatten die Arbeiten im November 2010 mit dem Aufbau erster Absperrungen.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: TSP
31.10.2014 12:14Die Kastanienallee in Prenzlauer Berg (unser Bild stammt aus dem Jahre 1994) ist umgestaltet worden. Gegen den massiven Protest ...

Anfang des Jahres wurde die Kastanienallee nach dreijährigem Umbau übergeben. Etwa 2,5 Millionen hatte das Projekt gekostet. Vor dem Start hatten Anwohner, Händler und Gastronomen bereits gegen die Pläne protestiert. Sie befürchteten vor allem, dass die Kastanienallee ihr Gesicht verlieren würde. Der Widerstand war so groß, dass sich eine Bürgerinitiative "Stoppt K21" gründete; der Name spielte auf das ebenfalls umstrittene Bauprojekt "Stuttgart 21" der Bahn an. Einer der Vorkämpfer war Mattias Roeingh, alias Dr. Motte, der Mitbegründer der Loveparade. Es gab sogar ein Bürgerbegehren, was allerdings im November 2012 scheiterte, weil nicht genügend Unterschriften zusammenkamen, um einen Bürgerentscheid zu initiieren: Statt der notwendigen 8800 kamen nur 6963 Unterschriften zusammen.

Kastanienallee vor dem Umbau
Die Kastanienallee soll umgebaut werden.Derzeit teilen sich Auto- und Radfahrer die Straße mit den Straßenbahnlinien 12 und M1. Die Straßenbahnschienen sind gerade für die Radfahrer eine Gefahr.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: Paul Zinken
13.05.2011 14:11Die Kastanienallee soll umgebaut werden.Derzeit teilen sich Auto- und Radfahrer die Straße mit den Straßenbahnlinien 12 und M1....

Das Urteil zur Kastanienallee könnte aber weit reichende Folgen haben. Denn nach ähnlichem Vorbild wird die Pappelallee umgestaltet, wo es bereits neue Haltestellen angelegt wurden, an denen der Radwegen ebenfalls haarscharf an Bordsteinkante und Wartehäuschen vorbeiführt. So genannte Kaphaltestellen gibt es auch im Köpenicker Ortsteil Wendenschloss und in der Hohenschönhausener Konrad-Wolf-Straße. Diesen Sommer sind sie erst fertig geworden.

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