Umbau oder Rekonstruktion : Denkmalstreit ums Jagdschloss Glienicke

Bei der Fassadengestaltung am Jagdschloss Glienicke steht noch in diesem Monat eine Entscheidung an. Die CDU fordert weiter eine historische Rekonstruktion.

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Eingerüstet. Die Arbeiten am Jagdschloss Glienicke gehen voran. Foto: Paul Zinken
Eingerüstet. Die Arbeiten am Jagdschloss Glienicke gehen voran. Foto: Paul Zinken

Der Denkmalstreit um die Fassadengestaltung am Jagdschloss Glienicke könnte schon bald entschieden sein. Zugunsten eines „Neubaus im Taut’schen Gewand“. Glaubt die Architektin, Christina Petersen. Glaubt auch der zuständige Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Uwe Stäglin (SPD). Doch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dementiert. Beschlossen sei noch nichts. „Es wird eine politische Entscheidung geben“, sagt Sprecher Mathias Gille. Und die soll noch in diesem Monat kommen. Offenbar schwelt der Streit auch innerhalb des Senats.

Worum geht es? Das Jagdschloss Glienicke wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Max Taut, dem Bruder des berühmteren Architekten Bruno Taut, zu einer Bildungsstätte umgebaut. Täfelungen wurden entfernt, Mauern durchbrochen und zum Garten hin eine neue Fassade vorgehängt, aus Stahl und Glas. Vorher gab es dort eine großzügige Freitreppe. Das Schloss sollte kein adliger Herrensitz mehr sein, sondern sich der Moderne unterordnen, und die verlangte nach mehr Licht und Transparenz. 2003 wurde das Schloss durch einen Brand stark beschädigt.

Um die Taut’sche Fassadengestaltung kämpft vor allem Landeskonservator Jörg Haspel. Sein Hauptargument: historische Spuren erhalten und nicht eine Bauepoche gegen die andere ausspielen. Doch Tauts Spuren können nicht mehr erhalten werden. Der Anbau wurde damals schlecht ausgeführt. Tauts Fassade kann nur nachgebaut werden, mit Isolierglas und modernen Dichtungen. „Alles vom Feinsten“, sagt Architektin Petersen. Haspels entschiedenster Gegner ist Uwe Lehmann-Brauns, Zehlendorfer CDU-Urgestein und Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Er verurteilt die Taut’schen Eingriffe als „Barbarei“. Anstatt die Wunden des Schlosses endlich zu heilen, werde die „Zerstörung“ zementiert. Auch Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, empfindet die Taut-Rekonstruktion als „falsch“. Sie will versuchen, den Bau noch mit einem Dringlichkeitsantrag zu stoppen. Haspel dagegen hat den Denkmalrat und das deutsche Weltkulturerbe-Komitee auf seiner Seite, allerdings hält Uwe Lehmann-Brauns dessen Stellungnahme für wertlos, weil Haspel Vizepräsident des Komitees ist. Der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) votiert für die alte preußische Fassade, das sei aber nur seine persönliche Meinung, sagt sein Sprecher Torsten Wöhlert. Entscheidungsbefugt seien andere. In einem offenen Brief fordert CDU-Mann Lehmann-Brauns Wowereit auf, seiner Richtlinienkompetenz nachzukommen, auch in bauästhetischen Fragen.

Architektin Petersen hatte sich vehement für die Rekonstruktion der historischen Fassade ausgesprochen, auch weil Tauts Eingriffe in den Baukörper gar nicht in seinem Sinne ausgeführt wurden. Zudem hatten die Denkmalschützer zugestimmt, die Taut’schen Pergolen abzureißen und einen Verbindungsgang des Schlosses nach historischen Plänen wiederherzustellen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten will sich zu dem Streit nicht äußern. „Ist nicht unsere Baustelle“, sagt Sprecher Ulrich Henze. Da hat er recht. Offiziell gehört das Schloss zur Senatsbildungsverwaltung. Die betreibt dort das „Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg“ und wartet sehnlichst darauf, das Haus wieder voll nutzen zu können.

In drei Monaten könnte alles fertig sein, sagt Architektin Petersen. Sie hat bereits mit dem Abriss der maroden Taut-Fassade begonnen. Was an ihre Stelle kommt, sei damit noch nicht vorweggenommen.

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