Umbaupläne von Hertha BSC : Hände weg vom Berliner Olympiastadion!

Hertha BSC will eine neue Fußballarena. Doch weil der Senat sich ziert, wird ein Umbau erwogen. Geht’s noch? Nur 150 Milliönchen soll das kosten? Nie im Leben. Hört auf mit diesem Abenteuer.

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Die Pläne für einen Umbau des Olympiastadions werden immer konkreter. Die Fans sollen näher ans Feld.
Die Pläne für einen Umbau des Olympiastadions werden immer konkreter. Die Fans sollen näher ans Feld.Foto: Hertha BSC/gmp

Immer zu viert wandern wir ins Stadion, zwei Väter, zwei Söhne – wenn Hertha BSC zu Hause spielt, im alten Berliner Westen. Block P, weiter oben, nahe der Ostkurve, damit wenigstens ein bisschen Stimmung aufkommt, leider nicht wie in den richtigen Hexenkesseln der Fußballwelt. Ja, das Olympiastadion ist wunderschön, ein ästhetisch wertvolles, fast perfekt saniertes Baudenkmal.

Aber keine Arena, in der die Hölle los ist, wenn die eigene Mannschaft einläuft, der Schiri falsch pfeift oder ein Tor auf der richtigen Seite fällt. Auf steilen Rängen, nah am Platz, so richtig laut. Das wäre schön!

Man kann auch aus dem KaDeWe ein Kino machen

Wer jetzt nicht weiß, wie es mir geht, hat keinen Sinn für Fußball, war noch nie im Olympiastadion und interessiert sich auch nicht für Hertha. Alle anderen dürfen weiterlesen, und denen sei gesagt: Wir brauchen, so bald wie möglich, ein neues Stadion. Der Verein will es und hat den Berliner Senat mit der Drohung, es notfalls in Brandenburg zu bauen, taktisch geschickt unter Druck gesetzt.

Aber dann hat der Vorstand, bei Kaffee und Keksen im Roten Rathaus, klein beigegeben. Denn der Regierende Bürgermeister Michael Müller hatte eine typisch sozialdemokratische Idee: Man könne das Stadion doch für den Fußball umbauen. Klar – man kann auch aus dem KaDeWe ein Kino machen, oder aus dem Teufelsberg ein Skigebiet.

Was ich mit typisch sozialdemokratisch meine, hat Kurt Tucholsky vor knapp hundert Jahren schon treffend formuliert: „Schließen wir nen kleinen Kompromiß! Davon hat man keine Kümmernis. Einerseits – und andrerseits – so ein Ding hat manchen Reiz …“ Der vergiftete Plan hört sich tatsächlich erst einmal reizend an: Den Rasen tiefer legen, den Unterring verlängern und ein bisschen mehr Neigung reinbringen, den Oberring hinter Videowänden verstecken, das Dach vergrößern.

Ein schwimmendes Spielfeld: Firlefanz!

Und jetzt kommt der Clou: Damit die Leichtathleten nicht jammern, könnten die unteren Tribünen ein- und ausgefahren werden, um die Tartanbahn zu retten. Spielfeld und Laufbahn ließen sich sogar schwimmend lagern. Als Alternative zu solchem Firlefanz böte sich ein sanierter Jahn-Sportpark als neue Spielstätte für Läufer und Werfer an. Alles nur eine Frage von Zeit und Geld.

Geht’s denn noch?

Angeblich soll der zauberhafte Umbau des Olympiastadions nur 150 Millionen Euro kosten. In berlinischer Bau-Währung sind das aber schnell doppelt so viele Millionen. Die Sanierung des Jahn-Sportparks wird vom Senat mit weiteren 150 Millionen Euro veranschlagt. Wer soll das alles bezahlen? Hertha nicht. Das Land Berlin? 

Der Senat hat Angst vor einem nutzlosem Baudenkmal

So ein flottes Sümmchen für ein sportpolitisches Abenteuer geht bei den Haushältern der Koalition hoffentlich nicht durch. Denn eines wird dabei nicht herauskommen: ein Feeling wie in Dortmund, eine furchterregende Wand lärmender Fans. Auch kein Estadio Santiago Bernabéu, das in Madrid zwar umgebaut wird, aber die Arena war vorher schon eine heilige Stätte des Fußballs.

Nein, in Berlin wird mal wieder die Lösung eines Problems simuliert. Weil der Senat Angst hat, auf dem Olympiastadion als nutzlosem Baudenkmal sitzen zu bleiben, wenn Hertha als Ankermieter 2025 ausziehen sollte.

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Brüllen, Jubeln, Weinen: Stimmen Sie Ulrich Zawatka-Gerlach zu? Diskutieren Sie mit!Foto: Mike Wolff

Drei bis vier Millionen Zuschuss im Jahr sollten drin sein

Na und? Bis dahin könnte man sich ja vielleicht etwas anderes einfallen lassen, und besonders große Sportereignisse könnten weiterhin stattfinden. Notfalls muss Berlin der landeseigenen Olympiastadion GmbH einen jährlichen Zuschuss spendieren. Drei bis vier Millionen Euro könnten das sein, nicht mal ein Zehntel von dem, was die Staatsoper kriegt. In jedem Fall wäre das besser, als jetzt einige hundert Millionen Euro mit ungewissem Ausgang zu verbauen.

Und nebenbei gesagt – bis 2025 wird das sowieso nicht klappen, wie ich unseren Senat kenne.

Also muss ein Neubau her, den Hertha BSC selbst bezahlt, gleich neben dem Olympiastadion. Bitte mit schöner Fassade, Platz ist genug da, und wer sagt, der Neubau beschädige das Gartendenkmal Olympiapark, dem sei eine Ortsbesichtigung empfohlen. Platz wäre genug.

Die neue Arena wird das Olympiagelände bereichern, an dem der Senat seit Abzug der Alliierten sowieso nur planlos herummurkst. Also, wir vier freuen uns schon aufs erste Spiel!

Dieser Text erschien zuerst am 3. Juni 2017 im Tagesspiegel-Samstagsmagazin Mehr Berlin.

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