Umstrittenes Buchprojekt : Buschkowsky: Informationen aus dem Jugendamt taugten nichts

Neue Details belegen, dass dienstliche Recherchen für das Buch des Bezirksbürgermeisters unternommen worden. Die Ergebnisse waren nach Ansicht des Buchautors aber nicht relevant genug. Stadtrat Liecke beharrt darauf, dass es keine Beauftragung für die Recherche gegeben habe.

von
Heinz Buschkowsky in seinem Amtszimmer. Dort hat er auch Teile seines Buches verfasst.
Heinz Buschkowsky in seinem Amtszimmer. Dort hat er auch Teile seines Buches verfasst.Foto: dapd

Für das Buchprojekt „Neukölln ist überall“ sind dienstliche Informationen aus dem Jugendamt dem Autor Heinz Buschkowsky zugänglich gemacht worden. Das bestätigte der stellvertretende Bürgermeister Falko Liecke (CDU) dem Tagesspiegel. Er dementierte zugleich, dass diese Informationen konkret weitergeleitet und im Buch verwendet wurden.

Nach Lieckes Angaben gab es mehrfach Gespräche über das Buchprojekt. „Herr Buschkowsky hatte mich informiert, dass er in seinem Buch modellhafte Integrationsprojekte, die in Neukölln stattfinden, erwähnen und beschreiben wird. Er hatte mir angeboten, auch Projekte des Jugendamtes zu verarbeiten, die ihm noch nicht bekannt seien, wenn er darüber informiert wird.“

Daraufhin habe er eine Mitarbeiterin des Jugendamtes nach solchen Projekten gefragt, aber keine Liste in Auftrag gegeben. Die schriftliche Antwort sei ihm „offiziell auf dem Dienstweg“ zugeleitet worden, die darin enthaltenen Informationen hätten aber „qualitativ“ nicht seinen Erwartungen entsprochen. Auch Buschkowsky erhielt diese schriftliche Antwort: „Als mir Herr Buschkowsky auf Nachfrage erklärte, dass er zum Beispiel über das Beratungsnetzwerk ,NNB‘ alleine mehr wüsste, als mir aufgeschrieben worden war, habe ich von einer weiteren Verwendung abgesehen. Es wurde nichts an Herrn Buschkowsky weitergeleitet.“

Offenbar bestand aber die Absicht, Informationen aus dem Jugendamt zu verwenden. Zur Recherche habe die Mitarbeiterin nach Einschätzung Lieckes 30 bis 60 Minuten gebraucht.

Liecke weist die Darstellung zurück, er habe die Mitarbeiterin mit der Recherche für das Buch beauftragt. Er lasse sich regelmäßig über Vorgänge im Jugendamt berichten. Auch zwischen den Bezirksamtsmitgliedern sei es ein „Routinevorgang“, dass „Daten“ aus einzelnen Ämtern abgefragt und ausgetauscht würden.

Buschkowskys Buch „Neukölln ist überall“ wurde mit einer Auflage von 170 000 Exemplaren zum Bestseller.

Autor