Unfallbilanz : Weniger Verkehrstote in Berlin

Die Zahl der Verkehrstoten in Berlin ist so gering, wie noch nie. Das geht aus der Unfallbilanz 2013 hervor, die Polizeipräsident Klaus Klandt und die Staatssekretäre der Innen- und Verkehrsverwaltung jetzt vorgestellt haben.

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Helfer heben ein kaputtes Fahrrad nach einem Verkehrsunfall auf.
Helfer heben ein kaputtes Fahrrad nach einem Verkehrsunfall auf.Foto: dpa

Drei Unfälle hatte das Polizeipräsidium am Donnerstagmorgen veröffentlichen müssen: Zwei Kinder wurden von Autos angefahren, ein Erwachsener missachtete die Straßenbahn und wurde schwer verletzt. Zeitgleich präsentierten Polizeipräsident Klaus Kandt und die Staatssekretäre der Innen- und der Verkehrsverwaltung die Unfallbilanz 2013. Und die drei Unfälle sind für die Entwicklung typisch. Denn verletzt oder getötet werden vor allem die schwächsten, also die Fußgänger und die Radfahrer. Dabei ist die Zahl der Verkehrstoten in Berlin auf einen neuen historischen Tiefststand gesunken. 2013 starben 37 Menschen, im Jahr zuvor waren es 42. Unter den Toten 2013 waren 14 Fußgänger und neun Radfahrer. Etwa zwei Drittel aller Toten gehören also zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern, sagte Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) von der Innenverwaltung.

Unfallopfer weiter senken

Die Zahl der Toten sinkt seit der Wende recht kontinuierlich. 1995 zum Beispiel waren es noch 143, also das Vierfache. Positiv ist die Entwicklung aber nur bei den Toten, die Zahl der Schwerverletzten stagniert seit vielen Jahren bei etwa 2000. Das 2004 vom Senat verkündete Ziel, die Zahl um 30 Prozent zu senken, wurde bislang klar verfehlt. Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär in der Verkehrsverwaltung, sprach nun gestern vom Ziel 2020.

Wie das erreicht werden soll, sagte er nicht. Die 2013 gestarteten Sonderkontrollen wegen der vielen von Abbiegern verletzten und getöteten Radfahrern sollen fortgesetzt werden, sagte Kandt. 2013 wurden dabei 5100 Autofahrer beim riskanten Abbiegen erwischt – für Radfahrer ist das die größte Gefahr. Allerdings wurden bei den Kontrollen „für Radfahrer“ auch 14 000 radelnde Rotlichtsünder angehalten.

Nach Angaben des Polizeipräsidenten basieren die schwersten Unfälle oft auf zu hohem Tempo. Kandt kündigte auch für 2014 vor allem Tempokontrollen an. Der so genannte „Blitzmarathon“ im Oktober 2013 sei ein großer Erfolg gewesen. „Das müssen wir noch viel öfter machen“, sagte Kandt. An diesem Tag hatten alle verfügbaren Polizisten 24 Stunden lang sämtliche Radar- und Lasergeräte im Einsatz gehabt. Das Tempo in der Stadt habe sich durch die breit in den Medien angekündigte bundesweite Aktion „spürbar verringert“.

Weniger Kontrollen

Trotz dieser Sonderaktion ging die Zahl der Kontrollen aus Personalmangel in Berlin spürbar zurück, und zwar um acht Prozent. In Zahlen: Die Zahl der Autos, die an mobilen Kontrollen vorbeifuhren, sank um über eine Million auf 12,4 Millionen. Von ihnen waren 934 000 zu schnell, von diesen wiederum bekamen nur 787 000 ein Knöllchen. Fast 150 000 Raser konnten nicht zur Kasse gebeten werden – weil sie aus dem Ausland waren, unklar war, welches Auto den Blitz auslöste oder weil die Aufnahmen schlicht verwackelt waren.

Die zwölf stationären Tempoblitzer sind mittlerweile komplett digitalisiert. An sechs Ampeln gibt es immer noch Uraltblitzer mit schwarz-weiß-Filmen. Für die Filme gibt es weltweit nur noch einen Hersteller, und zwar in China. In den nächsten Jahren will Berlin diese Geräte gegen moderne Digitaltechnik austauschen. Zusätzliche Blitzer soll es nach Angaben der beiden Staatssekretäre nicht geben.  In den vergangenen Jahren haben sich, wie berichtet, nur die Grünen im Abgeordnetenhaus für mehr Blitzer ausgesprochen. SPD, CDU und Linkspartei lehnen mehr Blitzer ab.

Dabei kosten die neuen „Poliscan“-Säulen, die zeitgleich Temposünder und Rotlichtfahrer blitzen, nur etwa 100 000 Euro das Stück, finanzieren sich also innerhalb weniger Monate selbst. Ein Beispiel: Die neue Säule am Halleschen Ufer löste 2013 gut 19 000 Mal aus, daraus wurden 16 000 Knöllchen – nur für Tempoüberschreitungen. Bei 25 Euro pro Knöllchen sind das 400 000 Euro, dazu kommen noch die Rotlichtknöllchen. Und der Erfolg lässt auch nach Jahren nicht nach. 2013 lösten die Schwarzlichtblitzer im Britzer Autobahntunnel knapp 100 000 Mal aus – genau so oft wie 2013. 

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