Ungeklärter Mordfall in Neukölln : Ein Denkmal für Burak Bektas

Vor über vier Jahren wurde Burak Bektas auf offener Straße ermordet. Mit einem Gedenkort soll an ihn und weitere ungeklärte Morde erinnert werden.

Felix Hackenbruch
"Wer hat Burak ermordet?" Das fragen sich einige Menschen bei einer Demonstration zum Gedenken an den 22-jährigen Burak Bektas.
"Wer hat Burak ermordet?" Das fragen sich einige Menschen bei einer Demonstration zum Gedenken an den 22-jährigen Burak Bektas.Foto: picture alliance / dpa

Burak Bektas ist nicht vergessen. Aber nun soll es auch einen Gedenkort geben. Am 5. April 2012 hatte ein unbekannter Mann in Neukölln auf offener Straße wortlos das Feuer auf fünf Jugendliche eröffnet. Der 21-jährige Burak Bektas starb wenig später auf dem Operationstisch, zwei seiner Freunde überlebten schwerverletzt. Obwohl die Ermittlungen noch immer laufen, gibt es bis heute keinen Hinweis auf den Täter. Eine Tat mit rassistischem Hintergrund konnte nicht ausgeschlossen werden.
„So etwas soll sich nicht wiederholen“, sagt Ralf Fischinger, Sprecher der 2012 gegründeten Initiative für die Aufklärung des Mordes. Regelmäßig erinnern sie an Bektas und demonstrieren für die Aufklärung des Falles. Nun plant die Initiative einen Gedenkort auf der Grünfläche an der Rudower Straße, in der Nähe des Tatorts zu errichten. „Im Kontext der NSU-Morde wollen wir eine Brücke zum Fall von Burak Bektas schlagen“, sagt Fischinger. Konzipiert sei ein Ort der Erinnerung und Trauer, aber auch ein Symbol für weitere nicht aufgeklärte Morde an Migranten. Die Initiative rechnet mit 25.000 Euro Kosten, die über Spenden sowie Geldern aus Stiftungen und Projektfonds aufgebracht werden sollen.

In der Nähe des Tatorts soll ein Gedenkort an Burak Bektas erinnern.
In der Nähe des Tatorts soll ein Gedenkort an Burak Bektas erinnern.Grafik: Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas

Bis auf die CDU unterstützen alle Parteien die Initiative

Politische Unterstützung bekommt die Initiative durch einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), in dem SPD, Grüne, Piraten und die Linke die Idee begrüßen. „Nach den Erfahrungen der NSU-Morde ist es wichtig, dass wir bei Ermittlungen in alle Richtungen schauen“, sagt Bijan Atashgahi (SPD), Vorsitzender des Integrationsausschusses, wo das Konzept am Mittwochnachmittag vorgestellt wurde. Er sei enttäuscht von den Ermittlungen der Polizei und sieht das Denkmal als Anlass mehr über Gewalttaten mit rassistischen Hintergründen nachzudenken.
Gerrit Kringel, Fraktionsvorsitzender der CDU in Neukölln, dagegen hält nichts von der Idee: „Solange der Mord nicht aufgeklärt ist, können wir das Konzept nicht mittragen.“ Er kritisiert, dass man den Mord unmissverständlich mit rassistischen Hintergründen in Verbindung bringe. Seine Partei habe deshalb gegen den Beschluss gestimmt. „Wenn, dann benötigen wir ein berlinweites Mahnmal für die Opfer ungeklärter Morde. So wird der Fall politisch missbraucht“, sagt Kringel.

2018 soll der Gedenkort eingeweiht werden

Der Beschluss der BVV ist indes lediglich eine politische Willensbekundung. Ein zeitnaher konkreter Beschluss gilt angesichts der endenden Wahlperiode als unwahrscheinlich. Ungeklärt ist auch noch, wer die Kosten für die Instandhaltung tragen soll. Trotzdem sei die Unterstützung wichtig, um mit der Spendenkampagne zu beginnen, so Fischinger. Wenn alles nach Plan läuft, möchte die Initiative den Gedenkort 2018 am 6. Todestag von Burak Bektas einweihen. Dass die Tat bis dahin noch aufgeklärt wird, hält selbst Fischinger für unwahrscheinlich. „Wir zweifeln daran, aber wir hoffen jeden Tag auf einen Zufall.“

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