Unkrautbekämpfung : BSR nutzt umstrittenes Herbizid Glyphosat

Obwohl das Herbizid Glyphosat möglicherweise Krebs erregt, verwendet es die BSR weiterhin zur Unkrautbekämpfung. Das Mittel sei effektiv, der Einsatz verantwortungsvoll, so das Unternehmen. Die Grünen protestieren.

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Unkraut auf den Gehwegen bekämpft die BSR auch mit Glyphosat.
Unkraut auf den Gehwegen bekämpft die BSR auch mit Glyphosat.Foto: Archiv

Unkraut ist hartnäckig. Wenn die Berliner Stadtreinigung (BSR) auf Gehwegen lästige Brennnesseln und Grashalme entfernt, dann will sie den Wildwuchs bekämpfen, so dass er nicht so schnell wiederkommt. Die Mitarbeiter in Orange bringen mit einem Walzengerät das Mittel „Roundup Roto“ der Firma Monsanto auf. Das wirkt.

Der Einsatz des Herbizids ist aber umstritten. Die Zulassung als Pflanzenschutzmittel läuft in der EU Ende 2015 aus, es muss neu eingestuft werden. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den darin enthaltenen Stoff Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einschätzt, hält die BSR den Einsatz des Mittels weiterhin für vertretbar. „Die Risikoeinschätzung ist Aufgabe der Genehmigungsbehörde, also des Berliner Pflanzenschutzamts. Und wir haben eine wirksame Genehmigung von dort erhalten“, sagt BSR-Sprecher Sebastian Harnisch. Die Stadtreinigung versprühe den Stoff auch nicht, sondern bringe ihn mit den Walzen nur in geringen Mengen auf. In diesem Jahr habe die BSR knapp 150 Arbeitskilometer Gehweg mit dem Präparat bearbeitet – zum Vergleich: 520.000 Arbeitskilometer pro Jahr seien in der normalen Gehwegreinigung.

Das Risiko, mit dem Stoff in Berührung zu kommen

Trotzdem steht die BSR nun in der Kritik. Vor allem die Berliner Grünen fordern, dass in Berlin auf den Gebrauch des Herbizids verzichtet wird. Die Berliner Bundestagsabgeordnete Renate Künast fürchtet, dass der Stoff in Gewässer gelangt, gleichzeitig seien auch die Arbeitnehmer, die das Glyphosat aufbringen, gefährdet. „Menschen laufen darüber hinweg, heben etwas vom Boden auf. Für sie besteht das Risiko, mit dem Stoff in Berührung zu kommen.“ Künast fordert, dass sich die Vertreter des Landes im Aufsichtsrat der BSR – Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen und Umweltsenator Andreas Geisel (beide SPD) – dafür einsetzen, dass Glyphosat nicht mehr verwendet wird. Sie greift aber auch die BSR selbst an: „Hieß der Slogan nicht ’We kehr for you’? Wenn die BSR das ernst meint, dann sollte sie nicht nur kehren, sondern sich wirklich kümmern.“

Es gebe ja Alternativen, wie etwa ökologische Pflanzenschutzmittel und Hochdruckreiniger, sagt Künast. Tatsächlich prüft die BSR Alternativen zu Glyphosat. Zuletzt sei etwa ein Test mit einem Wasserdampfverfahren durchgeführt worden, berichtet Harnisch. Die Pflanzen sollten durch den heißen Wasserdampf absterben, seien aber zu schnell wieder nachgewachsen. Die BSR befinde sich eben in einem Spannungsfeld: „Viele Bürger erwarten eine effektive Wildkrautbekämpfung, andere lehnen dagegen chemische Mittel völlig ab.“

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