Unmut in Berliner Polizei : Eine Kameradschaft zu viel

"SEK Berlin – Kameradschaft", unter diesem Namen haben Berliner Elitepolizisten Anfang Oktober einen Verein gegründet. Allerdings ist der Begriff "Kameradschaft" äußerst belastet, wird er doch gerade in der rechtsextremen Szene häufig gebraucht. Nun gibt es erste Kritik auch aus der Polizei.

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Archivfoto von Elite-Polizisten bei einem Einsatz in Brandenburg.
Archivfoto von Elite-Polizisten bei einem Einsatz in Brandenburg.Foto: ddp

Anfang November feierte das Spezialeinsatzkommando der Polizei sein 40-jähriges Bestehen – jetzt hat eine Vereinsgründung von SEK-Mitgliedern Befremden und Verwunderung ausgelöst. Unter dem Namen „SEK Berlin – Kameradschaft“ haben aktive und ehemalige Mitglieder der hochspezialisierten Truppe einen Verein gegründet. Wegen der als unsensibel empfundenen Wortwahl hat die Anfang Oktober beim Amtsgericht Charlottenburg angezeigte Vereinsgründung in der Polizei bereits zu internen Diskussionen geführt. Schließlich sei der Begriff „Kameradschaft“ durch den vielfältigen Gebrauch in der rechtsextremen Szene diskreditiert. Kritiker empfinden den Vereinsnamen deswegen als ausgesprochen unpassend und befürchten, die Reputation der Spezialeinsatzkommandos könnte dadurch beschädigt werden.

Das SEK wurde am 1. November 1972 vom damaligen Polizeipräsidenten Klaus Hübner gegründet – insbesondere zum Einsatz gegen Täter aus dem terroristischen Umfeld. Das SEK war damit der Berliner Vorläufer zur 1974 gegründeten Antiterror-Einheit der Bundespolizei, der GSG 9. Die durfte wegen der statusrechtlichen Frage ohnehin nicht im damaligen West-Berlin operieren. In den siebziger Jahren wurden bei SEK-Einsätzen in Berlin insgesamt 29 Mitglieder der linksextremen „Roten Armee Fraktion“ und der „Bewegung 2. Juni“ festgenommen.

Derzeit gibt es sechs SEK-Gruppen, die rund um die Uhr im Einsatz sind. Auch Präzisionsschützen gehören den Einheiten an. Die bestens trainierten Beamten mit ihrer speziellen Ausrüstung werden bei allen schweren Straftaten gerufen – von Geiselnahmen, Bankraub bis zur Festnahme von bewaffneten Straftätern. Sie versehen ihren Dienst oftmals unter akuter Lebensgefahr. Ein SEK-Beamter wurde im April 2003 erschossen, als er in Neukölln ein wegen versuchter Tötung gesuchtes Bandenmitglied festnehmen wollte.

Die Gründungsmitglieder der „SEK – Kameradschaft“ wollten sich auf Anfrage nicht aktuell äußern. Intern, so heißt es, argumentieren sie damit, dass es doch auch bei der GSG 9 eine „Kameradschaft“ gibt. Diese wurde allerdings schon 1982 gegründet, was ein großer Unterschied sei, sagt ein ehemaliger SEK-Beamter. Heute sei Kameradschaft nun mal ein „belasteter Begriff“, kritisiert er, der die Einheit in eine falsches Licht rücken könnte. Der ehemalige Polizeipräsident Klaus Hübner findet den Vereinsnamen sogar „völlig unmöglich“. Hinter der Gründung stecke „sicher eine gute Absicht, aber keine gut überlegte“. Damit das SEK keinen Schaden nehme, dürfe „nicht mal der Hauch eines Geruchs entstehen“, es gebe eine Nähe zu Rechtsextremen.

Im Polizeipräsidium am Flughafen Tempelhof ist man spürbar nicht begeistert. Die Gründung eines privaten Vereins von aktuellen und ehemaligen SEK-Mitgliedern sei aber nicht genehmigungspflichtig, sagt Polizeisprecher Stefan Redlich. Darüber hinaus gewähre die Polizei keinerlei logistische und organisatorische Unterstützung, betont der Sprecher. Die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers habe sich auch auf der SEK-Festveranstaltung „kritisch zu der Vereinsgründung geäußert und insbesondere darum gebeten, den Vereinsnamen zu überdenken.“ Noch zurückhaltender ist man bei Innensenator Frank Henkel (CDU): „Die Innenverwaltung möchte das nicht kommentieren.“

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