Unterkunft der Bundespräsidenten : Jeder darf sich seine Villa selbst aussuchen

27.02.2012 11:53 Uhrvon
Die Dahlemer Villa. Foto: dpa
Die Dahlemer Villa. - Foto: dpa

Der Bundespräsident darf selbst über seine Privatresidenz entscheiden. Zwar wurde das Schloss Bellevue 2006 für 24 Millionen Euro saniert, doch lange wohnen kann hier niemand.

Wenn Joachim Gauck am 18. März aller Voraussicht nach zum Bundespräsidenten gewählt wird, heißt das nicht notgedrungen, dass er Abschied nehmen muss von seiner Schöneberger Wohnung in der Nähe des Innsbrucker Platzes. Zwar gibt es die sogenannte Dienstvilla in Dahlem, die offiziell als „eine Liegenschaft des Bundespräsidialamtes, in der alle sicherheitsrelevanten Belange gelöst sind“ bezeichnet wird. Aber es stehe jedem Bundespräsidenten frei, über Haus und Wohnung selbst zu bestimmen, sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes auf Anfrage: „Eine Residenzpflicht gibt es nicht.

“ Nur müssten bei einer Privatwohnung die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden können. Deshalb empfiehlt das Amt einem neu gewählten Bundespräsidenten die Adresse in Dahlem. Ob renoviert wird, das entscheiden die zuständigen Mitarbeiter von Fall zu Fall: „Wenn es nötig ist, wird es veranlasst.“ Am Wochenende rollten dort – und vor Bellevue – die Wagen der bekanntesten Berliner Umzugsfirma vor, um das Inventar der Familie Wulff abzuholen.

Möbelpacker tragen die letzten Sachen von Wulff aus Schloss Bellevue. Foto: dpa
Möbelpacker tragen die letzten Sachen von Wulff aus Schloss Bellevue. - Foto: dpa

Im Schloss Bellevue gibt es schon lange keine Wohnung mehr für den Präsidenten. Der letzte Amtsträger, der dort wohnte, war Roman Herzog. Er hat öffentlich gelitten daran, denn der Komfort auf 94 Quadratmetern war eingeschränkt, nicht gerade das, was sich normale Menschen unter dem Leben in einem Schloss vorstellen. Herzog, von 1994 bis 1999 erster Mann im Staat, hatte schon mal von einer „Bruchbude“ geredet, in der dauernd Licht und Strom ausfielen. Vor der Renovierung zwischen 2004 und 2006 hatten auch Besucher dort kein leichtes Spiel. Besonders die mangelnde Klimatisierung war für ausländische Gäste eine Prüfung, aber auch die deutsche Nationalelf konnte im Sommer 2002 einen Besuch beim damaligen Präsidenten Johannes Rau als Ersatz für den Saunagang verbuchen. Und der Mini-Aufzug blieb gern mal stecken.

Nach der Renovierung, die 20 Monate gedauert und 24 Millionen Euro gekostet hatte, war die alte Dienstwohnung verschwunden. Stattdessen gibt es jetzt dort modern ausgeleuchtete Räume für Besprechungen und Essen im kleinsten Kreis. Auch das Büro der First Lady wurde dort eingerichtet. Lediglich der „Präsidentengarten“, wie der Teil vom Schlosspark Bellevue genannt wird, der sich unter der einstigen Dienstwohnung befindet, erinnert noch daran, dass es eine Zeit gab, in der Präsidenten rund um die Uhr präsent waren.

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