Unwetter in Berlin : Als Feuerwehrmann im Dauerregen-Einsatz

Im Interview erzählt ein freiwilliger Feuerwehrmann aus Spandau über eine Nacht voller Keller, Currywurst und Regen im Nackenleder.

Am meisten Regen fiel an der Messstation in Berlin-Tegel. Dort gingen 143,5 Liter pro Quadratmeter nieder.
Am meisten Regen fiel an der Messstation in Berlin-Tegel. Dort gingen 143,5 Liter pro Quadratmeter nieder.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Herr Langhammer, Sie sind einer von 700 freiwilligen Feuerwehrleuten, die beim Unwetter im Einsatz waren. Wo erreichen wir Sie gerade?
Ich bin wieder im Büro, ich arbeite in der Berliner Verwaltung. Die Nacht war kurz, ich habe Muskelkater, aber es geht schon.

Und Ihre Klamotten?
Die aus der Nacht? Die trocknen hoffentlich auf der Wache, draußen in Gatow.


Dort leiten Sie die Freiwillige Feuerwehr. Gatow liegt im Spandauer Süden, einem ziemlich ruhigen Fleck Berlins....

... aber in dieser Nacht war alles anders. Das war uns klar, wir kannten den Wetterbericht und ahnten, wie viel Wasser da runterkommen würde. Mittags meldete sich unser Feuerwehr-Pieper – da wussten wir, dass es jetzt losgeht: Ausnahmezustand.


Was passiert dann?
Wir sind bei uns 23 Feuerwehrleute. Studenten, Auszubildende, Akademiker, Handwerker, Landwirte, querbeet durch alle Berufe, Frauen, Männer, 18 bis 60 Jahre alt – die können nicht immer rund um die Uhr einsatzbereit sein, auch ich nicht. Ich saß im Büro weitab in der Innenstadt und wusste, dass ich nicht so schnell auf der Wache bin. Das erste Fahrzeug besetzten also andere Kollegen und fuhren durch Charlottenburg, Tiergarten, Staaken, Westend, nur nicht nach Marzahn, das wäre dann doch etwas zu weit gewesen. Ich bin in der Nacht dazugestoßen und habe die Kollegen abgewechselt, da war es 22.30 Uhr.

Und was haben Sie gemacht?
Pumpen, pumpen, pumpen. Und Schläuche aus- und einrollen.

Keine anderen Einsätze?
In dieser Nacht nicht, nein. Wir haben wirklich nur versucht, den Menschen zu helfen, deren Keller voll Wasser gelaufen war und die nun hilflos zwischen den schwimmenden Schränken, Akten und Lebensmitteln standen, hüfthoch im Wasser. Ich will so was nicht erleben, die Menschen taten mir Leid.

Und danach sind Sie zurück …
… nein, in dieser Nacht sind wir nicht auf die Wache zurückgekommen. Es war so viel Regen, es waren so viele Einsätze, wir sind immer auf der Straße geblieben und weiter zum nächsten Notruf geeilt. Wir mussten Türen öffnen, weil bei Leuten das Wasser von oben kam, wir mussten auf Balkone klettern, deren Abfluss kaputt war. Zum Glück hatten wir keine anderen Notrufe wie etwa schwere Autounfälle, aber darüber rede ich hier nicht.

Wie oft müssen Sie eigentlich pro Woche mit Ihren Fahrzeugen raus?
Mit dem Rettungswagen fast jeden Tag, mit dem Löschfahrzeug manchmal eine ganze Woche nicht. Diesmal war das aber die ganze Nacht unterwegs und der Rettungswagen stand im Stall.

Machen Sie eigentlich Pause?
Wir haben einmal bei „Curry36“ in dieser Nacht gehalten, auch mal einen heißen Kaffee getrunken. Und wir mussten unser Fahrzeug ja auch volltanken, weil wir damit die ganze Zeit unterwegs waren.

Und die Nässe?
Wir haben zwei Paar hüfthohe Spezialstiefel, die halten eine Menge ab. Aber diese Wassermengen waren schon irre. Das hat sich gesammelt hinten am Nackenleder, und wenn du den Kopf hebst, dann fließt das hinten kalt den Rücken runter …

Wann waren Sie im Bett?
Gar nicht. Morgens um 6.20 Uhr waren wir endlich zurück in unsere Wache gefahren. Wir haben die Schläuche ausgetauscht, das Fahrzeug gereinigt, kurz geduscht. Zuhause habe ich einen Kaffee getrunken und dann musste ich wieder ins Büro.

Das Gespräch führte André Görke.

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