Urban Gardening in Berlin : Das "Himmelbeet" in Wedding muss umziehen

Im Streit um das Gartenprojekt "Himmelbeet" gibt es seit Freitag einen Kompromiss: Die Gärtner bekommen eine neue Bleibe. Darauf einigten sie sich mit dem Bezirk und der Oliver Kahn-Stiftung.

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Paradies mitten im Wedding, Nähe Leopoldplatz: Rund 300 solcher Pflanzkästen gehören zum "Himmelbeet".
Paradies mitten im Wedding, Nähe Leopoldplatz: Rund 300 solcher Pflanzkästen gehören zum "Himmelbeet".Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Himmlisch ist der am Freitag beschlossene Kompromiss fürs „Himmelbeet“ nicht. Aber: „Es ergibt sich für uns zumindest ein konkrete Perspektive“, sagt der Geschäftsführer des bislang gefährdeten „Urban Gardening“-Projektes an der Ruheplatzstraße in Wedding, Felix Lodes. Damit steht fest: der Himmel muss umziehen.

Auf das Gartengelände sollen Fußballplätze für Kiezkinder

Wie berichtet, zeichnete sich zuletzt ein absurder Verdrängungswettkampf zwischen zwei konkurrierenden gemeinnützigen Initiativen ab. Streitpunkt: das 1700 Quadratmeter große, derzeit von rund dreihundert Nachbarschaftsgärtnern genutzte Gelände. Die Oliver Kahn-Stiftung und der „Amandla Edu Football“-Verein wollen dort unterstützt vom Bezirk Mitte Fußballplätze anlegen und ein Bildungszentrum für benachteiligte Kinder und Jugendliche errichten. Die Gärtner aber wollen am liebsten bleiben.

Am runden Tisch wurde zäh gerungen

Am Freitagvormittag trafen sich Vertreter beider Projekte sowie der grüne Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel und Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) am runden Tisch und einigten sich nach zähem Ringen auf Folgendes: Bis zum Baubeginn des Amandla-Zentrums und der drei Sportplätze Ende 2018 können die Gärtner noch ihr vom Bezirk gepachtetes Areal nutzen. Danach aber müssen sie umziehen, und zwar auf ein ähnlich großes Brachgrundstück in Sichtweite an der Schulstraße 118. Ob sie dieses wie erhofft komplett oder nur mit kleineren Abstrichen bepflanzen können, soll baldmöglichst mit dem Bezirk geklärt werden.

Gut im Wuchs. Die Kräuterbeete. Im Hintergrund die Café-Terrasse.
Gut im Wuchs. Die Kräuterbeete. Im Hintergrund die Café-Terrasse.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Alternativ hat Mitte den Himmelbeetlern auch noch ein leeres Baugrundstück angeboten, das südöstlich an ihr jetziges Terrain angrenzt. Dies ist aber sehr schattig, außerdem plant der Bezirk dort den Bau einer Sporthalle ab 2025. Dort könnten sie folglich nur acht Jahre lang gärtnern. Es läuft also alles auf eine künftige grüne Oase an der Schulstraße hinaus. Beim Umzug will der Bezirk helfen.

Doch auch der ursprüngliche Plan eines echten „Himmelbeetes“ auf dem Dach der ab 2025 avisierten Sporthalle ist nicht zu den Akten gelegt. Vielen Gärtnern haben sich mit dieser Idee gut angefreundet, sogar obwohl sie dann noch einmal umziehen müssten. „Dafür ist aber noch vieles ungeklärt, vor allem die Kosten“, sagt ihr Sprecher.

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