Vandalismus in Berlin : Angriff auf die Glaspyramide

Beschossen, beworfen, bekleckert: Der Blaue Obelisk wurde einst aufgestellt, um den Theodor-Heuss-Platz aufzuwerten und um an die Opfer von Flucht und Vertreibung zu gedenken. Heute ist er Ziel von Zerstörungswut. In Berlin ist das kein Einzelfall.

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Himmelspyramide. Aus der Ferne sieht der Blaue Obelisk noch gut aus.
Himmelspyramide. Aus der Ferne sieht der Blaue Obelisk noch gut aus.Foto: Thilo Rückeis

Die Angriffe kamen von allen Seiten. Jeweils mehr als 20 Treffer aus Süden und Westen, und aus Norden und Osten waren die Einschläge kaum weniger dicht. Mehr als 70 Löcher zählt man in den Glaswänden des „Blauen Obelisken“ auf dem Theodor-Heuss-Platz in Charlottenburg, fast ausnahmslos im untersten, als Zielscheibe bequemsten Segment der sieben aufeinandergestapelten Quader – als sportliche Herausforderung haben die Kunstvandalen ihr zerstörerisches Treiben offenbar nicht begriffen.

Ein Bild des Jammers. Im Internet findet man ein sogar fünf Jahre altes Foto, auf dem Spuren des Beschusses zu erkennen sind. Die Berliner Künstlerin Hella Santarossa, Schöpferin der 1995 der Öffentlichkeit übergebenen Brunnenanlage mit dem Obelisken als Mittelpunkt, hat aber den Eindruck, dass es immer mehr und die Risse größer werden. Kürzlich war sie wieder einmal auf dem Platz, hat ihr Werk inspiziert und war schockiert: „Schlimmer als gedacht.“

Auch sonst ist die Anlage, einst Renommierobjekt zur Stadtverschönerung, in ihrer Ästhetik mittlerweile ziemlich eingeschränkt.

Müll, Dreck und Vandalismus in Berlin
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1 von 151Foto: Henning Onken
27.07.2017 09:09An die Ampel gestopft. Muss das sein? Nur ein alltägliches Beispiel aus Friedrichshain, wie achtlos Coffee-to-Go-Trinker mit ihren...

Auf einer Seitenwand des Edelstahlsockels hat es erst kürzlich einen Einschlag gegeben, der das Metall zwar nicht beschädigte, aber der Inhalt des Wurfkörpers (Bier? Saft? Joghurt?) hat großflächige Spuren hinterlassen. Das Wasser des Brunnens ist von unappetitlichem Grün, und nicht mal ganz oben auf der blauen Spitze ist der Obelisk vor Verschmutzung sicher: Dort und an den Stufen der Glaspyramide haben Tauben ihren Stammplatz und kleckern alles voll.

Einige der Löcher zeugen angeblich von einem Eifersuchtsdrama. Ein junger Mann hat Hella Santarossa vor einiger Zeit gestanden, die Pyramide beschossen zu haben, als sein Frust besonders heftig war. Aber die hohe Zahl der Treffer und vor allem ihr Ansteigen erklärt das nicht. Ausgelassene Teilnehmer früherer Loveparade-Umzüge vermutet die Künstlerin als Täter, vielleicht auch Fußballfans, die auf dem Weg vom Olympiastadion am Theodor-Heuss-Platz aus der U-Bahn quellen. Man kann sich da allerhand vorstellen: alkoholumnebelter Kopf, Enttäuschung über eine Niederlage – schnell möchte da der eine oder andere am liebsten etwas zerschmettern. Die naheliegende Vermutung aber, der Platz ziehe eine besondere, zu Vandalismus neigende Klientel an, wird von der Polizei zurückgewiesen. Aus ihrer Sicht sei er „kein Hotspot“, heißt es.

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