Vandalismus in Berlin-Kreuzberg : Kneipe zerstört, Farbe versprüht

Sie ist nicht nur bei Touristen beliebt: die Gaststätte "Stadtklause" am Anhalter Bahnhof. Jetzt wurde sie verwüstet. Wer steckt dahinter?

Julia Bernewasser
Die Farbe klebt überall, das Holz ist zerstört, die Scheiben sind zerschlagen.
Die Farbe klebt überall, das Holz ist zerstört, die Scheiben sind zerschlagen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Seht euch das an. Wer macht so was?“, fragt Eva Özdemir und schüttelt ungläubig den Kopf. Sie zeigt auf die alten historischen Bilder vom Anhalter Bahnhof an der Wand, die kaum noch zu erkennen sind. Auf die klebrig schwarzen Holzstühle, den gefleckten Boden, den vollgespritzten Zeitungsständer. Die Gäste, die Eva Özdemir sonst zur Mittagszeit in der „Stadtklause“ am Askanischen Platz in der Nähe des Potsdamer Platzes begrüßt, trauen sich heute kaum in den Eingang. Die rustikal-gemütliche Traditionskneipe in der Bernburger Straße – bei Touristen genauso gefragt wie bei Berlinern – gibt ein trauriges, düsteres Bild ab.

Die Scheiben sind eingeschlagen.
Die Scheiben sind eingeschlagen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

In der Nacht zu Montag haben bislang unbekannte Täter die Kneipe verwüstet. Sie schlugen das Fenster ein und sprühten mit einem Feuerlöscher schwarze Farbe in den Gastraum. Mitarbeiterin Özdemir war die Erste, die das Lokal am Montag in der Frühe über den Hintereingang betrat. Beim Gang zum Sicherheitskasten sei ihr ein aggressiver Gestank aufgefallen. „Ich wollte das Licht anmachen und blieb am Boden kleben“, sagt die 60-Jährige. Dann habe sie die Farbe entdeckt. Draußen vor der Eingangstür lagen ein Stein und ein Feuerlöscher.

„Das ist traurig, und vor allem verstehe ich es einfach nicht“, sagt Eva Özdemir immer wieder. Sie und Geschäftsführer Ismet Rekaliu harren draußen vor der Kneipe aus, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. „Wir können ja nicht einfach weggehen bei dem offenen Fenster“, sagt Özdemir. Immer wieder kommen Gäste vorbei, die die beiden heute zur Konkurrenz weiterschicken müssen. „Das ist eine ziemliche Einbuße für uns“, sagt sie. „200 Leute haben wir heute erwartet. Die ganze Woche haben wir Reservierungen“, sagt Ismet Rekaliu. Auf Einnahmen müssen sie am Montag verzichten, nicht aber auf mitfühlende Worte der Stammgäste. Drei Männer kommen in der Mittagspause vorbei. Ein Blick in den Gastraum, und Erstaunen macht sich in den Gesichtern der Stammgäste breit. „Da muss jemand aber einen extremen Groll gehabt haben. Das macht man nicht einfach spontan“, sagt einer der Gäste mit dem Hinweis auf das vergitterte Fenster.
Die Polizei schickte am Montag die Spurensicherung vorbei. Über Tatverdächtige und Motiv ist noch nichts bekannt.

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