"Vau" in Berlin-Mitte : Berlins ältestes Sternerestaurant schließt

Kolja Kleeberg schließt das „Vau“, Berlins ältestes Sterne-Restaurant. Im nächsten Jahr soll es einen Neuanfang an anderem Ort geben.

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Es war einmal: Kolja Kleeberg vor seinem „Vau“ in Mitte.
Es war einmal: Kolja Kleeberg vor seinem „Vau“ in Mitte.Foto: imago/HiPi

Die Gerüchteküche hat dort zuletzt vernehmlicher gebrodelt als jene mit dem Herd in der Mitte – und sie lag richtig: Kolja Kleeberg hat sein „Vau“, das dienstälteste Berliner Sternerestaurant, geschlossen, nachdem die Verhandlungen über eine langfristige Verlängerung des Pachtvertrags gescheitert waren.

Die Pressemitteilung, die das Scheitern jetzt öffentlich besiegelt, ist darum bemüht, das Beste aus der Schließung zu machen: „Kolja Kleeberg strukturiert um, schließt das VAU und startet einen Neuanfang“, heißt es dort.

Damit ist auf jeden Fall sicher, dass die Geschichte des Luxus-Bistros in der Jägerstraße besiegelt ist. Spätestens im nächsten Jahr werde es aber ein neues „Vau“ mit altem Chef irgendwo in Berlin geben. Das alte hat 20 Jahre hinter sich, bekam nach wenigen Monaten den Michelin-Stern und hielt diesen bis zuletzt. In der Mischung von zeitlos hochwertigem Design und ambitionierter Küche galt es seinerzeit als maßstabsetzend; kulinarischer Oberaufseher war in den ersten Jahren der Hamburger Spitzenkoch Josef Viehhauser, der Kolja Kleeberg vom ersten Tag an beriet und später mit anderen Berliner Projekten in die Pleite rutschte. Kleeberg übernahm den Betrieb erst später in eigene Regie.

Auf Youtube gibt es Tipps

Er sagt nun, er wäre gern am alten Standort geblieben und habe bis zuletzt auf eine Einigung mit dem Hauptmieter gesucht, doch diese Hoffnung habe sich rasch zerschlagen. Er freue sich nun auf den Neuanfang, wolle bei dieser Gelegenheit zu seinen Wurzeln zurückkehren und „einfache Gerichte mit ehrlichen Produkten“ anbieten – das klingt so, als sei die Sterne-Zeit für Kleeberg vorüber. Er selbst sagt, ein festes Konzept gebe es noch nicht.

Über die Gourmet-Szene hinaus bekannt wurde der 52-jährige Kleeberg, der aus Bonn stammt und zunächst Schauspieler werden wollte, vor allem durch seine Auftritte im SAT-1-Frühstücksfernsehen. Später war er Mitglied in der Köche-Crew von „Kerner kocht“ und trat in vielen anderen Kochshows auf.

Jetzt ist er in der Show „Kampf der Köche“ bei SAT1 dabei und tritt dort zum Duell gegen erfahrene Hobbyköche an. Außerdem wird er auch in diesem Jahr wieder das Menü für die Berliner Zelt-Show „Palazzo“ mit Hans-Peter Wodarz konzipieren. Und er will auch seinen gerade erst gestarteten Youtube-Kanal kontinuierlich mit neuen Tipps und Zubereitungen bestücken.

Berlin hat damit in diesem Jahr schon das zweite bekannte und besternte Gourmet-Restaurant verloren. Schon zu Jahresbeginn hatte das Hotel Palace im Europa-Center sein „First Floor“ geschlossen. Dort geht es aber weiter, die Umbauarbeiten haben begonnen. Über die Details des Konzepts gibt es aber noch keine Informationen. In den Restaurant-Führern werden aber beide Restaurants nicht mehr auftauchen. Der neue Guide Michelin Deutschland wird am 1. Dezember in Berlin vorgestellt, der Gault & Millau vermutlich im November.

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