Berlin : Verein nennt Ehrung nun „Hohenschönhausen-Preis“

Der Förderverein Gedenkstätte Berlin- Hohenschönhausen wird seinen Preis zur Förderung der kritischen Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur nicht nach dem DDR-Kritiker Walter Linse benennen. Das teilte der Vereinsvorsitzende Jörg Kürschner am Donnerstag mit. Die Auszeichnung soll nun „Hohenschönhausen-Preis zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur“ heißen. Die Gedenkstätte im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Hohenschönhausen ist Kürschner zufolge nicht nur zu einem Synonym für das SED-Unrecht, sondern auch für die kritische Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur geworden.

Die ursprüngliche Absicht, den Preis nach Walter Linse zu nennen, änderte der Verein den Angaben zufolge nach neuen Erkenntnissen zur Biografie des prominenten Stalinismusopfers. Dem 1953 in Moskau erschossenen Rechtsanwalt war vorgeworfen worden, in der NS-Zeit an Arisierungen beteiligt gewesen zu sein. Außerdem soll er Mitglied der NSDAP gewesen sein. Der Verein bat das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) um eine Prüfung.

Kürschner zufolge hat das Institut mitgeteilt, dass eine kurzfristige Begutachtung der Rolle Linses wegen der komplizierten Aktenlage kaum möglich sei. Eine Untersuchung könne sich nicht auf die Tätigkeit Linses beschränken, sondern müsse auch ausloten, welche Rolle seine damalige Arbeitsstätte, die IHK Chemnitz, gespielt habe. „Offen bleibt dabei selbstverständlich, welche Beurteilung das Verhalten Linses abschließend erhält“, heißt es in einem Schreiben des Instituts. Auch wenn Linse weniger belastet sei, als ihm vorgeworfen werde, sei aber für die Zukunft nicht auszuschließen, dass dessen Tätigkeit öffentlich thematisiert würde und der Preis und der Preisträger damit Schaden nähmen. Der Verein will den mit 5000 Euro dotierten Preis erstmals 2008 vergeben. ddp

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