Flughafenprojekt Schönefeld : BBI - Das Terminal wird teurer

Das Abfertigungsgebäude des BBI-Flughafens in Schönefeld soll mehr als eine Milliarde Euro kosten - das entspricht fast 400 Millionen mehr als geplant. Unterm Strich kann das bedeuten: Der Finanzierungsplan nicht zu halten und auch der Zeitplan gerät ins Wanken.

Klaus Kurpjuweit
BBI-Terminal
Teurer Terminal. Der Bau des neuen BBI-Abfertigungsgebäudes sprengt den Kostenrahmen. -Simulation: Berliner Flughäfen

Schönefeld Der Traum, den Flughafen Schönefeld für zwei Milliarden Euro ausbauen zu können, ist geplatzt. Nach Tagesspiegel-Informationen steigen die Kosten erheblich. Demnach soll allein der Neubau des Abfertigungsgebäudes mehr als eine Milliarde Euro kosten; veranschlagt waren zuletzt etwa 630 Millionen Euro. Flughafenchef Rainer Schwarz lehnte eine Stellungnahme dazu mit Hinweis auf das noch nicht abgeschlossene Vergabeverfahren ab.

Nur wenige große Baukonzerne sind in der Lage, ein so komplexes Gebäude wie ein Flughafenterminal zu bauen. Dem Vernehmen nach sind auf die Ausschreibung auch nur drei oder vier Angebote eingegangen. Sie werden nach Angaben von Schwarz gegenwärtig geprüft. Der Auftrag zum Bau sollte noch in diesem Jahr vergeben werden, die Arbeiten sollten dann 2008 beginnen, sobald der Rohbau des Bahnhofs unter dem Terminal in diesem Bereich abgeschlossen ist.

Wird der Terminalbau tatsächlich so viel teurer, ist der bisherige Finanzierungsplan nicht mehr zu halten, und auch der Zeitplan geriete ins Wanken. Von den bisher veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 2,018 Milliarden Euro – ohne Zinsen – wollten Berlin und Brandenburg jeweils 159 Millionen Euro und der Bund 112 Millionen Euro übernehmen. 440 Millionen Euro sollte demnach die Flughafengesellschaft aus eigenen Mitteln aufbringen. Die große Restsumme soll über Kredite finanziert werden. Hier sind die Verhandlungen mit Banken noch nicht abgeschlossen.

Um diesen Finanzrahmen einhalten zu können, hat die Flughafengesellschaft die Ausbaupläne bereits teilweise gestutzt. So verzichtet sie darauf, schon jetzt einen Tunnelrohbau zu erstellen, der bei einer vorgesehenen Erweiterung der Kapazitäten das Abfertigungsgebäude mit einem Ergänzungsbau, Satellit genannt, verbinden soll. Die Röhre sollte ursprünglich kostengünstig zeitgleich mit dem Anlage des Bahntunnels errichtet werden.

Ob beim Terminal weiter gespart werden kann, ist ungewiss. An den technischen Vorgaben lässt sich wenig ändern. Und architektonisch werde der Bau ohnehin nicht verschwenderisch sein, hatte die Flughafengesellschaft mehrfach betont. So bleiben nur Verhandlungen mit demjenigen Bauunternehmen, das den Zuschlag erhalten wird, um den Preis doch noch etwas zu drücken.

Insider hatten schon vor Abgabe der Angebote prognostiziert, dass die Kostenpläne des Flughafens nicht zu halten sein werden. Das gut laufende Baugeschäft stärke die Position der Unternehmen, die derzeit kaum Zugeständnisse machen müssten. Zudem hätten sie eine starke Position, weil es nur wenige Unternehmen gebe, die in der Lage sind, einen solchen Bau zu stemmen. Für mittelständische Konsortien aus der Region sei das Abfertigungsgebäude ein paar Nummern zu groß, heißt es in der Baubranche.

Immerhin haben sich regionale Unternehmen jetzt einen Großauftrag gesichert. Den Zuschlag zum Bau der Start- und Landebahn, der Rollwege sowie der Vorfeldflächen mit einem Auftragsvolumen von 277 Millionen Euro hat gestern die Bietergemeinschaft Eurovia /von der Wettern erhalten. „Der zweitgrößte Auftrag für den BBI konnte zeitgerecht und vor allem innerhalb des kalkulierten Kostenrahmens am Markt platziert werden. Die Bauarbeiten beginnen noch im September 2007“, sagte Thomas Weyer, Geschäftsführer Technik der Flughafengesellschaft. Auch bei den bisher erteilten Aufträgen im Wert von 400 Millionen Euro sei man im Kostenplan geblieben.

Preissteigerungen beim Flughafenbau sind fast normal. Als die Planungen in München zum Bau des Franz-Josef- Strauß-Flughafens Anfang der 80er Jahre begannen, rechnete man mit Kosten in Höhe von umgerechnet gut 1,5 Milliarden Euro. Am Ende waren es dann etwa 4,15 Milliarden Euro. Allerdings hatte es auch zahlreiche Planungsänderungen sowie einen Baustopp gegeben. Und dass ein Terminal eine Milliarde Euro kosten kann, hat ebenfalls München gezeigt. Der Bau des zweiten Abfertigungsgebäudes hat 1,49 Milliarden Euro verschlungen, veranschlagt waren 1,28 Milliarden Euro. Dass am BBI ein Terminal zum halben Preis entstehen könnte, hatten Experten schon lange bezweifelt.

Einen Kostensprung gab es am BBI bereits beim Bahnanschluss. Ursprünglich sollten dafür 496 Millionen Euro ausgegeben werden; inzwischen ist man bei 636 Millionen Euro angelangt. Dafür allerdings steht die Finanzierung.

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