Treffen der S-Bahn-Fans : Kaum Kritik, viele Anregungen beim Fahrgastsprechtag
27.09.2012 12:52 UhrPeter Buchner sagt, er wolle nicht so viel von der kostbaren Zeit vergeuden, schließlich „liegt mir die Diskussionen mit Ihnen allen besonders am Herzen“. Er fasst sich also kurz bei seinem Referat über die Wirbelstrom-Überprüfung der 18-mm-Radstege, die mobile Besandung und die Tücken des Flugschnees. Alles hübsch illustriert mit Powerpoint-Folien, auf die auch Thilo Sarrazin neidisch wäre. Kein einziger Zwischenruf unterbricht seinen Vortrag, und als er nach gerade einer Stunde fertig ist, gibt es lang anhaltenden Applaus. Das ist so selbstverständlich nicht, denn der Mann hat einen undankbaren Job. Peter Buchner ist Geschäftsführer der Berliner S-Bahn, und im Publikum sitzen seine vermeintlich schärfsten Kritiker.
Der Fahrgastverband IGEB hat am Mittwochabend zum „Fahrgastsprechtag S-Bahn“ geladen. Getagt wird in der Kantine der Deutschen Bahn in Mitte, ungefähr dort, wo mal der in den Fünfziger Jahren gesprengte Stettiner Bahnhof stand. Ein mystischer Ort für die Berliner Bahnfans, sie nennen sich in einem Anflug von Selbstironie auch SBT. Stoffbeutelträger. Routiniert klauben sie Thermoskannen und Colaflaschen aus ihren Stoffbeuteln. Kann ein wenig länger dauern heute Abend. Die Kantine ist so gut gefüllt wie morgens ein Ringbahnzug zwischen Ostkreuz und Frankfurter Allee am Montagmorgen. IGEB-Chef Christfried Tschepe begrüßt die lieben Freunde und gibt das Mikrofon weiter an Herrn Buchner von der S-Bahn, „ihn muss ich ja nicht weiter vorstellen“. Zustimmendes Gemurmel. Man kennt sich.
Bildergalerie: S-Bahn entgleist
Die S-Bahn genießt über die Grenzen der Stadt nicht den allerbesten Ruf. Verspätungen, Entgleisungen, Fahrzeugmangel, Kriminalität – wenn der Rest des Landes sich über Berlin lustig macht, dann wählt er zur Illustration gern das einst modernste und schnellste Nahverkehrsmittel der Welt. Peter Buchner sagt, dass mit der Pünktlichkeit sei ein Problem, „da haben wir eine Quote 92 Prozent, total unzufriedenstellend“. Scheinbar beiläufig erzählt er von der Linie zum Flughafen BER, „da warten 13 neue Automaten auf Fahrgäste, die irgendwann mal kommen“. Gelächter im Saal.




































