Verkehrskontrollen in Berlin : Tempelhofer Ufer: 23 Strafzettel in 2 Stunden

In dieser Woche kontrolliert die Polizei in Berlin verstärkt Autofahrer. Viele Handysünder und Gurtmuffel werden zur Kasse gebeten. Die Kontrollen sind Teil einer europaweiten Aktion.

Laura Worsch
"Halt, Polizei!" - Die einwöchige Sonderkontrolle im Straßenverkehr ist vorbei.
"Halt, Polizei!" - Die einwöchige Sonderkontrolle im Straßenverkehr ist vorbei.Foto: dpa

Am Ende stehen 23 Strafzettel – und damit 23 Denkzettel. „Das ist eine gute Bilanz“, sagt Einsatzleiterin Anja Henning.

„Bei einer so stark befahrenen Straße ist das nicht ungewöhnlich.“ Von 11 bis 13 Uhr haben Henning und ihre Kollegen am Tempelhofer Ufer nahe der U-Bahn- Station Hallesches Tor am Dienstag kontrolliert. Sie sind Teil einer europaweiten Aktion, fast 2000 Beamte sind noch die ganze Woche über im Berliner Raum im Einsatz. Ihr Fokus liegt auf Verkehrssündern, die beim Fahren telefoniert haben oder nicht angeschnallt waren.

Nach fünf Minuten wird der erste erwischt

Es dauert keine fünf Minuten, bis die Beamten den ersten Autofahrer an die Seite winken. Der Taxifahrer war nicht angegurtet. „Das ist ein gefährlicher Beruf“, sagt er. „Was soll ich tun, wenn mich ein Fahrgast überfällt und ich nicht reagieren kann?“ Seine Einwände helfen nicht: Die Polizisten nehmen seine Personalien auf. 30 Euro Strafe. Hinter dem Taxi reiht sich schon der Nächste ein, ein Lkw-Fahrer.

Das Team am Tempelhofer Ufer ist zu acht, zwei der Kollegen stehen 200 Meter entfernt. Fällt ihnen ein Fahrer auf, geben sie die Information per Funk durch – und die Kelle wird ausgefahren. „Das geht schon richtig gut los“, sagt Polizeidirektor Andreas Tschisch, der die Aktion beobachtet. Für ihn ist es höchste Zeit, dass die Kontrollen durchgeführt werden. „In den Statistiken sehen wir nicht, ob ein Unfall durch Telefonieren am Steuer passiert ist. Das können wir nicht erheben.“ Aber die Ablenkung durch das Handy sei enorm.

Nur acht der 23 kontrollierten Autofahrer werden in diesen zwei Stunden wegen Handynutzung am Steuer aus dem Verkehr gezogen. Der Rest sind Gurtmuffel. „Unangeschnallte Menschen erkennt man leichter“, sagt Tschisch. Im fließenden Verkehr sei es schwierig zu sehen, ob ein Autofahrer telefoniere.

Überwiegend Gurtmuffel

Der nächste Taxifahrer wird rausgewinkt. Auch er ist ohne Gurt gefahren – und argumentiert damit, einen gefährlichen Beruf zu haben. Doch Tschisch sagt dazu: „Taxifahrer müssen wie alle anderen auch angeschnallt fahren.“ Schon vor eineinhalb Jahren sei die Regelung abgeschafft worden, nach der Taxifahrer sich nicht anschnallen mussten, wenn sie Fahrgäste transportierten. „Das Argument der Raubüberfälle hat sich statistisch einfach nicht erfüllt.“

Den ersten Handysünder kontrollieren die Beamten nach etwa einer halben Stunde. Auch er ist sich keiner Schuld bewusst: „Ich habe nicht telefoniert“, sagt Pawel Brandt. Er sei auf dem Weg zur Arbeit, habe nur kurz nachgesehen, ob sein Handy ausgeschaltet sei. „Zum Telefonieren fahre ich immer auf den Seitenstreifen.“ Der 49-Jährige wirkt mehr belustigt als verärgert über die Kontrolle. „Die können mir ruhig ein Schreiben schicken.“

Beim Autofahren Hände ans Steuer. Das Handy bleibt lieber in die Tasche, sonst drohen 60 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg.
Beim Autofahren Hände ans Steuer. Das Handy bleibt lieber in die Tasche, sonst drohen 60 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg.Foto: dpa

Doch nicht aufs Telefonieren komme es an, heißt es seitens der Polizei. „Benutzen ist das Stichwort“, sagt Tschisch. Sobald man auf das Handydisplay schaue, benutze man es auch. „Egal ob SMS, Anruf oder Internet.“ Der Motor müsse aus sein und das Fahrzeug stehen, erst dann darf der Fahrer das Handy benutzen. Eine Grauzone bilden hier die neuen Start-Stop-Motoren: Diese schalten das Auto an der Ampel automatisch ab. Ein Gericht habe letztens entschieden, dass die Handynutzung dann erlaubt ist.

Strengere Regeln

Autofahrer Brandt kann die Kontrollen nicht nachvollziehen. „Freisprechanlagen sind erlaubt, dabei lenkt das genauso ab.“ Die Konsequenzen aus der Kontrolle für ihn: 60 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg. Bis vor Kurzem wäre Brandt mit 40 Euro davongekommen, aber die Regeln sind strenger geworden.

Wer gegen die Gurtpflicht verstößt, zahlt 30 Euro. „Bei zwei Kontrollen waren die Kinder nicht richtig angeschnallt“, sagt Einsatzleiterin Anja Henning nach Ende der Aktion. Hier zahlt der Fahrer 30 Euro, wenn der Kindersitz fehlt. Ist das Kind gar nicht angeschnallt, bedeutet das wie bei den Handysündern 60 Euro Bußgeld und einen Punkt. Neuerdings ist der Führerschein schon ab acht Punkten weg, davor waren es 18.

Für Andreas Tschisch sind die Kontrollen die einzige Möglichkeit, Autofahrer auf die Gefahren aufmerksam zu machen. „Drastischer geht natürlich immer. Wir könnten den Tätern auch die Handys abnehmen.“

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