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Verkehrslenkung in Berlin : Busse und Bahnen werden ausgebremst

14.05.2013 23:04 Uhrvon
Vorne einsteigen und den Fahrschein vorzeigen - das kostet alles Zeit, die die Busse besser unterwegs wären.Bild vergrößern
Vorne einsteigen und den Fahrschein vorzeigen - das kostet alles Zeit, die die Busse besser unterwegs wären. - Foto: dpa

Busse und Bahnen werden aufgehalten. Autofahrer stehen andauernd im Stau. Das kostet Zeit und Geld. Allein die BVG könnte Millionen sparen – wenn die Senatsplaner mehr Stellen hätten.

Berliner Tempo? Gemach, gemach!

Einst war die Stadt berühmt für ihre Geschwindigkeit auf den Straßen. Das war vor hundert Jahren. Heute wird der Verkehr ausgebremst. Busse verspäten sich, weil ihre Sonderspuren falsch angelegt sind oder weil es keine abgestimmten Vorrangschaltungen an Ampeln gibt, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Dienstag kritisierte. Und Autofahrer müssen vor allem wegen Baustellen, die nicht aufeinander abgestimmt sind, ihre Geschwindigkeit drosseln. 69 Stunden stehen sie jährlich im Stau, hat im vergangenen Jahr der Navigationsgerätehersteller Tomtom ausgerechnet.

Busse und Bahnen fahren zu langsam und stehen zu lange an Ampeln

Das Beschleunigungsprogramm für Bahnen und Busse stockt, wie berichtet, weil es in der Verkehrslenkung Berlin (VLK), die auch Baustellen koordinieren soll, zu wenig Personal gibt.

Von 1400 beantragten Vorrangschaltungen an Ampeln sind nach Angaben der BVG erst 787 umgesetzt worden; 626 für Busse und 161 gemischt für Busse und Straßenbahnen. Sinnvoll seien die Anlagen aber erst, wenn sie eine Kette bildeten, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bei Schaltungen aus einem Guss könnte das Unternehmen Millionenbeträge sparen, da weniger Fahrzeuge und Fahrer eingesetzt werden müssen, wenn Busse und Bahnen schneller ans Ziel kommen.

Allein bei den neun Metrobuslinien, die innerhalb des S-Bahn-Rings unterwegs sind, kommt der BUND auf ein Einsparpotenzial von rund drei Millionen Euro. Berücksichtigt sind hier auch höhere Einnahmen, weil die Zahl der Fahrgäste um bis zu fünf Prozent steige, wenn Busse schneller – und zuverlässiger – sind, wie es in München bereits geklappt habe.

Ausgerechnet die Metrobusse sind besonders langsam

In Berlin sind ausgerechnet die angeblich schnelleren Metrobusse besonders langsam und erreichen nach BUND-Berechnungen nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,6 km/h. Bezieht man alle Linien in die Rechnung ein, werden 19,5 km/h erreicht. Bei der Linie M 48 (Zehlendorf, Busseallee – Alexanderplatz), wo die Busse laut Fahrplan gut eine Stunde unterwegs sind, ließen sich pro Fahrt zehn Minuten sparen, sagte Simon Heller vom BUND.

Dafür müssten Busspuren lückenlos sein, einheitliche und längere Geltungszeiten haben und durch eine bessere Überwachung auch freigehalten werden. London setze dafür Kameras ein, sagte Heller. Hier wird die BVG jetzt selbst aktiv. Sie wird nach Angaben von Sprecherin Reetz die Zahl der Busspurbetreuer, die in Zusammenarbeit mit der Polizei Autos abschleppen lassen können, von 20 auf 30 erhöhen. Die Sonderstreifen sollten auch breit genug sein, um Radfahrer gefahrlos überholen zu können, fordert der BUND. Zudem müsste es mehr Vorrangschaltungen für Busse und Straßenbahnen geben.

Die BVG bremst sich selbst aus, indem sie den Einstieg hinten verbietet

Aufgrund von Personalengpässen könnten neue Beschleunigungsprojekte allerdings „nicht zeitnah“ bearbeitet werden, hatte Staatssekretär Christian Gaebler aus der Senatsverkehrsverwaltung vor kurzem mitgeteilt. Auch „Maßnahmen zur Qualitätssicherung“ könnten derzeit nicht bearbeitet werden.

Der BUND sieht allerdings auch bei der BVG weiteren Handlungsbedarf. Beim Bus ließe sich Tempo machen, wenn der Einstieg wieder an allen Türen gestattet werde. Zudem sollte durch einen erleichterten Fahrscheinvorkauf das Kassieren durch die Fahrer reduziert werden. Darauf will sich die BVG jedoch nicht einlassen und bremst hier selbst.

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