Verleihung des Musical-Theater-Preises : Berlin, das liegt am Broadway

Ganz neu und schon mit Preisgala: Bei der ersten Verleihung des Deutschen Musical-Akademie-Preises wird Theaterlegende Helmut Baumann geehrt.

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Der frühere Intendant des Theaters des Westens, Preisträger Helmut Baumann (li.), und der Intendant der Komischen Oper, Barrie Kosky, vor der Verleihung des ersten Deutschen Musical Theater Preises. Foto: Stephanie Pilick/dpa
Der frühere Intendant des Theaters des Westens, Preisträger Helmut Baumann (li.), und der Intendant der Komischen Oper, Barrie...Foto: Stephanie Pilick/dpa

Die allererste Danksagung bei der Verleihung des neuen Deutschen Musical-Theater-Preises hat schon Standards gesetzt, die schwer zu erreichen sein werden. Der langjährige Intendant vom Theater des Westens, Helmut Baumann, erhielt die Auszeichnung als Ehrenpreisträger. Er beschrieb, wie er jedes Jahr bei seiner Lieblingssendung, der Oscar-Verleihung, vor dem Fernseher kniet, um die gestammelten Danksagungen der Preisträger, die vielen Ausdrucksformen der Überwältigung zu verfolgen. „Und nun stehe ich hier und bin selber überwältigt“, sagte er.

Man glaubte es fast, bis er loslegte, erst bescheiden ankündigte: „Ich habe ein Gedicht mitgebracht“. Und dann „Nehmse ’n Alten“ deklamierte, das Stück, das die Vorzüge eines alten Partners gegen über einem jüngeren preist, aber eben auch die Vorzüge eines älteren Preisträgers gegenüber einem jüngeren meinen könnte. Großer Jubel, anschließend gab es Überraschungsauftritte von den Weggefährtinnen Ruth Brauer-Kvam, Daniela Ziegler und Angelika Milster.

Auch die Laudatio des Intendanten der Komischen Oper, Barrie Kosky, war gekonnt. Er sprach frei und „von Herzen“, wie es Akademie-Gründungsmitglied Thomas Hermanns schon angekündigt hatte. Dabei übte er sich in Variationen zum Thema, was eine Legende ausmacht: neben dem angeborenen Talent auch Intelligenz, Humor, Selbstironie und Knochenarbeit. „Und Chuzpe“, ergänzte der Geehrte aus dem Publikum heraus.

Spielerisch entwickelte Kosky Ideen für die Zukunft, schlug vor, dass man die Preise in Anlehnung an den amerikanischen Tony-Award nach dem ersten Ehrenpreisträger doch „Helmi“ nennen könnte, und schlug wie zufällig einen Titel für eine mögliche Hymne vor: „Helmut of the Future“. Der Theatermensch mit Leib und Seele sei nämlich eine bedrohte Art, die es unbedingt zu schützen gelte, sagte er. Das Theater lebe von diesen Menschen, für Baumann sei die Bühne wie Sauerstoff.

Reden, trinken, Preisverleihung

Es war das erste Mal, dass die Musical-Akademie öffentlich in Erscheinung trat. Der Vorstandsvorsitzende Norbert Hunecke erklärte, dass der am 19. September letzten Jahres gegründete Dachverband für alle Musical-Gewerke den rund 10 000 Kreativen in der Branche zur Vernetzung dienen solle. Es gehe um die Förderung deutschsprachiger Uraufführungen und um deutsche Musical-Produktionen. Künftig solle es auch Workshops von Profis für Profis geben.

Wie so etwas entsteht, beschrieb Thomas Hermanns, der neben Gayle Tufts zu den Gründungsmitgliedern zählt, ganz lebensnah. „Alle sitzen zusammen an einem Tisch von der Neuköllner Oper bis zur Stage, wir reden, wir trinken, haben alle ganz tolle Ideen, und so entsteht eine Preisverleihung.“ Später, wenn es Preise in 15 Kategorien gebe, für die beste Regie, die beste Show, die beste Choreografie zum Beispiel, dann werde man sich erinnern an die Anfangszeiten – und vielleicht selber keine Eintrittskarten mehr bekommen für die Preisgala.

Innovationsschub auf Augenhöhe mit Film und Fernsehen

Der Termin für die Auftaktveranstaltung war sicher nicht ganz zufällig gewählt. Am Freitag verleiht die Deutsche Filmakademie im Tempodrom die diesjährigen Filmpreise. Den Musical-Freunden geht es nun um einen Innovationsschub, der ihr Genre auf Augenhöhe katapultiert mit Oper, Film und Fernsehen. Preise sind ein wichtiges Instrument, um Aufmerksamkeit zu erringen. Zu den erklärten Zielen der Akademie gehört es auch, „mit dem Schubladendenken wie U und E Schluss zu machen“.

Helmut Baumann erinnerte sich an seine Anfänge Ende der fünfziger Jahre, an „Kiss me Kate“ mit zwei Klavieren und einem Haufen toller Schauspieler, an „My fair Lady“, gesungen ohne Mikrofone, an die ersten Choreografien mit Richtmikrofonen, an „West Side Story“ und an „Ball im Savoy“, das er wegen einer wunderbaren Parodie auf Danksagungen jedem empfahl, der von diesem Thema ähnlich fasziniert ist wie er selber.

Am Abend feierte die Akademie den Auftakt bei einer Gala im Quatsch Comedy Club, mit einer Bühnenshow, guten Getränken und daraus sprudelnden neuen Ideen.

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