Berlin : Verneigung vor dem Fahrgast Abgeordnete befürworten bequemen Buseinstieg

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Erleichterung. Die BVG will das Absenken nur bei Bedarf.Foto: promo/BVG/Joite
Erleichterung. Die BVG will das Absenken nur bei Bedarf.Foto: promo/BVG/Joite

Im Streit um die absenkbaren Busse, die beim Halten den Ein- und Ausstieg erleichtern, ist der Senat der Opposition im Abgeordnetenhaus entgegengekommen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen eigentlich darauf verzichten, dass sich die Fahrzeuge beim Halten automatisch neigen. Stattdessen sollen, wie berichtet, Reisende bei Bedarf durch Knopfdruck dem Busfahrer signalisieren, dass sie an der nächsten Station ein Absenken wünschen. Die BVG erklärte, dass die meisten Fahrgäste nicht auf das sogenannte Kneeling angewiesen seien. Außerdem könnten so bis zu zwei Millionen Euro jährlich gespart werden, etwa an Instandhaltungskosten für die Bustechnik. Derzeit läuft eine Testphase, für die 152 der 1324 Busse der BVG für das Absenken nach Anforderung umgerüstet worden sind. Da die Erfahrungen positiv gewesen seien, erklärte die BVG, wolle man neue Busse künftig regulär mit dieser Technik bestellen.

Doch ob es dazu kommen wird, ist ungewiss. Im Gesundheitsausschuss unterstützten alle Fraktionen einen Vorschlag, die Testphase von unabhängigen Experten auswerten zu lassen. Sozialstaatssekretär Michael Büge (CDU) sagte: „Es geht nicht, dass die BVG einfach Fakten schafft.“ Ähnlich äußerten sich Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) und der Vorsitzende des Petitionsausschusses Andreas Kugler (SPD). Grüne und Linke sind ohnehin für das automatische Absenken, es helfe allen Fahrgästen bei einem reibungslosen Ein- und Ausstieg. Sollte das automatische Absenken bei jedem Stopp abgeschafft werden, hätten nicht nur Fahrgäste sondern auch Busfahrer mit den Folgen zu kämpfen.

Zahlreiche Berliner in Rollstühlen und mit Sehbehinderungen saßen am Montag als Besucher in der Ausschusssitzung. Sie hatten Flugblätter dabei: „Die BVG legt den Rückwärtsgang ein.“ Jürgen Schneider, der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, erklärte vor dem Gesundheitsausschuss: Nicht nur behinderte Menschen fühlten sich als Bittsteller, wenn sie das bequemere Einsteigen bei geneigtem Bus nur noch über den Anforderungsknopf durchsetzen könnten. Ein automatisches Verfahren mache schon deshalb Sinn, weil in einigen Jahren jeder zehnte Berliner älter als 75 Jahre sein werde. Schneider erinnerte daran, dass vor 25 Jahren erst Proteste von behinderten und engagierten Berlinern dazu geführt hätten, dass die BVG über weite Strecken barrierefrei benutzbar sei. „Und nun haben wir dieselbe Diskussion wie damals!“ Hannes Heine

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