Versandhandel : Internet-Betrüger zocken fast 40 Berliner Politiker ab

Betrüger haben Mitglieder des Abgeordnetenhauses im großen Stil hintergangen. Sie bestellten auf deren Namen Pakete und ließen sich diese trickreich zustellen.

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Post vom Inkassobüro - obwohl man nichts bestellt hat.
Post vom Inkassobüro - obwohl man nichts bestellt hat.Foto: picture alliance

Jeder kann ganz leicht Opfer von Internet-Betrügern werden – das haben jetzt auch Berliner Parlamentarier zu spüren bekommen. Mindestens 37 Mitglieder des Abgeordnetenhauses wurden in den vergangenen Monaten auf diese Weise geschädigt.

Die Betrüger bestellten Mobiltelefone, Schuhe und andere Dinge im Namen der jeweiligen Politiker und ließen sich diese Waren offenbar trickreich zustellen. Die Betroffenen hatten davon keine Ahnung - bis sie teure Inkasso-Mahnungen erhielten. Warum so viele Politiker zeitgleich betroffen sind und woher die Daten stammen, blieb am Wochenende unklar.

Die grüne Wissenschaftspolitikerin Anja Schillhaneck bestätigte am Samstag einen entsprechenden „B.Z.“-Bericht und erklärt das Vorgehen der Täter so: „Es gibt im Internet viele Portale, bei denen man auf Rechnung bestellen kann. Man braucht nur einen Namen und vielleicht noch das Geburtsdatum - und bei uns Abgeordneten sind diese Daten relativ frei verfügbar", sagt Schillhaneck. So werde Ware bestellt, aber eine andere Adresse als Liefer- und Rechnungsadresse angegeben.

Oft handelt es sich dabei um "blinde", lange Zeit ungenutzte Briefkästen in großen, anonymen Mietshäusern. Diese werden mit dem entsprechenden Empfängernamen versehen. Landet dann eine Lieferbenachrichtigung wegen Abwesenheit im Kasten, klingeln die Täter in der Nachbarschaft und fragen, ob das Paket dort "netterweise" entgegengenommen wurde. Ist dies der Fall, wird ihnen die Sendung vertrauensselig ausgehändigt, so sind sie am Ziel.

Die Rechnungen werden unterdessen nicht bezahlt. Nach der x-ten Mahnung geht die Sache dann an ein Inkasso-Büro. Erst dann bekommen die Betroffenen überhaupt mit, was geschehen ist. Die Rechnung bezahlen musste Anja Schillhaneck aber nicht. Sie erstattete Anzeige wegen Bestell-Betruges.

Wer sich nicht wehrt, riskiert einen Schufa-Eintrag

In der SPD-Fraktion sollen 19 Abgeordnete betroffen sein, bei der CDU 12, bei den Grünen fünf und bei der Linken einer. Auch die CDU-Fraktion bestätigt die Geschichte. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Torsten Schneider, sagte am Samstag: „Mittlerweile sind es bei uns sogar 20 Betroffene.“ Bei fünf oder sechs von ihnen habe es nur einen Fall gegeben, an den anderen seien jeweils gleich mehrere solche Taten begangen worden. „Es sind alles namhafte, seriöse Unternehmen, bei denen bestellt wurde, so dass ich davon ausgehe, dass die eher selbst Opfer sind,“ sagte Schneider.

In den Fällen sei es immer nach derselben Masche abgelaufen: Etwas wird bestellt, aber an eine andere Adresse geliefert, und der Abgeordnete bekommt zum ersten Mal etwas davon mit, wenn sich die Inkasso-Firma meldet, nachdem sie über das Melderegister die richtige Anschrift herausgefunden hat. Ganz wichtig sei, solche Post nicht zu ignorieren, sondern sich zu wehren, sagt Schneider. Das sei zwar lästig, aber notwendig, um eigene Nachteile abzuwenden. Sonst hat man am Ende unschuldig einen Schufa-Eintrag, der sich bei späteren Kreditvergaben negativ auswirken kann.

"Geben Sie Pakete nur an bekannte Personen heraus"

Um den Tätern das Handwerk zu legen, raten Polizei und Verbraucherschützer zu mehr "Aufmerksamkeit und Transparenz" in Mietshäusern. "Nehmen Sie Pakete nur für Personen an, die sie kennen", heißt es in den Leitfäden. Und: "Geben Sie Pakete auch nur an bekannte Personen heraus". Andernfalls sollte man sich bei der Abholung auf jeden Fall den Personalausweis vorlegen lassen. Wichtig sei zudem, auf ungewöhnlich häufig wechselnde Namen an Hausbriefkästen zu achten. Auch dies kann ein Hinweis auf Betrügereien sein.

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