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Versetzung der East Side Gallery : Berlin verschiebt die Geschichte

23.02.2013 22:05 Uhrvon
Schon 2006 wurde ein Teil der als East Side Gallery berühmt gewordenen Mauer herausgetrennt und versetzt.Bild vergrößern
Schon 2006 wurde ein Teil der als East Side Gallery berühmt gewordenen Mauer herausgetrennt und versetzt. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas;

Die East Side Gallery ist weltberühmt, doch sie wird immer löchriger. Nun wollen die Planer erneut einen Teil der Mauer versetzen - angeblich für einen Fluchtweg. Gegner vermuten allerdings einen ganz anderen Grund.

Es ist schon lange nicht mehr vorgekommen, dass Teile der Berliner Mauer per Kran von ihrem jahrzehntelangen Stammplatz weggehoben wurden. Viel ist ja ohnehin nicht mehr übrig, mit dem dies möglich wäre, aber bald ist es offenbar wieder soweit: Wie der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), auf Anfrage mitteilte, soll aus der sogenannten Hinterlandmauer an der Spree, als East Side Gallery weltberühmt, ein Teil herausgetrennt und auf der Spreeseite dieses Mauerrests, parallel zu dem von den DDR-Grenztruppen zugewiesenen Ort, wiederaufgebaut werden.

Damit wolle man einen zweiten, südöstlichen Zugang und Fluchtweg aus dem Parkgelände zwischen Mauer und Spree schaffen, zudem solle die geplante Brommybrücke, der neben der Oberbaumbrücke zweite, nur für Fußgänger und Radfahrer gedachte Übergang zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, an die Mühlenstraße angeschlossen werden. Die Landesdenkmalbehörde hat laut Schulz zugestimmt.

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Das Aktionsbündnis „Mediaspree versenken“ vermutet allerdings einen ganz anderen Grund für die geplante Mauerlücke. Sie sieht das Vorhaben im Zusammenhang mit dem geplanten Bau des umstrittenen Wohnturms „Living Levels“, der wie berichtet 63 Meter hoch auf dem ehemaligen Todesstreifen entstehen soll, ein Projekt, das von einer Mauerlücke zweifelsohne profitiert.

Schulz hatte vergeblich versucht, dem Entwickler des Turms und den Bauherren Ersatzflächen zu vermitteln, versichert aber, dass der Mauerdurchbruch auch ohne das Hausprojekt geplant sei.

Die Brommybrücke, Verlängerung der Kreuzberger Brommystraße über die Spree hinweg, war eine Zeitlang Gegenstand heftigen Streits zwischen Bezirk und Senat. Letzterer wollte sie auch für den Autoverkehr zulassen, gab dann aber doch nach. Von der alten Brommybrücke, die 1945 gesprengt wurde, existiert noch ein Betonpfeiler im Fluss. Laut Schulz soll in diesem Jahr die Vorplanung erfolgen, 2014 die konkrete Planung, im Jahr darauf der Bau der etwa 3,5 Millionen Euro teuren Stegs.

Kritiker einer Bebauung des Spreeufers sehen den geplanten Wohnturm nahe der künftigen Brommybrücke als tatsächlichen Grund für die Lückenpläne an.Bild vergrößern
Kritiker einer Bebauung des Spreeufers sehen den geplanten Wohnturm nahe der künftigen Brommybrücke als tatsächlichen Grund für die Lückenpläne an. - Simulation: Promo

Gegen den Mauerdurchbruch macht jetzt eine ganze Reihe von Initiativen, Institutionen und Unternehmen mobil, die für Dienstag zur Pressekonferenz laden. Motto: „East Side Gallery retten! Keine Luxuswohnbebauung auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Spree!“ Die Liste der Protestler reicht von „Mediaspree versenken!“ über Vergnügungsstätten wie Sage Club, Kater Holzig, Tresor und Lido und die Eisenbahnmarkthalle bis zur Clubcommission. Das Projekt sei ein „skandalöses Vorhaben“, das längste noch existierende Mauerstück am ehemaligen Todesstreifen sowie die freie Uferlinie wären endgültig und unwiderruflich zerstört, meint etwa Clubcommission-Sprecher Lutz Leichsenring.

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