Vor dem Länderspiel : Türkische Fans pilgern nach Potsdam

In Babelsberg bereitet sich die türkische Nationalmannschaft auf das Länderspiel am Freitag vor. Vor dem Stadion drängen sich die Fans. Am Freitag wird in Berlin auf einem Fest in Kreuzberg gefeiert.

Hadija Haruna/Sebastian Stier
Handyknipser. Der türkische Fußballer Nuri Sahin wird von Fans vor dem Hotel am Schwielowsee empfangen. Foto: Klaer
Handyknipser. Der türkische Fußballer Nuri Sahin wird von Fans vor dem Hotel am Schwielowsee empfangen. Foto: Klaer

Länderspiel,TürkeiPotsdam/Berlin - „Türkiye, Türkiye!“ Vor dem Fußballstadion in Babelsberg drängen sich in diesen Tagen die Fans mit den roten Fahnen, dort trainiert die türkische Nationalmannschaft. Die Begeisterung ist groß vor dem Länderspiel am Freitag in Berlin. Einquartiert haben sich die türkischen Fußballer am Schwielowsee nahe Potsdams. So viele Fans wie am Trainingsplatz in Babelsberg sind dort aber nicht. „Wir haben das Hotel bewusst etwas abgelegener gewählt“, erzählt der türkische Nationalspieler Ömer Erdogan. „In Berlin hätten wir ja keine Ruhe. Da wäre jetzt die Hölle los.“

Die wird auch so bald los sein, spätestens am Freitagabend, um 20.45 Uhr. Dann ist Anpfiff im Olympiastadion zwischen Deutschland und der Türkei, es wird ein doppeltes Heimspiel in Berlin, für beide Mannschaften. 18-mal hat Deutschland bisher gegen die Türkei gespielt. Das erste Mal 1951 vor 100 000 Zuschauern – ebenfalls im Berliner Olympiastadion. Insgesamt zwölf Mal gewannen die Deutschen gegen die Türkei, zuletzt vor gut zwei Jahren im EM-Halbfinale. Das Olympiastadion ist längst ausverkauft, mehr als 20 Millionen Fans werden vor den Fernsehern erwartet.

Wer kein Ticket fürs Stadion ergattert hat, kann das Spiel trotzdem in Stadion-Atmosphäre erleben. Zum Beispiel auf dem „Deutsch-Türkischen Sportfest“ am abgesperrten Oranienplatz in Kreuzberg. Ab 17 Uhr geht es los mit einer Gesprächsrunde türkischstämmiger Abgeordneter, darunter Cem Özdemir (Grüne), und Musik von Popsänger Muhabbet und Rapper Alpa Gun. Das Spiel wird im Anschluss auf einer 25 Quadratmeter großen Leinwand übertragen. „Die Zuschauer werden durch doppelte Sicherheitskontrollen am Eingang geschleust“, sagt Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Außerdem seien 130 Sicherheitsleute im Einsatz.

Überall in der Stadt werden Leinwände in Kneipen aufgestellt, deutsche und türkische Fahnen aufgehängt. So mancher Wirt bietet Frei-Schnaps an für ein deutsches Tor – und Gratis-Tee bei einem türkischen Treffer. Gefeiert wird ja sowieso und ziemlich wahrscheinlich auch auf dem Kurfürstendamm: Der Boulevard werde im Laufe des Abends wahrscheinlich wegen feiernder Menschen gesperrt werden müssen, hieß es aus der Verkehrsmanagementzentrale. Ein Großeinsatz ist das Länderspiel auch für die Polizei, nicht nur am Stadion, sondern auch an traditionellen Fantreffpunkten wie dem Breitscheidplatz. „Wir müssen mit stark emotionalisiertem Fanverhalten rechnen“, sagte ein Polizeisprecher. Auf einen Autokorso oder Spontanpartys sei man vorbereitet.

„Es geht um mehr als nur um ein Fußballspiel“, sagt Kolat von der Türkischen Gemeinde. Das Spiel setze auch ein politisches Signal, dass das gemeinsame Zusammenleben funktioniere. Ziel sei daher ein friedlicher Ablauf nach dem Spiel – „bei dem es am Ende keinen Verlierer gibt“. Die Feier im Anschluss an das Spiel könnte die derzeitige Debatte um Sarrazins Äußerungen in den Schatten stellen, sagt Mehmet Matur, Integrationsbeauftragter des Berliner Fußballverbandes. Celal Bingöl, Ehrenpräsident des Fußballvereins Türkiyemspor sagt, dass der beste Beweis für ein multikulturelles Deutschland der Kader der Nationalmannschaft sei. „Mit Spielern wie Özil, Cacau und Klose im Team wurden viele Migrantenherzen gewonnen.“

Die deutsche Mannschaft wohnt seit Montag für eine Woche am Potsdamer Platz im Hyatt-Hotel; ab morgen sind die türkischen Fußballer dann fast ihre Nachbarn. Der türkische Tross zieht am Donnerstag ins Regent-Hotel am Gendarmenmarkt. Ein öffentliches Training absolvieren beide Teams nicht mehr in Berlin. Hadija Haruna/Sebastian Stier

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