Vor der Berlin-Wahl : CDU-Stratege Radunski rät zu Koalitionen mit der AfD

Der frühere CDU-Wahlkampfmanager und Berliner Ex-Senator Radunski will die Rechtspopulisten entzaubern. Henkel und Müller schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD in Berlin auf allen Ebenen aus.

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Bald Seit' an Seit'? CDU-Stratege Radunski empfiehlt seiner Partei Koalitionen mit der AfD. Foto: Wolfgang Kumm/dpa; Montage: Tsp
Bald Seit' an Seit'? CDU-Stratege Radunski empfiehlt seiner Partei Koalitionen mit der AfD.Foto: Wolfgang Kumm/dpa; Montage: Tsp

Der frühere CDU-Wahlkampfmanager und Berliner Ex-Senator Peter Radunski (CDU) rät, zukünftig die AfD in Regierungsverantwortung zu nehmen. „Die AfD nur als Extremisten zu beschimpfen, ist falsch. Am besten wäre es, sie in die Regierung zu nehmen. Das scheut die Partei wie der Teufel das Weihwasser“, sagte der heutige Politikberater dem Tagesspiegel. Er sei dagegen, wenn die AfD eine eigene politische Flanke bilde. „Die alte Hoffnung trügt, dass die AfD wieder von allein verschwindet“, sagte Radunski. Obwohl etablierte Parteien eine Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland ablehnen, sollten sich nach der Bundestagswahl 2017 Parteien auf Landesebene ernsthaft über eine Koalition mit der AfD auseinandersetzen.

Radunski will seine „Gedanken an die Zukunft“ nicht konkret als Empfehlungen für die Wahlen am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und am 18. September in Berlin verstanden wissen. Laut aktueller Umfrage des Instituts Insa im Auftrag der Zeitschrift „Cicero“ liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit 23 Prozent hinter der SPD (28 Prozent) und vor der CDU mit 20 Prozent, womit auch Rot-Schwarz gefährdet wäre.

Die CDU-Landeschefs in Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, und Berlin, Frank Henkel, haben eine Koalition mit der AfD kategorisch ausgeschlossen. „Man kann es nicht klarer formulieren, als ich es gesagt habe: Eine Partei, die Rassisten an der Spitze duldet, die auf Kinder an der Grenze schießen lassen möchte, kann für mich kein Partner sein. Weder auf Landes- noch auf Bezirksebene“, sagte Henkel dem Tagesspiegel. „Niemand, wirklich niemand kann in Berlin eine starke AfD wollen. Diese Partei verrät alles, wofür Deutschland steht und was unser Land stark gemacht hat.“

Der heutige Politikberater Peter Radunski fordert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der AfD. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Der heutige Politikberater Peter Radunski fordert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der AfD.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Auch Protestwähler könnten eine starke AfD nicht wollen, „weil sie am Ende etwas ganz anderes bekommen, nämlich Rot-Rot-Grün“, sagte Henkel. Allein unter Rot-Rot habe es „Rekordschulden, Bildungsexperimente und Kahlschlag im öffentlichen Dienst gegeben. Das verkraftet Berlin kein zweites Mal“.

Müller: Henkel rückt "von Tag zu Tag nach rechts"

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) forderte eine „klare Positionierung der CDU dazu, dass es diese Koalition mit der AfD nicht geben wird“. Es kämen „ ja immer merkwürdigere Zwischentöne“, Henkel rücke „von Tag zu Tag nach rechts“. Die SPD habe gehört, dass es Gesprächsangebote der AfD an die CDU Steglitz-Zehlendorf gegeben habe. Er müsse eine „klare Abgrenzung“ formulieren, zum Beispiel einen Unvereinbarkeitsbeschluss seiner Partei.

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AfD sitzt Parteien in Mecklenburg-Vorpommern im Nacken
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Berlin als „Stadt der Freiheit“ werde von den Rechtspopulisten bedroht. Man dürfe nicht mit der dritten Stimme am 18. September spielen. Wer verhindern wolle, dass die AfD Verantwortung in den Bezirksämtern bekomme, müsse die demokratischen Parteien stark machen. „Keine Stadträte, kein Personal und kein Budget für Parteien, die die Stadt spalten wollen“, forderte Müller. Mit „Feinden der Demokratie“ gebe es keine Zusammenarbeit. „Eine politische Zusammenarbeit von SPD-Stadträten und -Bürgermeistern mit der AfD wird es nicht geben.“

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