Wahlkampf in Brandenburg : Potsdams Linke-Chef zeigt Reporter den Stinkefinger

Finanzminister Christian Görke steht wegen seiner Sommertour in der Kritik. Nun bereitet der ausgestreckte Mittelfinger eines Parteikollegen neuen Ärger.

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Zu emotional: Linken-Kandidat Sascha Krämer.
Zu emotional: Linken-Kandidat Sascha Krämer.Foto: Michael Sauerbier/BILD

Eigentlich wollte Christian Görke, Brandenburgs Finanzminister, Linke-Parteichef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, die Schlagzeilen um seine umstrittene Sommertour hinter sich lassen. Der Honorar-Vertrag des Finanzministeriums mit dem Potsdamer Linke-Parteichef Sascha Krämer, der die Reise des Ministers werbewirksam für die Homepage fotografieren sollte, wurde kurzfristig beendet. Görke will das bisherig fällig gewordene Honorar jetzt aus eigener Tasche begleichen.

Doch nun sorgt der 37-jährige Krämer mit einer Entgleisung für eine Fortsetzung – und neuen Ärger mitten im Landtagswahlkampf. Krämer zeigte den Stinkefinger – und zwar einem Reporter der Boulevardzeitungen „Bild“ und „BZ“, der am Wochenende auf einer Kundgebung der Linken zu den Vorwürfen gegen Görke recherchierte, Wahlkampf mit Steuergeldern zu betreiben. Das am Montag veröffentlichte Foto sorgt für Wirbel. Linke-Politiker und die Parteizentrale sahen sich genötigt, auf Distanz zu Krämer zu gehen, der in Potsdam als Direktkandidat zur Wahl antritt.

Bei führenden brandenburgischen Linken ist man fassungslos über Krämers Unprofessionalität. So kritisierten die anderen beiden Direktkandidaten der Linken in Potsdam, die langjährigen Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Scharfenberg und die Ministerin Anita Tack, die Entgleisung. Scharfenberg nannte es „ärgerlich“, dass sich Krämer „zu dieser Unbeherrschtheit hat hinreißen lassen“. Umweltministerin Tack sagte: „Der Finger sollte immer unten bleiben, mein Stil ist das nicht.“ Von einer „unglücklichen Aktion“ sprach Parteisprecher Matthias Osterburg. Auch von der Konkurrenz im Potsdamer Wahlkreis kam Kritik. SPD-Landtagskandidat Mike Schubert sprach von einem „bedauerlichen Aussetzer“. Für den Rest des Wahlkampfs hoffe er, dass sich Krämer an die Gebote der Fairness halte, sagte der Potsdamer SPD-Chef.

Krämer selbst zeigte sich zerknirscht und gab zu, einen Fehler gemacht zu haben. „Der Stinkefinger war unüberlegt. Das bedaure ich. Natürlich war es ein Fehler, sich derart provozieren zu lassen. Keiner wünscht sich ein solches Foto in der ,Bild'“, sagte Krämer. Er agiere manchmal zu emotional, daran arbeite er.

Es ist nicht die erste Entgleisung Krämers, der seinen Wahlkampf – auf den Plakaten – unter dem Motto „Pragmatisch. Frech. Sozial“ führt. Im April hatte er Katherina Reiche, Parlamentarische Staatssekretärin in der Bundesregierung und Potsdams CDU-Chefin, auf Facebook beleidigt: „Die Frau ist geboren, um grenzdebil zu lächeln.“ Auch Ausfälle anderer Nachwuchspolitiker bereiten Brandenburgs Linke Probleme. Erst im Juni hatte der Potsdamer Landtagsabgeordnete Norbert Müller, auch Vize-Landesparteichef, für Empörung gesorgt, als Bundespräsident Joachim Gauck einen „widerlichen Kriegshetzer“ nannte. (mit thm)

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