Wahlkampf : Stadtkewitzigkeit kennt keine Grenzen

08.09.2011 10:45 UhrVon Lucas Vogelsang
  • René Stadtkewitz, selbsternannter Kämpfer für "Die Freiheit": Er will zeigen, warum es ein Fehler der Berliner CDU war, ihn aus der Partei auszuschließen. Das gelingt ihm aber... - Screenshot: Kai-Uwe Heinrich
  • Andreas Baum will die Piraten ins Abgeordnetenhaus führen. Wie viele Schulden Berlin hat, weiß er zwar nicht. Aber dafür hat er Ideen, wofür er Geld ausgeben will. - Screenshot: Kai-Uwe Heinrich
  • Andreas Corinth: Hat er seinen Anzug backstage von Sonneborns Partei geliehen? Klar wird: Er will "keine Laufzeit-Verlängerung für Klaus Wowereit." - Screenshot: Kai-Uwe Heinrich

Update Im RBB stellten sich die Spitzenkandidaten der kleinen Parteien vor. Die Freien Wähler waren nicht dabei. Dafür aber Udo Voigt und der Ticker, mit dem Nazometer im Anschlag - jetzt zum Nachlesen.

21:45 Uhr

Das war's. 90 Minuten Zwergelefantenstreichelzoo mit Rechtsextremen, die eigentlich gar keine sind, mit Freiheitsfanatikern, denen die Freiheit ein Graus ist. Und Martin Sonneborn, der mit als einziger die Fackel der politischen Wahrhaftigkeit in den Babelsberger Nachthimmel gehalten hat. Es waren entsetzlich zähe 90 Minuten, zähere eineinhalb Stunden gibt es hier sonst nur beim "Tatort". Und bevor jetzt noch Dominik Raacke versucht, das Rätsel der christdemokratischen Briefbombe zu lösen, geben wir ab an Ulli Zelle.

21:35 Uhr

Einer kommt noch, droht Hingst nun. Und tatsächlich: Einer kommt noch.

Der Mann auf dem Motorrad, der im Wahlkampf, für Berlin, allen Ernstes „Gas geben“ will und sich dabei nicht mal nichts denkt, sondern gleich alles. Udo Voigt kommt noch, und dann ist er da. Steht einfach vor Hingst, versteckt sich hinter der Fassade des gemütlichen Schützenkönigs, der am Wochenende beim Hopfenfest kleine Teddybären an blonde Mädel verteilt. Doch man spürt: Der nette Onkel Voigt hört Marschmusik im Keller, der nette Onkel Voigt schaut zum Einschlafen Riefenstahlfilme. In seinem Blick liegt etwas berechnend Diabolisches. Und es ist Sascha Hingst deshalb hoch anzurechnen, dass er nicht zurückschreckt, sondern, so würde es Udo Voigt sagen, gleich mal in der ersten Frage, richtig Gas gibt: "Herr Voigt, wieso haben Sie eigentlich nicht den Mut zu sagen, dass Sie Adolf Hitler toll finden.“  Udo Voigt braucht keine Sekunde für seine Antwort: "Wir führen hier keinen Wahlkampf mit Adolf Hitler." Genau, und niemand hatte die Absicht, eine Mauer zu errichten. Deshalb an dieser Stelle noch ein Zitat Udo Voigts aus dem Jahr 2004: "Zweifellos handelt es sich bei Hitler um einen großen deutschen Staatsmann."

Nein, wir führen hier tatsächlich keinen Wahlkampf mit Adolf Hitler, dafür aber einen mit Udo Voigt und einer Partei, die Kreuzworträtsel herausgibt, deren Lösungswort "Adolf" ist, die sich mit den Insignien des Faschismus schmückt und Holocaust in An- und Abführungszeichen schreibt. Deshalb überspringt der Tagesspiegel-Ticker an dieser Stelle ganz einfach den Rest des Interviews mit Udo Voigt.

21:25 Uhr

BÜSO, das hört sich eigentlich ganz nett an. und auch der Kandidat macht einen ganz adretten Eindruck. Der Scheitel wie mit dem Edding gezogen. Typ BWLer mit eigenem Jagdschloss. Allerdings trägt er ein wallendes Rückwärtsgewand, das Programm eine Mischung aus Anachronismus und Nostalgie. Atommeiler bauen, die D-Mark wieder einführen. Darauf wäre jetzt nicht mal Martin Sonneborn gekommen.

21:20 Uhr

Bisher geht das hier alles zu schnell, da fließen die Kandidaten ineinander. Plötzlich steht Tine Wittler da, will eine zinslose Wirtschaft für Berlin, der Kandidat der BÜSO wirkt seinerseits wie eines der lampenfiebrig aufgeregten Dingsda-Kinder, vergisst mittendrin das eigene Partei-Programm, fängt zu schwitzen an, verliert dann völlig den Faden. Wäre Hingst jetzt Fritz Egner, er könnte wenigstens in die Werbung abgehen. Doch stattdessen nur: BÜSO.

Lesen Sie auf Seite 2, wen Martin Sonneborn verschleiern möchte - und wessen Anzug René Stadtkewitz trägt.

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