• Warnstreik statt Unterhaltung: Tänzer des Staatsballetts lassen Vorstellung ausfallen

Warnstreik statt Unterhaltung : Tänzer des Staatsballetts lassen Vorstellung ausfallen

Die Tänzer des Staatsballetts haben erneut ihre Vorführung am Sonntagabend kurzfristig abgesagt - zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Ein Novum in der deutschen Tanzszene.

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Szene aus "And the sky on that cloudy old day" von Marco Goecke. Unter anderem die Vorführung dieses Stücks am Sonntagabend fiel dem Streik zum Opfer.
Szene aus "And the sky on that cloudy old day" von Marco Goecke. Unter anderem die Vorführung dieses Stücks am Sonntagabend fiel...Foto: Staatsballett/ Bettina Stoess

Es wäre ein schöner sonntäglicher Ballettabend geworden. Choreographien von Nacho Duato, William Forsythe und Marco Goecke sollten am Sonntag um 18 Uhr gezeigt werden. Stattdessen stehen die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts nun vor dem Schiller Theater und streiken. "So etwas gab es noch nie", sagt Sabine Schöneburg, zuständige Gewerkschaftssekretärin im Verdi-Fachbereich Medien, Kunst und Industrie. Noch nie zuvor habe sich eine ganze Tanz-Kompanie in Deutschland ihrem Publikum verweigert. Nun tun sie es schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen.

Seit Oktober drängen die Tänzer auf eine Verhandlung mit der Leitung des Deutschen Bühnenvereins und dem Generaldirektor der Stiftung Oper in Berlin, Georg Vierthaler, sagt Schöneburg. Doch bislang vergebens. Vierthaler weigere sich, Gespräche mit der Gewerkschaft aufzunehmen. Wie berichtet, wirft er Verdi vor, die kleineren Künstlergewerkschaften Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) und Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) verdrängen zu wollen.

Die Tänzer fordern einen Hausvertrag. Sie wollen unter anderem bessere Regelungen zu freien Tagen, Gesundheitsschutz und Gastspielen. Da viele Tänzer schon in recht jungem Alter aufgrund von Verletzungen ihre Karriere beenden müssen, sind solche Regelungen für sie eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens. Vor allem fordern sie eine nachvollziehbarere Gagenstaffelung, da aus früheren Zeiten noch ein enormes Gefälle bei der Bezahlung besteht. Im momentan noch gültigen Vertrag hat der Arbeitgeber weitgehend freie Hand, etwa beim Aushandeln der Gagen von Solisten.

Ob und wann es weitere Streiks geben wird, ließ die Gewerkschaftssprecherin noch offen. Die Vorstellungen am Montag sollen jedoch alle stattfinden.

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