Warum musste Joachim E. Thomas gehen? : Rätselraten nach Rauswurf des Stadionchefs

Der Geschäftsführer der Berliner Olympiastadion GmbH wurde abberufen. Nun fragen sich viele: Was steckt wirklich hinter dieser Entscheidung?

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Joachim E. Thomas ist glühender Verfechter der Berliner Olympiabewerbung - aber nicht mehr Chef des Olympiastadions.
Joachim E. Thomas ist glühender Verfechter der Berliner Olympiabewerbung - aber nicht mehr Chef des Olympiastadions.Foto: Thilo Rückeis

Tim-Christopher Zeelen ist im Moment in Indien, von der Abberufung Joachim E. Thomas’ als Geschäftsführer der Olympiastadion GmbH hat der CDU-Abgeordnete aber trotzdem zeitnah erfahren. Thomas werden unter anderem unkorrekte Abrechnungen vorgeworfen.

Verlieren wird die GmbH jedenfalls einen Fachmann, den Tim-Christoph Zeelen sehr schätzt. „Er hat einen guten Job gemacht“, sagt der CDU-Politiker. „Unter ihm hat sich die Marke Olympiastadion in den vergangenen Jahren national und international positiv entwickelt.“ Berlin darf 2015 das Champions-League-Finale des Europäischen Fußballverbands (Uefa) austragen, und daran, sagt Zeelen, „hat Herr Thomas durch seine Kontakte zur Uefa einen großen Anteil“. Zudem wird das DFB-Pokalfinale auch in den nächsten Jahren in Berlin stattfinden. „Bei dieser Vertragsverlängerung“, sagt Zeelen, „hat er eine hervorragende Figur gemacht.“

"Glühender Verfechter der Olympiabewerbung"

Zeelen ist in der CDU-Fraktion auch Sprecher für das Thema Olympiabewerbung. Und in dieser Eigenschaft hat er den jetzt abberufenen Geschäftsführer „als glühenden Verfechter einer solchen Bewerbung wahrgenommen. Das Olympiastadion ist ja Kern der Bewerbung.“

Der Jurist Thomas wurde 2010 mit dem ausdrücklichen Auftrag berufen, das Olympiastadion aus den roten Zahlen zu führen. Das ist ihm gelungen, die Zahl der Veranstaltungen ist gestiegen. So gab es zum Beispiel Konzerte von Depeche Mode, Bruce Springsteen und Herbert Grönemeyer, zudem hatte Papst Benedikt XVI. einen weltweit beachteten Auftritt. Außerdem fand das World Culture Festival in der historischen Betonschüssel statt. Dabei gilt es als Herausforderung, Konzerte und andere Großveranstaltungen ins Stadion zu holen, weil es durch seine schiere Größe viele Veranstalter abschreckt. „Wir hatten doch immer Angst, dass Künstler auf die Waldbühne ausweichen, weil es so schwierig ist, das Olympiastadion zu füllen“, sagt eine erfahrene Sportpolitikerin.

Auch weil Joachim E. Thomas fachlich hoch angesehen ist, gibt es Diskussionen und offene Fragen um seine Abberufung. Ein paar der Vorwürfe, zumindest soweit sie bekannt sind, bewegen sich eher im schwammigen Bereich. Er soll zum Beispiel den Höchstsatz bei Übernachtungen überschritten haben. Allerdings gibt es hier generell einen Ermessensspielraum. Es ergibt wenig Sinn, ein billiges Hotelzimmer zu nehmen, wenn es soweit vom Ort des Termins entfernt ist, dass die Taxirechnung höher ist als die eingesparte Summe bei der Unterkunft. Andererseits sind die Vorwürfe Teil eines Gutachtens seriöser Wirtschaftsprüfer.

"Vorwürfe reichen nicht für eine Abberufung"

Die Oppositionspolitiker Jochen Esser (Grüne) und Steffen Zillich (Linke), die im Beteiligungsausschuss des Abgeordnetenhauses sitzen, zumindest haben keine Erklärung für die schnelle Abberufung. „Die öffentlich genannten Vorwürfe reichen dafür eigentlich nicht aus“, sagte Zillich. Sein Kollege Esser sieht das ähnlich. Offene Konflikte mit dem Senat seien auch nicht bekannt, die den Geschäftsführer zur „persona non grata“ hätten machen können. Alles weitere sei Spekulation. Konkrete Konflikte mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), der sich gern mit Managern öffentlicher Betriebe anlegte, sind nicht bekannt. Zudem verlässt der Senator im Dezember den Berliner Senat.

Mit der Sportverwaltung des Senats gab es Reibereien um die Frage, ob die Stadiongesellschaft auch die Betreuung und Entwicklung des gesamten Olympiaparks übernehmen könnte. Thomas warb intern dafür, obwohl die Verwaltung des Innen- und Sportsenators Frank Henkel das anders sieht. Darüber hinaus gab es einen Konflikt um die Catering-Rechte im Stadion, die Hertha BSC von 2014 bis 2017 verkauft hat – gegen den Widerstand der Olympiastadion GmbH. Aber haben die Verantwortlichen von Hertha genug Macht, um den Stadionchef abzuberufen. Und wäre das wirklich ein ernsthafter Grund?

Darüber hinaus gibt es im politischen Raum die Vermutung, dass „im zwischenmenschlichen Bereich“ zwischen Thomas und ihn kontrollierenden Politiker etwas nicht stimmen könnte. Immerhin sei der Mann durchaus macht- und selbstbewusst. Vielleicht sei er dem einen oder anderen im Senat zu eigenmächtig geworden. Thomas selbst schweigt weiterhin.

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