Was Olympia Berlin kosten würde : Pi mal Daumen: ein paar Milliarden

Berlin wird bis 31. August den Fragenkatalog des Deutschen Olympischen Sportbundes beantworten. Im Dezember fällt die Entscheidung, ob und mit welcher Stadt - Hamburg oder Berlin - Deutschland ins Rennen um die Sommerspiele 2024 geht. Ein billiges Vergnügen wäre Olympia für Berlin nicht. Die Rechnung wird gerade aufgestellt.

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Olympische Sommerspiele 2024 in Berlin? Eine umstrittene Frage.
Olympische Sommerspiele 2024 in Berlin? Eine umstrittene Frage.Foto: dpa

Was kosten Olympische Spiele? Das fragen sich auch die Berliner, deren Senat sich für 2024 oder 2028 bewerben will. Im Sportausschuss hat Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) nun Zahlen vorgelegt: Das Interessenbekundungsverfahren kostet rund 100 000 Euro, eine über zwei Jahre laufende Bewerbung für die Spiele 2024 etwa 50 bis 60 Millionen Euro. Und die finanziellen Belastungen für die Austragung der Olympischen Spiele gab der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Parlament mit einer ungewissen „Milliardenhöhe“ an.

Neben dem finanziellen Aufwand müssen folgende Anforderungen für eine Bewerbung in einem Konzept berücksichtigt werden: An 17 Wettkampftagen werden 10 500 Sportler und 25 000 Medienvertreter in Berlin erwartet. Ein Viertel der etwa 160 000 Hotelbetten in Berlin wird laut Statzkowski durch die „olympische Familie“ belegt, im olympischen Dorf sollen noch einmal 17 000 Betten zur Verfügung stehen. 28 Sportarten werden in 35 Wettkampfstätten ausgetragen. Dazu kommen noch 30 Trainingsstätten. Gemeinsam mit den Paralympischen Spielen werden 41 Wettkampfstätten im Konzept geplant.

Der Senat rechnet mit 30 wettkampftauglichen Sportanlagen in Berlin. Potenzielle Standorte wie das Flughafengelände Tegel (für ein olympisches Dorf), der Olympiapark/Messegelände und das Sportforum in Hohenschönhausen – laut Statzkowski „ein Juwel als Zentrum des Spitzen- und Breitensports“ – werden geprüft.

Olympia 2004 in Athen war eine finanzielle Katastrophe

Die notwendigen Zuschauerkapazitäten haben das Olympiastadion, die O2-Arena, die Max-Schmeling-Halle oder das Velodrom. Weitere Standorte wie das Fußballstadion an der Alten Försterei, die Trabrennbahn Karlshorst und das Jahn-Stadion werden ebenfalls einbezogen. Statzkowski warb für die Spiele auch wegen der positiven Auswirkungen auf den Breitensport, den Tourismus und der Wirtschaftskraft in Berlin.

Die Sommerspiele 2012 brachten in London eine Hotelausbuchung von 84 Prozent, eine Umsatzsteigerung von 20 Prozent in den Restaurants und allein 5000 temporäre Arbeitsplätze durch Olympiabauten.

Die Spiele in Großbritannien schlugen mit 11,5 Milliarden Euro zu Buche. Die Bewerbung war mit 30 Millionen Euro vergleichsweise günstig. 2,4 Milliarden Euro kosteten die Organisation und Durchführung der Spiele, denen Einnahmen in gleicher Höhe entgegenstanden. Außerdem wurden 9,1 Milliarden Euro für Investitionen in die städtische Infrastruktur ausgegeben. Davon 1,5 Milliarden Euro für neue oder sanierte Sportstätten, 1,1 Milliarden Euro für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und weitere 1,5 Milliarden Euro für das Medienzentrum und olympische Dorf.

Statzkowski erläuterte, dass in Großbritannien anlässlich der Sommerspiele eine Agentur für die Organisation des Spitzensports, „UK Sport“, mit einem Budget von rund 144 Millionen Euro pro Jahr zur Eliteförderung in den aussichtsreichsten Disziplinen errichtet wurde. Und im Vergleich zu 2005 hätten 2012 zusätzlich 1,4 Millionen Briten mehr regelmäßig Sport getrieben.

Ein anderes Beispiel: Das offizielle Budget für die Sommerspiele 2008 in Peking wird mit 14,3 Milliarden Euro beziffert. Andere Quellen nennen 50 Milliarden Euro reale Ausgaben. Eine finanzielle Katastrophe war Olympia 2004 in Athen, die Spiele rissen ein großes Loch (je nach Quelle vier bis zwölf Milliarden Euro) in den Staatshaushalt und in die Kasse der griechischen Hauptstadt. Die Sommerspiele 2000 in Sydney kamen dagegen mit einem relativ bescheidenen Budget von 4,1 Milliarden Euro aus.

Velodrom und Max-Schmeling-Halle für erfolglose Bewerbung 2000 gebaut

Der Sportökonom Holger Preuß von der Universität Mainz warnt vor falschen Vergleichen. „Die Kosten für Olympische Spiele lassen sich nicht allgemein beziffern, es kommt auf den Einzelfall an“, sagte er dem Tagesspiegel. Generell könne nur gesagt werden, dass „die Nutzung einer gut entwickelten städtischen und sportbezogenen Infrastruktur in der Bewerberstadt das Gesamtbudget enorm verringern kann“. Seit Atlanta 1996 habe sich an den Anforderungen nichts Wesentliches geändert. Man benötige „je nach Konzept 25 Wettkampfstätten für die 26 Sportverbände mit zurzeit 43 Sportarten und muss 10 500 Athleten unterbringen“. Hinzu kämen Trainingsstätten, nicht zu vergessen das Mediendorf, ausreichend Hotelkapazität, öffentliche Verkehrsmittel und ein Flughafen.

Die Berechnung der Kosten folgt einem festen Muster: Bewerbung, Budget des Organisationskomitees für die Organisation und Durchführung der Spiele und das Budget für die Infrastruktur. Dabei ist es egal, ob die Bauinvestitionen auch ohne Bewerbung bzw. Ausrichtung der Spiele realisiert würden. Erfahrungsgemäß ist es so, sagt Preuß, dass Olympische Spiele „von verantwortlichen Lokalpolitikern gern als Entwicklungsbeschleuniger genutzt werden“. In Berlin wurden beispielsweise in den neunziger Jahren das Velodrom und die Max-Schmeling-Halle für die erfolglose Bewerbung 2000 gebaut. Damals ein Aufreger, aber aus heutiger Sicht waren das keine verlorenen Investitionen. Den Kosten stehen Einnahmen in Milliardenhöhe aus Tickets, Lizenzen, Provisionen, Mieten, Sponsorengeldern und TV-Vermarktung gegenüber.

IOC vergibt im Herbst 2017 die Sommerspiele 2024

In Hamburg, dem Olympia-Konkurrenten von Berlin für Olympia warnen die Linken davor, dass die Kosten die Hansestadt „möglicherweise in die Insolvenz treiben“ könnten. SPD, CDU, Grüne und FDP in der Bürgerschaft reagierten gelassener. Sie forderten den Hamburger Senat auf, ein Gutachten zu den „Chancen und Risiken“ einer Bewerbung in Auftrag zu geben. In Berlin sind Senat und Abgeordnetenhaus noch nicht so weit.

Bis zum 31. August muss der Senat einen Katalog mit 13 Fragen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beantworten. Am 6. Dezember wird die DOSB-Mitgliederversammlung entscheiden, ob und mit wem – Berlin oder Hamburg – sich der DOSB um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 bewerben wird. Bis Herbst 2015 müssen die Bewerbungsunterlagen vorliegen. Damit will sich der DOSB beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anmelden. Im Herbst 2017 vergibt das IOC die Sommerspiele 2024.

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