Weihnachtskarten : Humorvolle Eigenwerbung zum Fest

Bücher werden durch E-Books ersetzt, Briefe durch E-Mails vertrieben. Doch die klassische Weihnachtskarte liegt noch immer voll im Trend, gerade unter Geschäftspartnern. Teilweise sind die Aufmerksamkeiten zum Fest aber etwas gewöhnungsbedürftig.

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Manchmal spaßig, häufig voller Selbstironie: Weihnachtskarten liegen bei den Unternehmen noch immer im Trend.
Manchmal spaßig, häufig voller Selbstironie: Weihnachtskarten liegen bei den Unternehmen noch immer im Trend.Foto: Mike Wolff

Die Wunder der Technik sind auch am Weihnachtsmann nicht spurlos vorbeigegangen. Immer nur im Rentierschlitten herumsausen, vorneweg Rudolph mit roter Nase? Wie uncool. Will der Weihnachtsmann im Trend liegen, müsste es schon ein Elektromotorschlitten sein, aber ein Segway tut es zur Not auch.

Besonders wenn der Rotkittel für ein Unternehmen wie die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie unterwegs ist – vorbei an Funk- und Fernsehturm, Siegessäule, Brandenburger Tor und anderen Bauwerken der Stadt. Natürlich nicht in natura, sondern eher virtuell auf einer rechtzeitig zum Weihnachtsfest an die Geschäftsfreunde und die Ansprechpartner in den Medien versandten Infomail. Darunter wünscht man ganz klassisch „erholsame und besinnliche Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr“, wie das auf unzähligen gedruckten Karten gehandhabt wird.

Den Brauch der Weihnachtskarte gibt es erst seit 170 Jahren

Ein Indiz für den schleichenden Untergang eines traditionsreichen Kommunikationsmittels? Muss die bewährte Weihnachtskarte, wie sie noch immer in diesen Wochen zigtausendfach verschickt wird, allmählich der E-Mail weichen, für deren Unterschrift man nicht mal mehr zum Füllfederhalter greifen muss? Es wäre das Ende nach genau 170 Jahren. Erst 1843 soll ein gewisser Sir Henry Cole in London den Illustrator John Callcott Horseley damit betraut haben, ihm eine Karte mit „Merry Christmas and a Happy New Year“ zu entwerfen – der Beginn eines mittlerweile weltweiten Brauchs, der in Deutschland erst nach dem Ersten Weltkrieg übernommen wurde.

Die E-Mail mag bequemer und preiswerter sein, aber bislang sieht es nicht danach aus, dass die klassische Karte zu Weihnachten verdrängt würde. Ja, es haben sich Geschäftsfelder aufgetan, die dem langweiligen, die Schreibhand verkrampfenden Unterschreiben von seriellen Kartengrüßen modernste Technik oder traditionellen Service entgegensetzen. Da gibt es etwa das Handschriftensystem „Universelle plus“ der in Schwarzenbek ansässigen Firma Signascript, eine famose Maschine, die je nach Bedarf mit Kugelschreiber oder edlem Füller Karten beschreibt, in acht Schrifttypen oder auch in individueller Manier. Und es gibt die Firma Schreibstatt in Berlin, die „Manufaktur für handgeschriebene Kommunikation“, für kalligrafische Anliegen verschiedenster Art, also auch für Weihnachtskarten. „Vielleicht möchten Sie auch einen Brief vom Weihnachtsmann verschicken?“ – selbst das gehört zum Service der jungen Firma. Für 6,25 Euro je Karte (brutto 7,44 Euro) wird der komplette Service übernommen, bei Mindestabnahme von zehn Karten.

Vorgedruckte Aufmerksamkeiten zum Fest

Aber die Regel ist solch edle Anfertigung weihnachtlicher Grüße noch nicht. Üblich sind vorgedruckte Aufmerksamkeiten zum Fest, immerhin persönlich unterzeichnet. Auch eine Redaktion wie die des Tagesspiegels erhält davon eine ganze Menge, je nach Ressort mehr aus dem politischen, dem wirtschaftlichen oder dem kulturellen Sektor. Das ist mal von geringerer, mal von höherer Originalität, mitunter sogar spaßig, häufig von selbstironischem Unterton gesättigt, um die Werbung für sich selbst, die solch eine Karte selbstverständlich immer auch darstellt, humorvoll und damit nicht zu aufdringlich zu gestalten. Denn das käme gerade zu Weihnachten nicht gut.

Nehmen wir nur die BVG mit ihrer Chefin Sigrid Evelyn Nikutta: Berlin, das ist eine Welt für sich, hat man sich im Unternehmen wohl gesagt und zeigt das Liniennetz als Erdkugel, die der Weihnachtsmann im Schlitten auf einer Sternenwolke umkreist, darin der BVG nicht unähnlich, wie der Text erläutert: „Mit unseren Fahrzeugen umrunden wir täglich 16 Mal die Erde, und am 24. Dezember freuen wir uns, den Weihnachtsmann mit seinen Geschenken mitzunehmen.“ Auch die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ wuchert mit ihren Pfunden, wünscht „ein unterhaltsames und spannendes Jahr 2014“ und verweist auf die 13 „Tatort“- und „Polizeiruf 110“-Kommissare, die ihr Handwerk bei „Ernst Busch“ gelernt haben. Aufwendig kommt der Weihnachtsgruß des Deutschen Fußball-Bundes daher: eine große grüne Klappkarte, innen mit Fenster, dahinter das Foto eines überpuderten Apfels. Zieht man rechts an der dortigen Lasche, schiebt sich der Apfel zur Seite und rechts aus der Karte, nunmehr mit DFB-Logo, während in dem nun apfellosen Fenster die Weihnachtsgrüße auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch auftauchen. Die „Bild“-Zeitung setzt auf ein ähnliches Kartenbauprinzip – und die Werbewirkung ihres Chefredakteurs Kai Diekmann als Weihnachtsmann. Man darf ihn sogar am Barte zupfen, der dadurch rasch auf ZZ-Top-Dimension wächst.

Eine olfaktorische Herausforderung ist dagegen die Karte des Autoherstellers Kia. Man kann das abgebildete Auto heraustrennen und in den eigenen Wagen hängen – Vanilleduft durchzieht prompt das Fahrzeug. Gewöhnungsbedürftig.

Und der Tagesspiegel? Setzt auf seinen Karikaturisten Klaus Stuttmann, der die Heilige Familie im Stall beim Lesen des Tagesspiegels zeigt: „Schön, diese Feiertage! Endlich mal Zeit, um in Ruhe ’ne gute Zeitung zu lesen!!“ Auch der kleine Jesus in seiner Wiege ist sehr zufrieden: „Und diese krasse App dazu!!“

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