Welle von Magen-Darm-Erkrankungen : Dem Erreger auf der Spur

Bundesweit sind jetzt fast 8400 Magen-Darm-Infekte gemeldet worden – in Berlin sind es 2213. Der Senat will nun mit den Horten über die Schülerspeisung während der Ferien beraten. Nach dem Erreger wird noch immer gesucht.

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Erregerjäger. Die Wissenschaftler des Landeslabors in der Invalidenstraße untersuchen Proben des Schulessens.
Erregerjäger. Die Wissenschaftler des Landeslabors in der Invalidenstraße untersuchen Proben des Schulessens.Foto: dapd

Die Zahl der von Magen-Darm-Erkrankungen betroffenen Kinder ist zum Sonnabend erneut gestiegen. Bundesweit seien fast 8400 Erkrankungsfälle bekannt, sagte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung von Senator Mario Czaja (CDU). In Berlin leiden demnach 2213 Kinder und Jugendliche an akutem Brechdurchfall, bei den darin enthaltenen 37 neuen Fällen handele es sich jedoch um Nachmeldungen von Erkrankungen des Donnerstages. Die Krankheitsverläufe sind auch weiter leicht. Sprecherinnen der Berliner Kliniken von Vivantes und der Charité sagten am Sonnabend, dass es in ihren Häusern keine ungewöhnlich hohe Zahl von Patienten aus Schulen und Kitas gegeben habe.

Auch in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sind zahlreiche Kinder und vereinzelt offenbar auch Pädagogen erkrankt. In ihren Schulen und Kitas soll, wie berichtet, das Essen der Catererfirma Sodexo verteilt worden sein. Ob es sich um eine Lebensmittelvergiftung, etwa durch Salmonellen, oder den berüchtigten Norovirus handelt, stand am Sonnabend nicht fest.

Viele Magen-Darm-Infektion verlaufen ähnlich: Meist verschlechtert sich der Zustand der Betroffenen rapide, etwa mit Erbrechen, Durchfall, Schwindel oder Fieber. Doch innerhalb von zwei Tagen geht es auch Kindern oft besser. „Viele Eltern wissen, dass sie ihr Kind nicht unbedingt in eine Klinik bringen müssen“, sagte ein Kinderarzt. Wegen der Ferien und der nur 37 neuen Meldungen, sei außerdem davon auszugehen, dass die Welle am Abebben sei.

Die Gesundheitsverwaltung teilte mit, dass man bislang davon ausgehe, dass zumindest keine erhöhte Ansteckungsgefahr von den Erkrankten ausgehe. Aus Sachsen hatte es am Sonnabend geheißen, dass sich dort der Verdacht auf Noroviren als Auslöser der Magen-Darm-Epidemie bei mehr als einem Dutzend Kinder erhärtet habe – und Noroviren sind ansteckend. Ob diese tatsächlich die Erreger hinter der Epidemie seien, bestätigten die Sprecher der zuständigen Bundeseinrichtungen nicht.

Video: Die Suche nach dem Erreger:

Am Sonnabend hatte sich die am Freitag gegründete Task Force im Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz in Berlin getroffen. Die Experten werten Essensproben, Speisepläne der Kantinen und Lieferwege aus. In Berlin werden 37 Lebensmittel- und 30 Tupferproben der ins Visier geratenen Firma Sodexo ausgewertet, da alle in Berlin betroffenen Kitas und Schulen von dieser Firma beliefert worden seien. Einen zweifelsfreien Nachweis gebe es noch nicht, sagte ein Sprecher des Bundesverbraucherministeriums. Laborergebnisse werden am Montag erwartet.

Die Senatsverwaltung für Bildung teilte mit, man werde mit den Horten, die Kinder auch in den Herbstferien betreuen und vom Caterer Sodexo beliefert werden, nun weitere Schritte absprechen. Die Firma wies die Vorwürfe zurück. Ein Sodexo-Sprecher sagte, man betreibe in Berlin und Brandenburg 14 Standorte, aus denen rund 400 Kitas und Schulen versorgt würden. Wie berichtet, wurden am Freitag die Sodexo-Küchen in Lichtenberg und Reinickendorf geschlossen. Wann sie wieder eröffnet werden, sei nicht bekannt.

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