Werke von Lou Albert-Lasard : Nach Auffliegen von Schöneberger Kunstfälscher melden sich immer mehr Käufer

Der Auktionator Detlef Gosselck hat Werke der französischen Malerin Lou Albert-Lasard gefälscht und verkauft. Als er überführt wurde, nahm er sich das Leben. Wie die Ermittlungen zeigen, hat er offenbar mehr Geld mit den Kopien eingenommen, als bisher bekannt.

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Schön, aber nicht selten. Fälschungen wie diese stellte der ehemalige Kunstlehrer Detlef Gosselck her.
Schön, aber nicht selten. Fälschungen wie diese stellte der ehemalige Kunstlehrer Detlef Gosselck her.Foto: dpa

Die Ermittler des Fachkommissariats für Kunstdelikte beim Landeskriminalamt kamen am Donnerstag kaum noch vom Telefon weg: Unentwegt meldeten sich Leute, die wissen wollten, ob ihre Bilder der deutsch-französischen Malerin Lou Albert-Lasard (1885–1969) echt sind oder Fälschungen und was jetzt zu tun sei.

Die meisten hatten am Morgen durch die Medien erfahren, dass der ehemalige Kunstlehrer und Auktionator Detlef Gosselck (73) als Fälscher von der Polizei überführt worden und nach einem Geständnis am Sonntag tot aufgefunden worden war. Laut Polizei hatte der Schöneberger sich das Leben genommen.

Kunstliebhaber kauften Fälschungen der Werke von Lou Albert-Lasard

Auch beim Tagesspiegel meldete sich ein Leser, der berichtet, erst vor etwa drei Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff Detlef Gosselck zwei Aquarelle abgekauft zu haben – im Glauben, es handele sich um Originale der Künstlerin Lou Albert-Lasard. „Ich kannte die Künstlerin bis dahin nicht, aber mir haben die Bilder gefallen“, schildert der Leser.

Gosselck habe auf dem Passagierschiff eine Galerie betrieben. „Ich habe insgesamt 1300 Euro für die beiden Aquarelle gezahlt. Mir gefällt die Atmosphäre der Bilder: Einmal ist dort ein Zirkus und einmal ein Clown dargestellt.“ Dass es sich wahrscheinlich um Fälschungen handelt, störe ihn nicht. „Ich lasse die Bilder trotzdem im Wohnzimmer hängen. Nur eine Wertsteigerung, wie ich damals erhoffte, bleibt jetzt aus“, sagt er.

Nun wolle er sich bei der Polizei melden, hoffe aber, die Werke nicht abgeben zu müssen. Bei den Fachermittlern gingen am Donnerstag mehr als 20 neue Hinweise ein. Die zunächst veranschlagte Summe von 100 000 Euro, die Gosselck mit den Fälschungen verdient haben soll, sei wohl zu niedrig, sagte ein Beamter.

Käufer erhalten bei Fälschungen ihr Geld vom Auktionshaus zurück

Die stetige Nachlieferung von weiteren Werken der Künstlerin nach einem großen Auktionserfolg im Sommer weckte einen ersten Verdacht in der Villa Grisebach: 25 000 Euro hatten die beiden Aquarelle mit Berliner Straßenszenen eingebracht, nachdem ursprünglich 2000 bis 3000 Euro für die beiden Blätter der expressionistischen Malerei angesetzt worden waren.

Die Experten des Versteigerungshauses wurden schon bald misstrauisch, da die weiteren Papierarbeiten sämtlich das gleiche Format besaßen und in den gleichen brillanten Farben gemalt waren. Als dann auch noch die Kunsthistorikerin Ursula Prinz, eine ausgewiesene Kennerin des Werks der aus Metz stammenden jüdischen Bankierstochter, ihre Skepsis äußerte, wurde die Polizei eingeschaltet.

Die frühere stellvertretende Direktorin der Berlinischen Galerie hatte 1983 die erste Lou Albert-Lasard-Retrospektive eingerichtet und war vergleichbaren Werken nie begegnet. Die beiden verkauften Bilder, eines davon sogar in die Vereinigten Staaten, wurden daraufhin zurückgeholt. Als sich schließlich der Verdacht erhärtete, wurde der Verkauf rückabgewickelt. Die Käufer erhalten in solchen Fällen ihr Geld zurück, das Auktionshaus muss sich an den Einlieferer halten, der haftbar gemacht wird.

Trieben Helfer des Fälschers die Preise in die Höhe?

Wie oft es zu solchen Rückabwicklungen aufgrund von Fälschungen schon gekommen ist, darüber schweigt sich das Auktionshaus aus. Das Prozedere gehört zu den unangenehmsten Vorgängen im Versteigerungsgewerbe. Nicht zuletzt seit dem Beltracchi-Skandal – der Fälscher hatte Millionen ergaunert – steht der Verdacht im Raum, dass im Kunsthandel bei der Überprüfung nicht immer die nötige Sorgfalt waltet.

Micaela Kapitzky, Geschäftsführende Gesellschafterin der Villa Grisebach, weist solche Vermutungen weit von sich, schließlich habe man im Vorfeld der Sommerauktion für die beiden ersten Blätter die wichtigsten Kenner befragt: Ursula Prinz und den Nachlassverwalter Detlef Gosselck, von dem niemand ahnen konnte, dass er selbst hinter den Fälschungen steckt. Ungehalten reagiert sie auch auf den bereits geäußerten Verdacht, dass hinter den Käufern Helfer des Fälschers gesteckt haben könnten, die die Preise in die Höhe trieben. Beide seien dem Haus als Kunden schon länger bekannt und vertrauenswürdig.

Heikles Kunstgeschäft

Der tragische weitere Verlauf mit dem Tod des Fälschers wirft nun ein umso grelleres Licht auf das heikle Kunstgeschäft. Immer wieder werden Fälschungen angeboten, denen die Einlieferer selbst aufgesessen sind, etwa wenn sie ihre Kunst zuvor über Ebay erworben hatten. Zu den häufigsten Fällen gehören Werke der klassischen Moderne, aber auch der jüngeren Kunst: Grafiken von Gerhard Richter, Sigmar Polke und den Pop-Art-Künstlern müssen regelmäßig aussortiert und an den Anbieter zurückgegeben werden.

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