Wie geht es weiter nach der Schließung? : Keiner interessiert sich für Tegel

Auch drei Monate vor der Schließung des Flughafen Tegels fehlt Berlin noch immer ein konkreter Nachnutzungsplan. Die Stadt hofft auf Jungunternehmer.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wenn am Abend des 2. Juni der Flughafen Tegel geschlossen wird, dürfte es noch Jahre dauern, bis es eine dauerhafte Nachnutzung gibt. Bis dahin setzt die vom Senat mit der Verwaltung beauftragte landeseigene „Tegel Projekt GmbH“ darauf, Jungunternehmer als vorübergehende Mieter für die Gebäude zu finden. Das sagte Projektentwickler Hardy Schmitz am Montag im Wirtschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses. So ist geplant, die Haupthalle neuen Unternehmen als „Coworking Space“ anzubieten, also als temporäre Büros für Firmen, die am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Dabei sollen vor allem Unternehmer angesprochen werden, die mit sogenannten urbanen Technologien ihr Geld machen, also Konzepte zu Themen wie Mobilität, Energie, Kommunikation oder Wasser erarbeiten. „Das große Zentralgebäude wäre ideal für junge Unternehmen, die Flexibilität und günstige Miete wollen“, sagte Schmitz. So sei denkbar, dass Flugsteige zu Büros umgebaut werden. Derzeit arbeite man an einem Werbekonzept, „um die Räume für junge Unternehmer unwiderstehlich zu machen“.

Die Abgeordneten zeigten sich überrascht, wie vage die Perspektive des Areals kurz vor der Stilllegung des Flughafens ist. Der Grünen-Politiker Michael Schäfer nannte es „unbegreiflich, wieso das so lange dauert“. Auch der CDU-Abgeordnete Heiko Melzer sagte: „Wir hätten uns gewünscht, wir wären schon viel früher so weit gewesen wir heute.“

Zuvor hatte Projektentwickler Schmitz, der in den vergangenen zehn Jahren als Chef der Wista Management GmbH für den Ausbau des gemeinhin als erfolgreich eingeschätzten Technologiestandorts Adlershof zuständig war, den Abgeordneten die möglichen Szenarien für Tegel präsentiert. Als Ziel gab er die „schnelle, profilkonforme Nachnutzung“ vor, bei der eine Zwischennutzung „bei minimalen Anfangsinvestitionen“ der erste Schritt sein soll. Nach und nach soll dann das 460 Hektar große Areal mit den markanten Gebäuden saniert sowie die rechtlichen Voraussetzungen für größere Planungsvorhaben und Neubauten geschaffen werden, um voraussichtlich ab 2014 größere Investoren anzulocken. Gefragt, ob es schon Interessensbekundungen größerer Konzerne gebe, sagte Schmitz: „Leider nein.“ Man hoffe aber, durch die Zwischennutzung das „Produkt Tegel“ attraktiver zu machen. Ernst wird es ab September dieses Jahres. Bis dahin hat die Flughafengesellschaft nach der Schließung Tegels drei Monate Zeit, das Areal „besenrein“ an Berlin und den Bund als Eigentümer zu übergeben. Am 2. September soll es eine offizielle Schlüsselübergabe in Tegel geben – zusammen mit einem Volksfest, kündigte Schmitz an. Spätestens dann soll „deutlich werden, wohin es geht“.

Verwundert zeigten sich die Mitglieder des Wirtschaftssausschusses, wie wenig Personal und Geld bislang dem Projekt Tegel-Nachnutzung gewidmet sind. Projektentwickler Schmitz, der seit fünf Monaten für das Vorhaben zuständig ist, hat nach eigenem Bekunden derzeit drei Mitarbeiter. Größere Investitionen für die Entwicklung des Areals seien „erst ab 2014“ im Haushalt eingeplant. Generell bezeichnete er die Vermarktung Tegels als „Herausforderung“: Der Standort sei „schlecht“ an den Verkehr angebunden, auf dem Markt gebe es derzeit „kaum Bewegung“ für derartige Immobilien.

Skeptisch zeigten sich die Abgeordneten auch bezüglich der erhofften Zusammenarbeit mit der Weddinger Beuth- Hochschule für Technik, die angekündigt hatte, ganz oder teilweise auf das Gelände des heutigen Flughafens Tegel umziehen zu wollen. Eine klare Zusage der Hochschule bezüglich der nötigen Investitionen gebe es aber noch nicht, sagte Schmitz. Da „eilt die Meinungsbildung“.

Mehrere Abgeordnete äußerten die Befürchtung, dass die Tegel-Pläne erst konkret werden, wenn das Areal nicht mehr als Flughafen genutzt wird und so wertvolle Zeit verloren geht, ähnlich wie zuvor in Tempelhof. Linken-Politikerin Jutta Matuschek kritisierte, dass die Finanzierung noch „unklar“ sei, SPD-Politiker Frank Jahnke meldete Zweifel an, ob die Zwischennutzung nicht längerfristigen Lösungen im Wege stehen könnte. CDU-Mann Metzler warnte: „Die Vergabe günstiger Flächen an Jungunternehmer wird nicht reichen.“ Und Grünen-Politikerin Anja Schillhaneck bemängelte: „Schöne Visionen - aber es mangelt am konkreten Fahrplan.“

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