Wiedereröffnung : Ein Beinahe-Happy End für die Staatsoper

Berlin hat seine Weltgeltung bei der Staatsoper nicht nur mit rekordverdächtiger Kostenüberschreitung gezeigt. Eine Glosse.

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Generalmusikdirektor Daniel Barenboim steht am 29.09.2017 im Saal der sanierten Staatsoper in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Generalmusikdirektor Daniel Barenboim steht am 29.09.2017 im Saal der sanierten Staatsoper in Berlin.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Vermutlich haben sich die Verantwortlichen in den letzten sieben Jahren öfter gewünscht, sie hätten den kompletten Altbau auf den Laster geworfen und dann auf einer schönen dicken Betonplatte eine neue Oper gebaut. Eine schnittige moderne, ein Architektenmodell fürs weltweite Werben à la Sydney oder Hamburg. Das wäre dann sicher längst fertig.

Hätte man machen können, wäre auch ein Weg gewesen in einer Stadt, die von ihren Historienschinken so schwer loskommt. Aber die Debatten können nun enden, wenn Maestro Barenboim am heutigen Samstag den Taktstock zum bunten Opernabend hebt.

Berlin hat dann seine unveränderte Weltgeltung nicht nur mit rekordverdächtiger Bauzeit- und Kostenüberschreitung gezeigt, sondern sogar mit einem Happy End. Was Hamburg kann, so könnte die Botschaft lauten, das können wir auch. Wobei die Gründe für die enormen Verzögerungen in Berlin sogar ein bisschen besser nachvollziehbarer waren als beim verkorksten Wunderbau an der Elbe.

Eine Hamburger Philharmonie für Berlin?

Gut, so ganz happy ist es noch nicht, nach den Eröffnungstagen wird das ganze Haus noch einmal für zwei Monate geschlossen. Alarmstimmung ist indessen unangebracht, denn nach allem, was wir wissen, geht es um die Feinabstimmung aller Details von der Akustik bis zu den Inszenierungen und nicht darum, dass die Bauaufsicht womöglich wegen einer falsch berechneten Brandschutzanlage alles wieder dichtmacht.

Was dann passiert, wird spannend werden. Kann die neue alte Staatsoper eine ähnliche Sogwirkung entfalten wie die Hamburger Philharmonie, für die Normalsterbliche bekanntlich nie eine Karte bekommen werden? Oder wird sie einfach nur wieder eingemeindet ins Berliner Kulturleben wie ein Patient nach geglückter Reha?

Hoffentlich färbt die Aufbruchstimmung Unter den Linden nun auch ein wenig auf die Leute vom Flughafen ab. Ja, es ist möglich, einen schwierigen Monsterbau auf die Reihe zu kriegen, wenn man sich auf teutonische Ingenieurstugenden besinnt und nicht ewig irgendjemand dazwischenredet. Vielleicht kann ja einer der Opernbauer draußen dem BER ein wenig zur Hand gehen.

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