Wildes Lager in Berlin geräumt : Obdachlose aßen Schwäne im Tiergarten

Immer wieder errichten wohnungslose Menschen wilde Lager im Tiergarten. Jetzt schritten Bezirksamt und Polizei ein - auch wegen der Tötung von Parktieren.

Immer wieder bauen sich Obdachlose provisorische Lager im Tiergarten.
Immer wieder bauen sich Obdachlose provisorische Lager im Tiergarten.Archivfoto: Doris Spiekermann-Klaas

Mehrere Lager von "Wildcampern" sind am Donnerstag im Großen Tiergarten geräumt worden. Das teilte das Bezirksamt am Freitag mit. Die Lager befanden sich unter anderem am Zooverbindungsweg und an der Lessingbrücke. "Im Zusammenhang mit der Maßnahme mussten etwa 25 m³ Müll entsorgt werden", teilte der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), mit. Dinge von Wert seien sichergestellt worden und können von deren Besitzern nun beim Ordnungsamt im Rathaus Mitte abgeholt werden.

"Als Bezirksbürgermeister habe ich den Einsatz begleitet, um mir vor Ort ein genaues Bild über das Ausmaß des wilden Campierens im Tiergarten zu machen", erklärte von Dassel. Die Lebensbedingungen der in den wilden Lagern angetroffenen Menschen – zumeist EU-Bürger ohne Sozialhilfeansprüche – sei "bemitleidenswert", die hygienische Situation "katastrophal".

Das wilde Campieren im Gartendenkmal Großer Tiergarten könne aber bei allem Verständnis für die schwierigen Lebensumstände der dort nächtigenden Menschen nicht toleriert werden, "zumal sich neben der Vermüllung die Tötung von dort lebenden Tieren zur Nahrungsbeschaffung häuft". So hätten Wohnungslose auch Schwäne und andere Vögel gefangen und gegessen, sagt von Dassel dem Tagesspiegel. "Auch die zunehmende Aggression der dort lebenden Menschen gegen die Dienstkräfte des Straßen- und Grünflächenamtes kann nicht geduldet werden."

Das Land Berlin biete für alle Menschen in Not bis Ende März Notübernachtungsplätze mit ausreichenden Essens- und Waschmöglichkeiten an. "Gleichwohl ist die Schaffung einer weiteren dauerhaften Einrichtung für wohnungslose Menschen durch das Land notwendig", in der insbesondere Sozialleistungsansprüche für EU-Bürger geprüft und eine qualifizierte Rückkehrberatung angeboten werden könne.

In letzter Zeit sind in Berlin wiederholt Lager geräumt worden, in denen sich vor allem aus Osteuropa stammende Wohnungslose aufgehalten hatten. So wurde wie berichtet im August das Roma-Zeltlager an der Heilbronner Straße vom Grundstückseigentümer geräumt, nachdem der Bezirk den Druck erhöht hatte. Und die Grünfläche zwischen Bahnhof Zoo und Tiergarten wird schon seit Jahren immer wieder von wohnungslosen Menschen als Lager benutzt. lvt/sve

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