Wintereinbruch in Berlin : Ordnungsämtern fehlen warme Jacken für Mitarbeiter

Stundenlang sind sie auch im Winter auf Berlins Straßen unterwegs. Doch für die Außendienstmitarbeiter der Ordnungsämter fehlen warme Uniformen, weil die Stadt keinen Anbieter fand. Wer Wert auf gutes Aussehen legt, sollte sich einen anderen Job suchen.

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Im Winter wird es für Ordnungsamtsmitarbeiter, die Knöllchen verteilen müssen, ungemütlich.
Im Winter wird es für Ordnungsamtsmitarbeiter, die Knöllchen verteilen müssen, ungemütlich.Foto: dpa

Schneegestöber, Eis und Minusgrade: Wer im Winter stundenlang in Berlin zum Wohl der Allgemeinheit auf der Straße arbeiten muss, sollte nicht frieren. Doch nicht immer klappt es mit der rechtzeitigen Bereitstellung jahreszeitlicher Dienstbekleidung. Acht Jahre nach der Gründung der Ordnungsämter in den Berliner Bezirken sollen deren Außendienstmitarbeiter jetzt warme Daunenmäntel erhalten. Doch der Weg dahin war lang, die Beschaffung der Bekleidung stieß auf ungeahnte Probleme.

Normale Allwetterjacken gehören zur Standardausstattung der Kiezstreifen. Doch in einigen Bezirken hielt man dies für unzureichend und erinnerte sich an die langen, warmen Mäntel, mit denen einst die Politessen ausgestattet waren, als noch die Polizei für die Parkraumüberwachung zuständig war. Die Daunenmäntel wurden in die Bekleidungsordnung aufgenommen und deren Beschaffung – wie üblich – für alle Bezirke durch das Landesverwaltungsamt ausgeschrieben. Der Haken an der Sache war nur der: Es bewarb sich kein einziger Anbieter. Jetzt, da der Winter längst da ist, haben sich die Behörden geeinigt. Den Bezirken ist nun freigestellt, in jeweils eigener Regie einen Lieferanten zu suchen.

So lange bleibt es allerdings erst einmal bei den klassischen Allwetterjacken. Doch auch hier gibt es Lieferschwierigkeiten, erzählt die Spandauer Ordnungsamtsleiterin Elke Gassert. Die Mitarbeiter müssten im Zweifelsfall ihre alten Jacken weiternutzen, deren Tragezeit auf fünf Jahre veranschlagt ist. Für den Fall, dass es ganz eng wird, hat man in Spandau einen Fundus gereinigter, gut erhaltener Altuniformen angelegt. Auch Katrin Lück, Leiterin des Außendienstes beim Ordnungsamt in Charlottenburg-Wilmersdorf, beklagt Engpässe bei den Lieferanten. Man hat Vorsorge durch eine gewisse Bevorratung getroffen.

Unterwegs mit dem Ordnungsamt
15. Oktober 2011: Trotz kühler Temperaturen grillt ein Mann im Tiergarten. Ab dem nächsten Jahr wird das Grillen hier nicht mehr erlaubt.Alle Bilder anzeigen
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15.10.2011 17:5515. Oktober 2011: Trotz kühler Temperaturen grillt ein Mann im Tiergarten. Ab dem nächsten Jahr wird das Grillen hier nicht mehr...

Schwierig kann es allerdings bei der Ausstattung neu eingestellter Mitarbeiter werden. So in Pankow, wo mit der Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung zum April 55 Zusatzkräfte ihren Dienst antreten werden. Dann dürfte zwar der schlimmste Winter vorbei sein, dennoch handelt es sich uniformtechnisch um den falschen Zeitpunkt, sagt Stadtrat Torsten Kühne (CDU). Er bemängelt die bürokratischen Beschaffungswege. Denn noch kenne man ja nicht die Kleidergrößen der künftigen Kollegen, für die Bestellung der Dienstkleidung gibt es aber nur zwei Termine im Jahr. Außerdem ist für jedes Teil ein anderer Lieferant zuständig, so dass die kompletten Uniformen im Amt selbst zusammengestellt werden müssen.

Schnee in Deutschland
Der Winter in Deutschland zeigt sein raureifes Gesicht, vor allem bei diesem Sanddornbusch in Lützow.Weitere Bilder anzeigen
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10.12.2012 12:58Der Winter in Deutschland zeigt sein raureifes Gesicht, vor allem bei diesem Sanddornbusch in Lützow.

Immerhin keine Nachschubprobleme gibt es dagegen bei der Berliner Polizei, sagt deren Sprecher Michael Gassen. Die Beschaffung der Dienstkleidung wird in Kooperation über ein „Elektronisches Warenhaus“ vom Land Brandenburg gesteuert. Hier können die rund 15.600 Berliner Polizisten ihre Standardausstattung sowie aus einem persönlichen Budget zusätzliche Uniformteile bestellen. Für den Wintereinsatz stehen Außendienstlern unter dem Anorak zu tragende Fleece-Innenjacken, Funktionshosen, Strickjacken und -rollis sowie Wollmützen zur Verfügung. Wegen der erhöhten Nachfrage wird derzeit das Kontingent an Winterhandschuhen erweitert.

Keine jahreszeitlichen Unterschiede macht die Berliner Feuerwehr. In der neuen, braunen Schutzkleidung, mit der inzwischen auch die freiwilligen Wehren ausgestattet sind, „friert man nicht“, sagt Sprecher Sven Gerling. Anders als die alten, schwarzen Anzüge ist die neue Dienstkleidung mit einer atmungsaktiven Membran ausgestattet. Dennoch steht den Helfern aber auch Winterunterwäsche zur Verfügung. Einsatzkräfte, die bei der Brandbekämpfung durchnässt wurden, werden bei Minustemperaturen so schnell wie möglich abgelöst.

Bei der Berliner Stadtreinigung hat man einen Bekleidungskatalog. Die ausreichende Verfügbarkeit der Bestandteile wurde nach entsprechender Ausschreibung mit den Zulieferern durch langfristige Planung sichergestellt, so BSR-Sprecher Bernd Müller. Für die rund 1800 Winterdienstkräfte und die 1000 Mitarbeiter der Müllabfuhr gibt es Winterjacken mit wärmendem Futter, Sicherheitshosen, Wintermützen und spezielle Handschuhe. Kraftfahrer beispielsweise auf den Streufahrzeugen erhalten funktionale Winterwesten.

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