Wo die Bezirksregenten wohnen : Der Bürger und seine Meister

Neuköllns nächste Bezirkschefin wohnt nicht in Neukölln. Schlimm? Eher nicht. Andere machen es ebenso.

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Regiert bald Neukölln, lebt aber in Friedrichshain: Franziska Giffey (SPD)
Regiert bald Neukölln, lebt aber in Friedrichshain: Franziska Giffey (SPD)Foto: dpa

Sie regiert bald Neukölln, lebt aber in Friedrichshain – damit ist Franziska Giffey (SPD) eine von drei Bezirksbürgermeisterinnen, die nicht in dem Bezirk leben, den sie regieren. Nur die Grüne Monika Herrmann wohnt im von ihr verwalteten Kreuzberg, die anderen weiblichen Bürgermeister wohnen alle woanders.

Sämtliche männlichen Bezirksbürgermeister – also acht von zwölf, wenn man Heinz Buschkowsky nicht mehr dazuzählt – sind zugleich ihre eigenen Bürger, wie eine Umfrage des Tagesspiegels in den Bezirken ergab. „Ja, selbstverständlich wohnt unser Herr Balzer in Reinickendorf, schon immer!“, heißt es aus dem dortigen Bürgermeisterbüro. Geboren sei Frank Balzer (CDU) in Borsigwalde, mittlerweile aber wohnhaft in Hermsdorf.

Frank Balzer (CDU) ist Reinickendorfer durch und durch.
Frank Balzer (CDU) ist Reinickendorfer durch und durch.Foto: Bezirksamt

Hermsdorf? Dort wurde wiederum Christian Hanke (SPD) geboren, seit 2006 Bürgermeister in Mitte. Er wohnt in Wedding, mithin also in seinem so vielgestaltigen Bezirk, der das glänzende Zentrum mit den Sehenswürdigkeiten einerseits und viele Problemgegenden in Tiergarten und Wedding andererseits umfasst.

Richtige Urgesteine ihrer Bezirke sind der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), und jener von Spandau, Helmut Kleebank (SPD), die außerdem ihr katholischer Glaube verbindet. „Herr Kopp ist gebürtiger Steglitzer und wohnt in Südende“, heißt es aus seinem Büro, und auch Helmut Kleebank ist Spandauer. Er wohnt in Kladow.

Meist wohnen die Bürgermeister im friedlichen Teil ihres Bezirks

Das erinnert in einem Punkt an Heinz Buschkowsky – auch er ein Neuköllner Urgestein, auch er wohnhaft in seinem Bezirk, allerdings leben beide nicht in Problemkiezen ihres Bezirks. Kladow bildet die Südspitze Spandaus, es ist ruhig, grün und bürgerlich, und auch Buckow, wo Buschkowsky wohnt, liegt im Süden Neuköllns und ist ruhig und grün. Ein weiterer Eingeborener seines Bezirks ist Oliver Igel (SPD) aus Treptow-Köpenick – er ist gebürtiger Köpenicker und wohnt bis heute dort.

Auswärts geboren sind nur vier der Berliner Bürgermeister. Der Pankower Matthias Köhne (SPD) kam aus Schleswig-Holstein zum Politikstudium an die Freie Universität, mit einem Stipendium der Ebert-Stiftung, und arbeitete sich dann langsam hoch. Er wohnt in Pankow.

Lichtenbergs neue Bürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) stammt aus Strausberg und wohnt nicht in ihrem Bezirk, sondern knapp daneben in Friedrichshain – nahe an der Bezirksgrenze, wie sie betont. Monteiro ist aber auch erst wenige Tage im Amt und war vorher Mitglied des Abgeordnetenhauses. Das Mandat musste sie aufgeben, um das Amt als Nachfolgerin von Andreas Geisel annehmen zu können, der wiederum als Nachfolger Michael Müllers (alle SPD) jetzt Bausenator ist.

Birgit Monteiro (SPD) regiert seit neuestem Lichtenberg, lebt aber in Friedrichshain.
Birgit Monteiro (SPD) regiert seit neuestem Lichtenberg, lebt aber in Friedrichshain.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Angelika Schöttler (SPD) ist in Schöneberg geboren und damit ein Kind ihres Bezirks; allerdings wohnt sie in Steglitz. Nach 33 Jahren in ihrem Heimatbezirk ist sie vor 19 Jahren zu ihrem Mann gezogen. Die meiste Zeit verbringt sie weiter in Tempelhof-Schöneberg – weniger als 60 oder 70 Stunden hat die Arbeitswoche eines Bezirksbürgermeisters nicht.

Stefan Komoß (SPD) aus Marzahn-Hellersdorf stammt ursprünglich aus Karlsruhe. Er wohnt seit 18 Jahren in Kaulsdorf, einem bürgerlich aufgeräumten Teil seines Bezirks. Auch Franziska Giffey ist keine Berlinerin, sondern wurde in Frankfurt an der Oder geboren. Sie wohnt bisher nicht in „ihrem“ Bezirk Neukölln. Das muss nicht schaden. Was nicht jeder weiß: Der Ur-Grüne Christian Ströbele, Inhaber eines Kreuzberger Bundestags-Direktmandats und Sinnbild für den Kreuzberger schlechthin, hat schon in vielen Bezirken gewohnt, aber noch nie in Kreuzberg. Seit 28 Jahren wohnt er in Tiergarten. Er besitzt außerdem eine Wohnung in Grunewald. Den Wähler scheint es nicht zu stören.

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