Berlin : Wohnen am Flugfeld teurer als erwartet Planer wollen Bauland nicht billig abgeben

von

Bezahlbare Wohnungen für Berliner mit durchschnittlichem oder sogar geringem Haushaltseinkommen, Neubauten zur Entlastung des Wohnungsmarktes – damit rechtfertigt der Senat die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Doch das dürfte am Geld scheitern. Wie der Chef der für die Entwicklung des früheren Flugfeldes zuständigen „Tempelhof Projekt“ am Freitag zugab, rechnen die Planer zurzeit mit Einnahmen, die einen Verkauf aller Grundstücke zum Verkehrswert voraussetzen würden. Dadurch würden in Tempelhof die auch sonst üblichen teuren Wohnungen für besser Verdienende entstehen.

4650 Wohnungen sowie Gewerbeflächen auf zusammen 50 Hektar sollen am Rande des Feldes nach Plänen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entstehen. Zuständig für die Entwicklung des Areals ist die Tempelhof Projekt. Die landeseigene Firma soll die Voraussetzungen für die neuen Siedlungen am Rande des Feldes schaffen: Straßen und Wege bauen, Kanalisation, Strom- und Versorgungsleitungen legen. Millionen kostet das. Dieses Geld soll durch den Verkauf des dann erschlossenen Baulandes wieder hereinkommen – und zwar zu Preisen nach „Bodenrichtwert“, also zu den in der Umgebung der Baufelder sonst auch bei Grundstücksverkäufen bezahlten Preise.

„Wenn der Senat die Grundstücke verschenken will, dann müssen wir neu rechnen, was das bedeutet“, so Gerhard Steindorf, Chef der Tempelhof Projekt. Die derzeitige Kalkulation zur Entwicklung des Tempelhofer Feldes berücksichtige diese „politische Debatte“ nicht. Das Zahlenwerk liege der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vor. Welche Kosten die Projektgesellschaft veranschlagt, wollte Steindorf aber nicht verraten. „Wir legen die Kosten- und Finanzierungsrechnung offen, wenn sie beschlossen ist“, sagte Steindorf.

Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hieß es auf Nachfrage, dass die „Kofinanzierung die politische Schwerpunktsetzung abbilden muss“. Das politische Ziel bei der Bebauung des Tempelhofer Feldes sei es, sozial „durchmischte Quartiere“ zu schaffen mit Wohnungen für Haushalte mit unterschiedlich hohen Einkommen. Wie dies allerdings sichergestellt werden kann, bleibt offen. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hatte vor kurzem erklärt, dass mehrere landeseigene Wohnungsbaugesellschaften finanziell bereits stark beansprucht seien durch den Bau von Wohnungen auf eigenen Flächen, durch Sanierungsmaßnahmen oder den Zukauf von Wohnungsbeständen. Wirksame Instrumente, mit denen private Projektentwickler an ihre Zusagen gebunden werden können, langfristig günstigen Wohnraum in Teilen ihrer Neubauten zu erhalten, sind bisher nicht bekannt. Ganz im Gegenteil: In Gebieten mit Milieuschutz, wo die Sanierung von Wohnungen teilweise gefördert und die Neuvermietung zu günstigen Preisen reguliert werden soll, umgehen die Hauseigentümer regelmäßig die Vorgaben, indem sie Gesetzeslücken ausnutzen. Ralf Schönball

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben