Berlin : Wünsch ihr was

Ehrlich und geradezu: Dagmar Frederic ist eine Unterhaltungskünstlerin. Früher nur im Osten, jetzt in ganz Deutschland. Heute wird sie 60 Jahre alt

Lothar Heinke

Meistens lacht sie, und wenn sie nicht lacht, dann lächelt sie wenigstens, leicht verträumt. Wie auf dem Titelblatt der „Super-Illu“. Also: das Lächeln der Dagmar Frederic. Kleid rot, Lippen rot, Haare blond, Augen braun. Sie guckt so, wie sie immer guckt: Hey, Sie da, kennen wir uns nicht? Sie sind doch sicher auch mein Freund? Ich mag nämlich alle, denen ich meine Lieder singe und meine Geschichten erzähle oder vor denen ich meine Lebensbeichte ablege, zum Beispiel jetzt in meiner zweiten Biografie. Die Super-Illu druckt die Erinnerungen und Gedanken „dieser ungewöhnlichen Frau“, wo „Leidenschaft und Lebenslust, Sehnsucht und Melancholie“ im „Tango meines Lebens“ mitschwingen. Während Dagmar Frederic vor zehn Jahren auf dem Titel der ersten Biografie bekannte: „Ich kann nun mal nicht lügen“, rät sie auf der neuen und selbst geschriebenen sich und anderen: „Schürt das Feuer“.

Mit diesem heißen Tipp zum Anfachen und immer wieder Nachlegen ist die Grande Dame des DDR-Schlager- und-Lied-Gesangs das geworden, was sie seit langem ist – eine Unterhaltungskünstlerin von gesamtdeutschem Kaliber, die man häufig auf ARD und ZDF sieht. Schneller als andere ist sie „im Westen angekommen“, weil da vieles zusammen- passte, was zusammengehört. Zur schönen Ansicht und ewig optimistischen Ausstrahlung kam das jahrzehntelang bei Bühne, Funk und Fernsehen erprobte Talent vielseitiger Liedgestaltung zwischen Schlager, Operette und Musical, die Frederic hat ihr Publikum – ein Star ohne Allüren, gesegnet mit Power, Professionalität, Natürlichkeit und Selbstvertrauen. Seit über 30 Jahren ist sie im Showgeschäft, 1981 verlieh ihr Erich Honecker den Nationalpreis. Als ihr das Singen allein nicht mehr genügte, begann sie zu plaudern, „Daggi“ als unterhaltsame Moderatorin, die Feuer unter den Kessel Buntes machte (ganz im Sinne ihres Vorbilds und liberalen Parteifreunds, des Conferenciers Heinz Quermann) oder brav im TV-Studio bei „Wünsch Dir was“ mit Dénes Törzs flirtete. „Daggi ist ehrlich und geradezu“, sagt ein Kollege, und schlagfertig außerdem. Auch der Autor hat sie so erlebt: Kurz vor der Eröffnung des neuen Friedrichstadtpalastes stürme ich in ihre Garderobe, bleibe wie angewurzelt in der Tür stehen – Frau Frederic ist nämlich schön splitterfasernackt. Ich entschuldige mich und bereite den höflichen Rückzug vor. Sie, lachend: „Nu hab dich ma nicht so“. Irgendwie war Dagmar Schulz, die auch bei der Oma in einer Gaststätte in Eberswalde aufgewachsen ist, immer ein Glückskind. Sie lernt mit zehn Jahren, wie man Akkordeon spielt, singt dazu, steigt mit 16 auf die Bühne des Eberswalder Unterhaltungsorchesters und schmettert „Vilja, ach Vilja!“. Die ganze Familie ist begeistert, bekannt ist sie eh, denn Vater Günter baute mit ansteckender Begeisterung den Tierpark in Eberswalde auf. Heute übrigens der beste Heimattiergarten Deutschlands.

Eines Tages hört und sieht Peter Wieland die hübsche Dagmar, inzwischen gelernte Apothekenhelferin. Wieland ist ein smarter Sänger, der dem Fräulein Schulz nicht nur das Singen beibringt, die beiden werden ein Paar, heiraten gar, trennen sich wieder. Auch mit Siegfried Uhlenbrock singt Dagmar Frederic erfolgreich im Duett. Ihr Liebesleben fährt Karussell und Achterbahn, es scheint, als heirate sie stets mit der gleichen spontanen Begeisterung. Fünf Mal sagt sie Ja!, zuletzt 2002 zu einem erfolgreichen Reiseveranstalter. „Ich habe mich immer getrennt, wenn ich merkte, die Beziehung tut mir nicht mehr gut“, sagt sie in einem Interview. Nun wünscht sie sich, „dass mein Liebster mit seinen starken Armen immer da ist, wenn ich ihn brauche“.

Hand in Hand schlendern die beiden durchs Showgeschäft, es sieht gut aus mit den Gefühlen, wie die Berliner Prominenz am heutigen Freitag in Hans-Peter Wodarz’ Restauranttheater sehen kann. Freunde, Kollegen und die Super-Illu richten für „Ostdeutschlands Show-Lady Nummer eins“ ein Fest aus, „Pomp, Daggi & Circumstance“. Das Glückskind wird heute 60 Jahre alt.

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